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Schumacher vor Gericht – Präzedenzfall mit Zündstoff

Stuttgart.Auf dem Papier wird um 150000 Euro gestritten, doch im Betrugsverfahren gegen Radprofi Stefan Schumacher geht es um wesentlich mehr als das ...

Stuttgart.Auf dem Papier wird um 150000 Euro gestritten, doch im Betrugsverfahren gegen Radprofi Stefan Schumacher geht es um wesentlich mehr als das Begleichen alter Rechnungen. Wenn sich der geständige Dopingsünder Schumacher ab heute vor der 16. Großen Strafkammer des Landgerichts Stuttgart verantworten muss, wird auch sein ehemaliger Teamchef Hans-Michael Holczer durch weitere pikanten Aussagen über verbotene Praktiken beim damaligen Team Gerolsteiner unter Druck geraten.
Doch mehr noch: In dem Präzedenzfall steht erstmals ein Dopingsünder wegen Betrugsverdachts vor Gericht. Aus sportpolitischer Sicht geht es um eine Antwort in einer Systemfrage. Auch die Nationale Anti Doping Agentur in Bonn schaut deshalb ganz genau hin. „Die Verhandlung ist deshalb für die NADA sehr interessant, weil es sicherlich weitere Erkenntnisse geben wird über das, was rechtlich möglich ist und was gegebenenfalls rechtlich geschärft werden muss“, sagte NADA-Vorstand Lars Mortsiefer.
Ein Freispruch für Schumacher wäre Wasser auf die Mühlen der Befürworter eines Anti-Doping-Gesetzes, eine Verurteilung auf die der Gegner. „Das Arzneimittelgesetz stellt den Eigenkonsum geringer Mengen an Dopingmitteln nicht unter Strafe. Bejaht man eine Betrugsstrafbarkeit des dopenden Sportlers, könnten die Ermittlungsbehörden künftig bei Dopingverdacht auch gegen den Athleten ermitteln“, sagte Sportrechtler Marius Breucker.
Schumachers Anwalt Michael Lehner sieht im von ihm angestrebten Freispruch einen Anreiz für eine umfassende Anti-Doping-Gesetzgebung. „Die Frage ist, reicht das normale Sportrecht aus, um Doping mit all seinen Mehrschattierungen mit Ärzten, Funktionären und Betreuern abzudecken“, sagte der Sportrechtsexperte.sid