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So sehen (vielleicht) die neuen Weltmeister aus

Kristin Zimmermann und Julian Bratz aus Brüssow haben sich dem Trockenangeln verschrieben.  FOTOs: Claudia Marsal

VonClaudia MarsalSie stehen auf dem Trockenen und fischen. Noch nie gesehen? Nun in Brüssow werfen seit geraumer Zeit einige Leute ihre Angelruten auf dem ...

VonClaudia Marsal

Sie stehen auf dem Trockenen und fischen. Noch nie gesehen? Nun in Brüssow werfen seit geraumer Zeit einige Leute ihre Angelruten auf dem Land aus. Und sie verfolgen damit sogar ganz hochtrabende Ziele.

Brüssow.Dass die Karpfen zum Laichen auf die Wiese wandern, das ist vielleicht nur eine Mär. Aber wer am Montag oder Mittwoch in den Abendstunden am Brüssower Sportplatz vorbeikommt, der könnte meinen, dass doch etwas dran ist an dieser Geschichte.
Dort finden sich nämlich ab 17 Uhr jeweils eine Handvoll junger Leute zum Angeln ein. Trockenfischen nennt sich das, was die Damen und Herren hier mit einem beneidenswerten Eifer betreiben. Sie werfen Ruten aus, obwohl äußerst unwahrscheinlich ist, dass etwas am Haken hängen wird. Darum geht es ja auch nicht, sondern vielmehr um Kraft und Präzision. Torsten Eich, Vorsitzender des örtlichen Angelvereins, bricht eine Lanze für das „Casting“ genannte Vergnügen. Wer hier die Theorie erlerne, der habe in der Praxis beste Chancen, den Futterplatz zu treffen, an dem sich die Fische tummeln. Aber darum geht es wie gesagt nur sekundär. Die, die sich hier zweimal die Woche in Regie der ehrenamtlichen Trainer treffen, wollen mehr. Sie haben sogar Weltmeisterschaftstitel im Blick. Die besten Trockenangler der Erde werden sich demnächst in Tschechien treffen und dann hat ein Brüssower Chancen, dabei zu sein. Der 18-jährige Julian Bratz fährt am kommenden Wochenende nämlich nach Köln zur letzten Qualifikationsrunde.
Torsten Eich: „Zu fast 90Prozent hat er die WM-Fahrkarte in der Tasche.“ Keine Frage, Eich und seine hundert Mitstreiter vom Brüssower Verein sind superstolz auf das Talent. Genau genommen sogar auf zwei Talente, denn auch die 13-jährige Kristin Zimmermann ist beim Casting auf einem guten Weg. Als deutsche Meisterin ihrer Altersklasse hätte sie ebenfalls das Zeug, sich mit den Besten zu messen. Leider liegt das Startalter bei 14 Jahren, sie muss sich also noch gedulden.
Sowohl Bratz, der den deutschen Jugendrekord hält, als auch Zimmermann starten allerdings unter der Flagge des SC Borussia Friedrichsfelde, weil ein kleiner Verein wie der Brüssower die enormen Kosten, die mit dem Wettkampfgeschehen in diesen Ligen verbunden sind, nicht mehr schultern könnte.
Torsten Eich drückt beiden die Daumen und ruft interessierte Kinder auf, sich an den Trainingstagen ruhig mal am Sportplatz einzufinden. Auf dass Brüssow vielleicht noch mehr Weltmeister hervorbringt.

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c.marsal@uckermarkkurier.de