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Speck als Lohn für Hatz über Parcours

Dennis Bohnsack mit zwei Haflingern im Zweispänner-Hindernisfahren. Der junge Mann trainiert auch den Nachwuchs im Röbeler Ponysportverein. [KT_CREDIT] FOTOs: Thomas beigang

VonThomas BeigangZum Röbeler Pferdesport-Ereignis des Jahres kommt der Bürgermeister mit dem Fahrrad. Und der „Erfinder“ des Turniers will vor allem ...

VonThomas Beigang

Zum Röbeler Pferdesport-Ereignis des Jahres kommt der Bürgermeister mit dem Fahrrad. Und der „Erfinder“ des Turniers will vor allem Ruhe ausstrahlen.

Röbel.Ein schlechter Bürgermeister, wer sich in „seiner“ Stadt bei Höhepunkten nicht zeigt. Das kommt für Röbels Stadtoberhaupt Heiner Müller (SPD) aber nicht in Frage. Selbstverständlich lässt sich Müller beim 19. Speckreiten vor den Toren Röbels blicken. Hat er eine besondere Beziehung zu Pferden? „Eigentlich nicht“, schüttelt der Bürgermeister mit dem Kopf. Aber wohl zu Drahteseln. Müller ist dem Rad da.
100 Meter weiter, in der Aufwärm-Zone, wo sich Roß und Reiter und Kutscher auf die Wettfahrten und -ritte bei dem Röbeler Traditionsturnier vorbereiten, steht Wilhelm Jarchow. Die gute Seele des Röbeler Pferdesports und des Ponyvereins, in dem heute noch rund 30 Mitglieder ihrem Hobby frönen, lässt keine Fahrt und keinen Ritt unkommentiert. „Ruhig, ruhig“, ruft er auf den Platz, als einer der einheimischen Matadoren wieder die Zügel zu locker lässt.
Jarchow holte 1995 das Röbeler Speckreiten wieder aus der Reserve. Der Pferdemensch erinnert sich noch ganz genau: „In dem Jahr feierte das Land das 1000-jährige Jubiläum Mecklenburgs. Und es ging ein Aufruf durch die Städte und Dörfer, Vereine mögen sich doch bitte an Vergangenes erinnern und wiederbeleben, wenn möglich.“ Den Röbelern fiel nichts Besseres als das „Speckreiten“ ein, ein Turnier, das über viele Jahrzehnte seit dem Ende des 18. Jahrhunderts in der Region die Bauern in Atem hielt, später aber irgendwann in Vergessenheit geriet. „Seitdem“, freut sich Jarchow, „kommen jedes Jahr Pferdefreunde aus nah und fern immer am Pfingstmontag nach Röbel.“ Und traditionell winkt dem Sieger im Pferderennen auch, wie zu alten Zeiten, eine Seite fetter Speck als besonderer Lohn. „So’n Speck“, weiß der Röbeler, „war damals ein Hammer-Preis.“
So bunt gemischt die Reihen der Zuschauer, die sich hier auf den von freundlichen Landwirten überlassenen Wiesen tummeln, so abwechslungsreich das Wettkampfprogramm. Ob Sulky-Hindernisfahren, Tonnenreiten, die Wettfahrten von Zwei- und Mehrspännern auf Zeit und durch enge Tore, das sachkundige Publikum weiß guten Pferdesport zu schätzen. Und selbst die wenigen Laien wissen sich gut angeleitet vom „Stadionsprecher“. Übrigens ein Enkel des Speckreiten-Wiederentdeckers Wilhelm Jarchow. Und so etwas weiß sogar der Rad fahrend Bürgermeister Müller: „Der hat die ganze Familie eingespannt zur Organisation.“

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beigang@nordkurier.de