Kurz vor der Paarung verschmelzen diese Haubentaucher in einem graziösen Liebesherz.
Kurz vor der Paarung verschmelzen diese Haubentaucher in einem graziösen Liebesherz. Norbert Warmbier
Der Haubentaucher wird zum Kinderwagen. Die Küken werden auf dem trockenen Rücken der Altvögel übers Wasse
Der Haubentaucher wird zum Kinderwagen. Die Küken werden auf dem trockenen Rücken der Altvögel übers Wasser geschippert. Norbert Warmbier
Der Zwergtaucher nutzt kleinste Teiche zum Brüten.
Der Zwergtaucher nutzt kleinste Teiche zum Brüten. Norbert Warmbier
Eine Lachmöwen- und Schwarzhalstaucher-Brutkolonie in den Renaturierungsflächen am Galenbecker See.
Eine Lachmöwen- und Schwarzhalstaucher-Brutkolonie in den Renaturierungsflächen am Galenbecker See. Norbert Warmbier
Ein Rothalstaucherpaar bei der Balz in einem Tümpel im Penkuner Land.
Ein Rothalstaucherpaar bei der Balz in einem Tümpel im Penkuner Land. Norbert Warmbier
Natur in Vorpommern

Spektakuläres Liebesspiel sorgt für viel Aufmerksamkeit

Während viele Tierkinder schon früh selbstständig werden müssen, schippern die kleinen Haubentaucher auf dem Rücken der Eltern übers Wasser. Auch bei ihrer Balz fallen diese Vögel auf.
Vorpommern

Die Balz der Haubentaucher gehört zu den spektakulärsten Verhaltensweisen im deutschen Vogelreich. Bevor es aber zärtlich wird, muss der Revierinhaber immer wieder seinen Lebensraum gegen andere Männchen auf Freiersfüßen verteidigen. In rasanter Geschwindigkeit stürzt sich der Platzherr auf seinen Nebenbuhler. Dann fliegen die Federn, und die spitzen Schnäbel werden als gefährliche Hieb- und Stichwaffen eingesetzt. So viel Radau bleibt nicht unbeobachtet und zieht Fraßfeinde an. So habe ich als Jugendlicher in der Lentschower Teichlandschaft im Lassaner Winkel einen Seeadler beobachtet, der mit einem kämpfenden Heißsporn abflog.

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Doch wie im Tierreich üblich, gibt es keine Hochzeit und keinen Kindersegen ohne vorheriges Balzritual. Es wird eifrig geschnäbelt. Man vergnügt sich aber auch beim gegenseitigen Scheinputzen. Der Haubentaucher beginnt jetzt mit einem ungewöhnlichen Schauspiel in der heimischen Tierwelt, dem grazilen Wasserballett vor der eigentlichen Paarung. Da die Geschlechter fast gleich aussehen, wirkt dies, als tanzte einer der Vögel vor seinem Spiegelbild. Wenn auf diese Weise die beiden ihre Zuneigung festgestellt haben, nehmen sie Wasserpflanzen in den Schnabel und bieten diese dem anderen als symbolisches Nistmaterial für die zukünftige Familienplanung an. Dabei stehen sich die Verliebten gegenüber. Jetzt werden die Brust und der Hals weit aus dem Wasser gestreckt. Dies nennt die Fachwelt entzückt „Pinguin-Pose“.

Eier liegen in einer Mulde aus feuchtem Pflanzenmaterial

Die Taucher bauen meist ein recht kunstloses, schwammartiges Nest aus Wasserpflanzen, das im Uferbereich angelegt wird. Recht selten sind freischwimmende Nester. Das Gelege besteht meist aus drei bis sechs weißen, auffallend ovalen Eiern.

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Ein Phänomen bei diesen Vögeln der Ordnung Lappentaucher ist, dass die Eier in einer feuchten Mulde aus feuchten Pflanzenmaterialien liegen, oftmals sogar im Wasser. Die Bebrütung dauert bis zu 27 Tage. Die Kalkschale wird immer brauner, dennoch schlüpft gesunder Nachwuchs. Die Jungen haben es dennoch gut, denn schon nach wenigen Stunden wird es gemütlicher. Während die meisten anderen Tierkinder von Geburt an hinter ihren Eltern herlaufen oder paddeln müssen, werden Taucherküken ganz komfortabel und flauschig, wie im Kinderwagen, auf dem trockenen Rücken der Altvögel übers Wasser geschippert. Hierbei stellen sich beide Elternteile als sicheres Floß zur Verfügung.

Scheuer Zwergtaucher wiehert wie ein Pferd

Das Verhätscheln währt jedoch nicht lange, bereits zehn Wochen nach dem Schlüpfen sind die Küken selbstständig und gehen ihren eigenen Weg. Nach der Brutzeit wechselt der Haubentaucher, wie alle anderen Lappentaucherarten, ins viel schmucklosere, recht schlichte dunkelbraune Ruhekleid. Von anderen Wasservogelarten, wie Enten, unterscheiden sich die Taucher durch ihren spitzen Schnabel und den schlanken Hals.

Der Haubentaucherbestand in Deutschland beträgt bis zu 30.000 Brutpaare. Damit gilt er bis heute als nicht gefährdet.

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An vielen kleinen Tümpeln und Seen zwischen Strasburg und den Brohmer Bergen bis hin zur Ueckermünder Heide brütet aber auch der winzige Zwergtaucher, den man kaum zu Gesicht bekommt, denn die Wasservogelart ist recht scheu und befindet sich immer auf der Flucht. Selbst in einigen Dorfteichen in Vorpommern-Greifswald brüten hin und wieder Rothalstaucher, die bei der Balz wie wiehernde Pferde schreien. Durch die Renaturierung am Galenbecker See, am Kummerower See und im Peenetalmoor zwischen Demmin, Jarmen und Anklam haben sich auch hunderte Schwarzhalstaucherpaare angesiedelt.

Durch den verstärkten Wassertourismus im Peenetal ist die Gefahr durch Brutplatzstörungen immer noch groß, denn immer mehr Menschen nutzen den Lebensraum vieler Wasservögel zum Freizeitvergnügen. Der Freizeitdruck nimmt zu und so ist die Schaffung von Schutzzonen auf unseren Seen und Flüssen sehr wichtig.

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