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Alarm! Meister trägt die Rote Laterne

Eisbären-Coach Jeff Tomlinson gibt Anweisungen an sein Team.
Eisbären-Coach Jeff Tomlinson gibt Anweisungen an sein Team.
Armin Weigel

Die Berliner Eisbären glänzen derzeit nicht gerade mit Traumkombinationen. Der letzte Platz in der DEL-Tabelle ist nicht das wovon Spieler, Trainer und Fans träumen. Ob der Trainer Licht am Ende des Tunnels sieht und wie sich die Lage ändern soll, darüber sprach Nordkurier mit EHC-Cheftrainer Jeff Tomlinson.

Jeff Tomlinson, Sie haben im Sommer ein Meisterteam übernommen und dümpeln jetzt mit den Eisbären auf dem letzten Tabellenplatz. Gefällt ihnen der Trainerposten in Berlin trotzdem?

Ja. Natürlich ist der Trainerjob bei den Eisbären eine riesige Herausforderung. Ich habe auch große Unterstützung und optimale Bedingungen. Ich war hier in Berlin zehn Jahre, Spieler, Co-Trainer, Junioren-Trainer und Sportdirektor. Meine Rückkehr ist ein Geschenk für mich. Trainer beim EHC ist für mich viel mehr als ein Job. Dazu wohne ich im Bezirk Prenzlauer Berg, mitten im bunten Herzen von Berlin. Viel mehr geht nicht.

Die Eisbären haben schon sieben Spiele verloren. Lastet dadurch ein besonderer Druck auf ihnen?

Ehrlich gestanden, ich bin genauso frustriert wie die Spieler und die Fans. Ich bin aber gleichzeitig überzeugt, dass wir jetzt mit hartem Training die Grundlagen schaffen, um den Erfolg zurückzuholen.

Was bedeutet Ihnen die fast 60-jährige Eishockey-Tradition von Dynamo bis zu den Eisbären im Wellblechpalast in Berlin-Hohenschönhausen?

Traditionen sind schön und man soll sie pflegen. Sie werden jedoch schnell vergessen, wie man jetzt sieht, wenn sie nicht durch Leistungen untermauert werden.

Bleibt der Titelverteidigung trotz der gegenwärtig eher bedrohlichen Lage weiter das Saisonziel?

Was denn sonst. Hinter uns liegen elf von 52 Spielen. Die Play-offs sind noch weit und wir werden wieder dabei sein.

Die Eisbären waren in den vergangenen Jahren die Schützenkönige der DEL. Im Moment scheinen die Stürmer, das Schießen verlernt zu haben. Haben Sie eine Erklärung für die Torflaute?

Ich gebe zu, im Moment stottert unsere Kanone. Wir suchen eine Lösung für dieses Problem.

Wie könnte diese Lösung aussehen?

Ich unternehme alles, um den Spielern ihr Selbstvertrauen zurückzugeben. Durch Selbstvertrauen steigt die Spielfreude und mit der Spielfreude glücken auch wieder die Tore. Wir haben am Anfang drei bis vier Spiele mit einer gewissen Meister-Arroganz gespielt. Wir dachten, unsere Spiele mit links gewinnen zu können. Inzwischen haben alle begriffen, dass dieser Weg nicht gangbar ist. Als es vorige Woche Ernst wurde, verkrampfte unser Spiel. Es gibt nämlich keinen Knopf, auf den der Trainer drückt, und die Torjäger sorgen für Treffer. Wir werden uns die Torgefährlichkeit wieder erarbeiten.

Wie soll das gehen? Es ist schon ein bisschen peinlich, wenn der Meister ganz hinten in der Tabelle steht.

Der Ehrgeiz und Siegeswille unserer Jungs ist da. Wir müssen zwar Tiki-Taka auf dem Eis spielen, dürfen dabei aber die Kombinationen nicht wie gegen Straubing am Sonntag verkomplizieren. Einfacheres Eishockey kann der Schlüssel zum Erfolg sein.

Brauchen Sie für den Erfolg weitere Spieler?

Unser Kader ist groß genug. Wir setzen jetzt auf die jungen Spieler. Die beiden 19-Jährigen Henry Haase und Alex Trivellato sind eine Verstärkung für unsere Abwehr. Im vorigen Jahr bildeten Arniel, Locke und Tyson Mulock die vierte Reihe. Für eine vierte Reihe waren die Jungs viel zu teuer. Auch ein Meister muss wirtschaften.

Zur gleichen Zeit des Vorjahres sah es bei den Eisbären mit dem Tabellenstand ähnlich aus. Dann kamen die beiden Kanadier Daniel Briere und Claude Giroux und sofort schossen die Eisbären Tore. In diesem Jahr kommen keine NHL-Stars.

Das ist richtig. In diesem Jahr heißen unsere NHL-Stars unter anderem Florian Busch, Darin Olver, TJ Mulock oder André Rankel. Die Jungs haben das Zeug und auch das Können. Sie müssen jetzt die schwierige die Situation meistern.