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Laufsport

Als die Tollensesee-Läufer noch auf dem Marktplatz starteten

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Am 11. Juni startet die 30. Auflage des Tollenseseelaufes in Neubrandenburg. Die Geschichte des Laufes begann im Jahnstadion.
Veröffentlicht:02.06.2022, 16:00

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Als alles begann, war alles viele Nummern kleiner. Nicht einmal 250 Ausdauersportler stellten sich am 29. Juni 1991 bei der Premiere des Neubrandenburger Tollenseseelaufes an die Startlinie. Und kurz waren die Strecken: Im Hauptlauf ging es für die Läufer über 10 Meilen (16 Kilometer) entlang am östlichen Ufer des Tollensesees. Zudem stand ein Fünf-Kilometer-Lauf auf dem Programm. Start und Ziel waren damals im Jahnstadion. „Ein Verein übt sich als Gastgeber” titelte der Nordkurier nach der Premiere. „Wir wollten den Lauf zu einem Sportereignis für die Stadt Neubrandenburg machen”, sagte Jörg Knospe vor 30 Jahren dem Nordkurier-Reporter.

Der Wunsch des Vorsitzenden des SV Turbine Neubrandenburg hat sich erfüllt. Der Tollenseseelauf ist aber längst nicht nur ein sportlicher Höhepunkt in der Viertorestadt, sondern in ganz Mecklenburg-Vorpommern. Die Laufveranstaltung hat mittlerweile andere Dimensionen angenommen. Mehr als 2000 Teilnehmer aus mehreren Nationen sind in der Regel auf den verschiedenen Strecken unterwegs. In seiner 30-jährigen Geschichte erlebte der Tollenseseelauf jedoch einige Veränderungen.

Vier Jahre nach der Premiere im Jahnstadion zogen die Turbine-Macher ins Stadtzentrum. „Wir hatten damals das Radisson-Hotel, den Kaufhof und Coca Cola als Sponsoren gewonnen. Und die meinten, man könnte den Lauf doch auf dem Marktplatz starten, mitten in der Stadt”, erinnert sich Jörg Knospe. Das ließ sich anfangs reibungslos organisieren, doch als der Bau des Marktplatzcenters startete und Ausgrabungen auf dem Marktplatz folgten, begann eine unruhige Phase. „Wir sind zur Stadthalle in den Kulturpark gezogen, dann wieder zurück in die Stadt”, sagt der Turbine-Chef. Irgendwann hatten die Turbine-Leute die Nase voll vom ständigen Hin und Her. 2007 entschied sich der Verein für den kompletten Umzug. „Es kam dann noch hinzu, dass sich Autofahrer zunehmend über die Straßensperrungen aufgeregt haben. Am Ende waren uns die Unsicherheiten zu groß und wir sind für immer in den Kulturpark gezogen”, erzählt er.

Der Marathon am Tollensesee ist sehr anspruchsvoll

Dort ist auch heute der Mittelpunkt des Tollenseseelaufes, mittlerweile zog der Veranstalter mit dem Start- und Zielbereich aber ans Sportgymnasium. Hinzugekommen sind in all den Jahren auch andere Strecken: Ab 1995 stand der Halbmarathon auf dem Programm, seit 1997 kann Marathon gerannt werden. Den anspruchsvollen 42,2 Kilometern rund um dem Tollensesee verdankt der Lauf übrigens auch seinen Spitznamen: „Der Härteste im Norden”.

Zurück zum Premierenlauf 1991: Die Siege im Hauptlauf über 10 Meilen gingen damals ins Ausland. Bei den Frauen gewann die Schwedin Alexandra Wohltat (1:07,25 Stunden) vor Anja Peucker aus Pinneberg (1:07,53) und Angela Aßmann von der TSG Neustrelitz (1:10,34). Pierre Gefroy aus dem französischen Nevers (51:54) setzte sich knapp vor dem Pinneberger Thomas Peucker (51:56) und Jürgen Timm aus Altentreptow (52:19) durch. Peucker, ehemaliger Klasse-Hindernisläufer beim SCN, lebte kurz nach der Wende in Pinneberg und rannte beim Heimatbesuch einfach mit. Mittlerweile wohnt Peucker wieder in Neubrandenburg und arbeitet beim SCN als Lauftrainer. Selbst die Laufschuhe schnürt er nur noch selten.