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André Schürrle hört auf Mamas Rat

André Schürrle (Mitte) hat gut lachen.
André Schürrle (Mitte) hat gut lachen.
Marcus Brandt

Der Gewinner des letzten Qualifikationsspiels heißt André Schürrle. Der Neu-Londoner bestätigte mit seinem ersten Tore-Dreierpack für Deutschland seine gute Form.

Auf die Mama zu hören, kann niemals schaden. Das weiß auch André Schürrle. Von seiner Mutter Louise und auch seiner Schwester Sabrina bekam der Wahl-Engländer den freundlichen, aber bestimmten Hinweis, sich endlich mal wieder den wilden Stoppelbart zu rasieren. „Sie haben lange auf mich eingeredet“, berichtete der 22-Jährige nach seinem ersten Tore-Dreierpack im Trikot der Nationalmannschaft beim turbulenten 5:3 in Schweden.

Nach einem guten Spiel mit einem Tor gegen Irland (3:0) hat sich Schürrle spätestens mit dieser Stockholm-Gala der WM-Teilnahme in Brasilien ein großes Stück näher geschossen. „Vielleicht hat es Glück gebracht“, sagte Schürrle schmunzelnd über die Rasur seines deutlich gestutzten Bartes.

Als Belohnung für den Tipp versprach der Chelsea-Profi seiner Mutter den Spielball als Geschenk. Recht profan in einer Plastiktüte schleppte Schürrle das Spielgerät aus der Friends Arena in Solna. Dass ein Dreifach-Torschütze den Ball bekommt, ist in England schon lange gute Sitte, das wusste Schürrle auch schon vor seinem Wechsel.

Wertvoll ist die sportliche Entwicklung des pfeilschnellen Flügelmannes auf der Insel. „Im vergangenen Jahr war ich mit seiner Entwicklung nicht so zufrieden. In den vergangenen zwei, drei Spielen bei uns zeigt er, was er kann: Dynamisch nach vorn gehen und den Abschluss suchen. Wenn wir ihn so sehen, sind wir zufrieden. Er hat sich in den vergangenen Monaten auch eine körperliche Robustheit angeeignet“, sagte Bundestrainer Joachim Löw.

Im Londoner Starensemble von José Mourinho hat sich der Ex-Leverkusener nach seinem 22-Millionen-Euro-Transfer für viele überraschend gut behauptet. „Er wollte den Wechsel unbedingt. Das spricht auch für sein Selbstbewusstsein, in so einem Club mit großen Ambitionen eine neue Herausforderung zu suchen“, sagte Löw.

Schürrle flog direkt von Stockholm in seine neue Heimat. Ständig muss und will er sich dort im Training beweisen. „Man muss einfach jeden Tag drum kämpfen, dass man am Wochenende auch spielt“, beschrieb er den förderlichen Konkurrenzkampf bei den Blues. „Ich glaube, dass es mir gut getan hat in Sachen Selbstvertrauen, dieser Wechsel zu Chelsea. Ich fühle mich gut, ich bin fit.“

Etwas weiter nördlich in London muss der derzeit verletzte Arsenal-Profi Lukas Podolski plötzlich um seinen Platz im DFB-Team bangen. Marco Reus und nun auch Schürrle sind an dem 111-fachen Nationalspieler acht Monate vor WM-Beginn als Erst- und Zweit-Option im linken Mittelfeld vorbeigezogen.

„Das ist noch früh. Aber jeder versucht, wenn er auf dem Platz steht, sich zu zeigen. Aber es geht natürlich schon die ganze Zeit um die Plätze und die Formation. Mir tut jedes Spiel gut“, sagte Schürrle und zog fröhlich mit dem Ball in seiner Plastiktüte von dannen.

Am kommenden Sonnabend kommt Cardiff City an die Stamford Bridge, dann will Schürrle sich wieder beweisen. Dann geht es in der Champions League am Dienstag zu Schalke 04. Mama Schürrle wird sicherlich genau hinschauen, ob der Sohnemann auch gründlich rasiert ist.