TUMULTARTIGE SZENEN ERSCHRECKEN DIE FUßBALL-VERANTWORTLICHEN

Hansa-Stadion nach Pleite wieder ein Kriegsschauplatz

Auf einen Drittliga-Klassiker haben sich die meisten der 14 200 Zuschauer in der Rostocker DKB-Arena gefreut. Doch für viele wurde es im Umfeld dieses Spiels lebensbedrohlich.
Mit Provokationen fing es in der Rostocker DKB-Arena an. Später folgte eine Eskalation der Gewalt.
Mit Provokationen fing es in der Rostocker DKB-Arena an. Später folgte eine Eskalation der Gewalt. Andy Bünning
Rostock ·

Brutale Randalierer vorm Stadion, kriegsähnliche Zustände in der Halbzeitpause und wieder ein Katastrophenkick: Das Drittligaspiel des FC Hansa gegen RB Leipzig war begleitet von Chaos und Verwüstung und von der sportlichen Leistung her eine Bestätigung des Niedergangs.

Das 1:0 für Leipzig war in der 44. Minute nach verwandeltem Foulelfmeter von Daniel Frahn gerade gefallen – es sollte auch der Endstand sein: Da verließen die ersten Chaoten die Südtribüne der DKB-Arena und begaben sich im Stadionumlauf in Richtung Leipziger Fan-Block. Anfangs flogen Farbbeutel und andere Gegenstände in die Reihen der Sachsen. Später waren es Trümmerteile der zuvor zerlegten Sanitäranlagen. Die Situation verschärfte sich massiv, wurde ebenso für friedfertige Fußballanhänger und Polizisten lebensgefährlich. Spezielle Sicherheitskräfte verstärkten später die Reihen der Polizei, die auch aus einem Hubschrauberheraus versuchte, die zeitweise kaum noch beherrschbare Lage zu erfassen. Es gab auf allen Seiten Verletzte.

Rostocker Trainer setzt die rosarote Brille auf

Nebenbei: Nach dem Anpfiff war die Südtribüne sieben Minuten leer geblieben. Es sollte eine Protestdemonstration sein, war zu hören – gegen wen...? Alles, was daraus wurde, war eine Eskalation der Gewalt. Verein und Polizei bekräftigten hinterher, dass die Täter, die teilweise unvermummt waren, so schnell wie möglich gefunden werden sollen. Ermittelt wird wegen Landfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung. Die Hansa-Führung veurteilte das Verhalten und distanzierte sich von den Tätern.

Viele Beobachter der deutschen Fußballszene fragen sich nach diesen schlimmen Ereignissen aber zu recht: Genügt es, sich zu distanzieren, mit Stadionverboten zu drohen? Es ist an der Zeit, sagen sie, dass die Polizei mit schärferen Mittel gegen diese Kriminellen vorgehen darf und sollte. Es ist an der Zeit, den gesetzlichen Rahmen zu schaffen, dass solche Chaoten zivilrechtlich belangt und schnell verurteilt werden können. „Schnellgerichte müssen dringend her“, hieß es unter den Zuschauern.

Denn die Brutalos, die unter der Hansa-Fahne marschieren, sind unbelehrbar – wie die Vergangenheit zeigt. Zum x-ten Male muss sich der Verein mit gemeingefährlichen Randalierern beschäftigen. Das Spiel selbst war ein Grottenkick. Zur Unlust der Gäste kam das Unvermögen des FC Hansa. Fehlpässe, Mutlosigkeit und übernervöses Agieren prägten die Partie. David Blacha (drei Riesen) und Nikolaos Ioannidis ließen dickste Chancen aus. Und Steven Ruprecht schenkte mit einem dummen, weil völlig unnötigen Foul, den Gästen „Elfer“ und Sieg. Hansa-Trainer Dirk Lottner: „Ich habe der Mannschaft nichts vorzuwerfen. Wir können erhobenen Hauptes aus dieser Partie gehen.“

Rostocks Coach muss, da waren sich alle einig, ein anderes Spiel gesehen haben. Der 42-Jährige war von Hansa erst kürzlich aus der Arbeitslosigkeit geholt und vorerst bis zum Saisonende eingestellt worden. Vielleicht hofft der gebürtige Kölner auf eine Vertragsverlängerung und setzt sich deshalb die rosarote Brille auf. Irgendwie menschlich ...

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