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Hitzlsperger: Noch sind schwule Fußballer unsichtbar

Thomas Hitzlsperger im Trikot der deutschen Nationalmannschaft.
Thomas Hitzlsperger im Trikot der deutschen Nationalmannschaft.
Marcus Brandt

Thomas Hitzlsperger zog bereits vor Jahren in Betracht, sein Schwulsein öffentlich zu machen. Sein Umfeld riet ihm von einem Coming-Out ab.

Thomas Hitzlsperger hat bereits während seiner aktiven Laufbahn sein Coming-out erwogen. Er habe während seiner Zeit beim VfL Wolfsburg in der Saison 2011/12 darüber nachgedacht, sein Schwulsein öffentlich zu machen, sagte der 31-Jährige der britischen Tageszeitung „Guardian“. Dann aber habe er auf Menschen gehört, die ihn vor negativen Konsequenzen gewarnt hatten. „Sie sagten alle, tu es nicht, eine große Welle wird über dir zusammenbrechen“, sagte der frühere Fußball-Nationalspieler. „Aber dann realisierte ich, dass das keiner vorhersagen konnte.“

Die Coming-outs von Sportlern wie Rugby-Profi Gareth Thomas, Wasserspringer Tom Daley oder US-Fußballprofi Robbie Rogers hätten ihm Mut gemacht. „Ich wollte sie unterstützen, wie sie mich unterstützt haben.“ Im britischen Sender BBC betonte er: „Ich kann mir nicht vorstellen, Fußball zu spielen und das zur selben Zeit zu machen. Wir haben noch einen langen Weg vor uns, weil wir eine Reaktion fürchten und nicht wissen, was passieren wird. Schwule Fußballer sind unsichtbar.“

Großen Respekt für seinen Schritt erntete der einstige Mittelfeldspieler in den internationalen Medien. „Thomas Hitzlsperger hat den Schmerz des Vorurteils zerschmettert“, schrieb der „Corriere dello Sport“ aus Italien. Der ehemalige Bundesliga-Profi hatte 2010 einige Monate in der Serie A gespielt.

„Nach seinem Karriereende sorgt der Ex-Lazio-Spieler für Aufsehen“, meinte „La Gazzetta dello Sport“: „Die Idee, die Hitzlsperger mit seinem Coming-Out verfolgt, ist klar: Er will, dass die Medien über das Thema berichten, bis es normal wird, darüber zu reden.“

Trotz Hitzlspergers Öffentlichmachen bleibt für den ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger ein normaler Umgang mit Homosexualität im deutschen Fußball „ein langwieriger Prozess“. Er wünsche sich, dass es im Fußball irgendwann als Normalität einkehre, „dass die sexuelle Orientierung Privatsache ist“, so Zwanziger.

Hitzlsperger hofft, dass er mit seinem Schritt in die Öffentlichkeit „jungen Spielern und Profisportlern Mut machen kann“, wie der 31-Jährige in einem Video auf seiner Homepage sagte. „Profisport und Homosexualität schließen sich nicht aus, davon bin ich überzeugt.“

Er gibt sich aber keinen Illusionen hin, dass sich die homophobe Einstellung einiger Profifußballer über Nacht ändern wird. Der brasilianische Verteidiger Alex von Paris St. Germain wurde am Tag von Hitzlspergers Coming-out mit den Worten zitiert: „Gott hat Adam und Eva geschaffen, nicht Adam und Yves.“ Dazu Hitzlsperger: „Man hat immer solche Typen, es ist traurig, dass sie nicht länger nachdenken.“

Ein „wichtiges Mosaiksteinchen in Richtung Akzeptanz von Homosexualität im Fußball“ sei dieses Coming-out, meint der Sportsoziologe Gunter A. Pilz. „Eines muss man sehen: Hitzlsperger ist als harter Spieler bekannt und hat gezeigt, dass dieser Mythos, Schwule wären alles Weicheier, ad acta gelegt ist.“

Der Zeitpunkt des Coming-out sei unwichtig. „Wichtig ist es nur für die Leute, die homophob sind, andere ausgrenzen – die sollen wissen: Sie haben jetzt einen Gegner mehr“, so Hitzlsperger.