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Verkehrte Fußballwelt vor Ost-Derbys

Derby mit Brisanz: Berlins Torsten Mattuschka (M) beim Schuss auf das Auer Tor.
Derby mit Brisanz: Berlins Torsten Mattuschka (M) beim Schuss auf das Auer Tor.
Jörg Carstensen

Union Berlin grüßt in der 2. Bundesliga von oben, Aue sieht sich im Soll. Wann platzt beim einstigen DDR-Meister Dynamo Dresden und bei Energie Cottbus der Knoten?

Union klopft an die Tür zum Oberhaus, Dynamo dümpelt auf den Abstiegsplätzen herum. Und Aue und Cottbus hoffen nur, nicht in Abstiegsgefahr zu geraten. Vor den Ost-Duellen der 2. Fußball-Bundesliga am Sonntag haben sich die Ausgangspositionen der vier Vereine aus dem Fußball-Osten verschoben. Vor den Partien zwischen Dynamo Dresden und Energie Cottbus sowie dem 1. FC Union Berlin und Erzgebirge Aue genügt ein Blick auf die Tabelle um festzustellen, wie unterschiedlich die Entwicklungslinien verliefen.

„Bei Dynamo hat man noch nicht den roten Faden gefunden. Der Schalter wurde noch nicht umgelegt“, sagte der Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbands NOFV, Rainer Milkoreit. Dies ist noch eher vorsichtig zusammengefasst. Dynamo stand sich am Anfang der Saison wieder einmal selbst im Weg. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, dass Neutrainer Olaf Janßen die Schwarz-Gelben wieder aus der Abstiegszone führt.

Auch außerhalb des Platzes gibt es Uneinigkeit. Die Gremien streiten, ob der Verein vor einem Zivilgericht gegen den Ausschluss aus dem DFB-Pokal vorgehen soll. Entspannung gibt es vorerst bei den Finanzen. Eigentlich müssten die Dresdner 2015 rund sieben Millionen Euro an Geldgeber Michael Kölmel zurückzahlen. Dieser kündigte jedoch an, das Darlehen verlängern zu wollen.

Auch der nächste Gegner der Dresdner stagniert. Der Präsident des FC Energie Cottbus, Ulrich Lepsch, gibt sich unzufrieden. Wenn man die bisherige Bilanz hochrechne, komme der Verein auf rund 40 Punkte. Das heißt: „Man spielt gegen den Abstieg. Das war nicht unser Ziel“, sagte er Lepsch. Und Milkoreit bestätigt: „Es ist nicht erkennbar, dass es bei Energie nach vorne geht.“

Weit positiver ist die Stimmung derzeit bei Union und Aue, die am selben Tag in der Alten Försterei aufeinandertreffen. Die „Veilchen“ hielten in den letzten beiden Spielzeiten gerade so die Klasse. Diese Saison möchte Trainer Falko Götz auf solch ein „blaues Auge“ gern verzichten. Mit bislang fünf Saison-Siegen scheint ihm dies zu gelingen.

Der Thüringer Milkoreit drückt in diesem Spieljahr aber vor allem dem 1. FC Union Berlin die Daumen, weil er dem Team die größten Potenzen zutraut, den Osten künftig im Oberhaus zu repräsentieren. „Ich würde mich freuen, wenn Union aufsteigt. Präsident Dirk Zingler arbeitet seriös und würde sich auch im Aufstiegsfalle nicht verzocken“, ist sich der NOFV-Präsident sicher. Aber es bleibt momentan eine verkehrte Welt im Ostfußball.