Leichtathletik
Beendet Richard Ringer die lange Durststrecke?

Im Bundesleistungszentrum Kienbaum gab sich Richard Ringer entspannt.
Im Bundesleistungszentrum Kienbaum gab sich Richard Ringer entspannt.
Michael Kappeler

2006 gab es bei einer Europameisterschaft letztmals Gold über 10.000 Meter für einen deutschen Läufer. Das könnte sich in Berlin ändern.

„Ich will gewinnen.” Es ist ewig her, dass sich ein deutscher Langstreckenläufer vor einer Europameisterschaft so forsch geäußert hat. Richard Ringer hat damit kein Problem, und es liegt ja auch nahe, dass der 29-Jährige vor dem Finale über 10 000 Meter (Dienstag, 20.20 Uhr) an Gold denkt.

Ringer ist der Führende in der europäischen Jahresbestenliste über die 25 Stadionrunden. Beim Europacup in London im Mai toppte er seine Bestzeit in 27,39,52 Minuten nicht nur klar, sondern sicherte sich auch den Sieg. Schneller als Ringer waren bisher nur drei deutsche Läufer: Dieter Baumann (27:21,53 min; 1997), Werner Schildhauer (27:24,95 min; 1983) und Hansjörg Kunze (27:26,00 min; 1988).

Die Konkurrenz ist stark

Nun tritt Ringer im Berliner Olympiastadion als einer der Top-Favoriten an die Startlinie – als neue Goldhoffnung. Vor zwölf Jahren gab es das letzte Mal einen EM-Titel für einen deutschen 10 000-Meter-Läufer.

Jan Fitschen rannte 2006 in Göteborg in 28:10,94 überraschend zum Sieg, seit dem gab es keine Medaille mehr für einen DLV-Athleten. Ringer möchte dieses Gold, bleibt aber bescheiden: „Die Konkurrenz ist stark.” Die Tatsache, dass der britische Superstar Mo Farah nicht in Berlin dabei sein wird, „hat doch alle noch ein wenig mehr motiviert“.

Es war ein langsames Herantasten an die Strecke

Ein Erfolg in diesem Finale wäre sozusagen auch die Verwirklichung seines Masterplans. Ringer, der 5000-Meter-Spezialist, beschäftigt sich seit 2011 mit den 10 000 Metern. „Es war immer alles darauf ausgelegt”, sagt der Athlet vom VfB LC Friedrichshafen.

Er habe um sein Potenzial für diese Distanz gewusst, deshalb sei die Zeit von London für ihn auch nicht überraschend gewesen. Dennoch sei es ein langsames Herantasten gewesen an die 25 Runden. „Ich wusste zum Beispiel lange nicht, was nach 5000 Meter in meinem Körper passiert”, erzählt der Läufer.

Ringer, der sich allein trainiert und in diesem Jahr erstmals in seiner Laufbahn ein Höhentrainingslager absolvierte, ist nun bereit. Er ist einer, der die lange Durststrecke der deutschen Langstreckler beenden könnte.

Die 5000 Meter folgen noch

Im DLV-Team gilt er als einer der großen Medaillen-Hoffnungen. Der 29-Jährige weiß um die Erwartungshaltung bei der Heim-EM: „Ich mache mir keinen Druck. In so einem Finale entscheiden oft Nuancen.”

Ringer könnte am Ende sogar zweimal Edelmetall gewinnen. Denn auch über die 5000 Meter am kommenden Sonnabend will er starten. „Der Fokus liegt aber erst einmal nur auf den
10 000 Metern”, sagt er. Alles für die Mission Gold.