Anna Rüh, hier bei der Weltmeisterschaft 2017 in London, will das Ticket für die Europameisterschaft lösen.
Anna Rüh, hier bei der Weltmeisterschaft 2017 in London, will das Ticket für die Europameisterschaft lösen. Bernd Thissen
Leichtathletik

"Beim SCN habe ich mich nicht mehr wohl gefühlt"

Sie gehört zu den talentiertesten Diskuswerferinnen in Deutschland. Ihr plötzlicher Wechsel nach Magdeburg sorgte für Erstaunen. Wie geht es Anna Rüh heute?
Magdeburg

Anna Rüh ist in Neubrandenburg immer noch präsent, und das dürfte dem einen oder anderen Verantwortungsträger beim Sportclub Neubrandenburg nicht gefallen. Auf einem der Stadtbusse ist ihr Konterfei zu sehen, riesengroß. Es ist ein Überbleibsel einer Werbekampagne, bei der bekannte Persönlichkeiten der Viertorestadt auf den Bussen abgebildet wurden. Anna Rüh war damals dabei – als das neue Leichtathletik-Gesicht des SCN.

Der Bus mit der lächelnden Anna fährt weiter durch Neubrandenburg. Aber Anna Rüh hat der Stadt längst den Rücken gekehrt, vor gut drei Jahren wechselte die Diskuswerferin zum SC Magdeburg. Der Weggang sorgte für Aufsehen, Verärgerung und Frust. Anna Rüh, jung, talentiert und erfolgreich, sollte der künftige Star vom Tollensesee werden. Doch dann war sie weg.

„Es wäre schön gewesen, wenn Anna bei uns geblieben wäre. Der Abschied war schmerzlich. Aber Sportler sind frei in ihrer Entscheidung“, sagt SCN-Präsident Heinrich Nostheide. Der Club hätte den Wechsel damals verhindern können, weil Anna Rüh als Perspektivkader für die Olympischen Sommerspiele in Rio einen Vertrag bis 2016 besaß. Von dieser Möglichkeit machte der Club keinen Gebrauch: „Wir haben ihr keine Steine in den Weg gelegt. Das hätte keinen Sinn gemacht“, sagt Nostheide heute.

Rüh: Schritt nach Magdeburg war richtige Entscheidung

Wenn man sich mit Anna Rüh über ihre Zeit in Neubrandenburg unterhält, merkt man schnell, dass dieses Kapitel für sie wirklich beendet ist. „Beim SCN habe ich zu niemandem Kontakt“, sagt sie. Es gibt keine emotionale Bindung mehr zu dem Club, zu dem sie 2007 aus Greifswald kam und bei dem sie ihre Karriere als Diskuswerferin startete. Sie holte Medaillen bei Deutschen Meisterschaften an den Tollensesee, wurde 2012 in Barcelona U20-Weltmeisterin und startete wenig später sogar bei den Olympischen Spielen in London, wo sie Platz zehn belegte. Im Trikot des SCN schraubte die Athletin im Mai 2015 in Wiesbaden ihre persönliche Bestweite auf 66,14 Meter – alles lief perfekt. Wenige Monate später gab sie ihren Wechsel zum Verein aus Sachsen-Anhalt bekannt.

„Ich bin dankbar für alles beim SCN. Der Schritt nach Magdeburg war damals aber eine große und wichtige Entscheidung, für die ich mir viel Zeit gelassen habe“, sagt Anna Rüh. Sie sei in Neubrandenburg unter Trainer Dieter Kollark erfolgreich gewesen, habe sich aber unwohl gefühlt. „Ich wollte etwas Neues. Es war die richtige Entscheidung, in jeder Hinsicht“, sagt die 24-Jährige. Heute habe sie das Gefühl, nie woanders als in Magdeburg gelebt zu haben: „Als ich im September zum SCM kam, wurde ich freundlich und nett aufgenommen.“ Zu den Glücksgefühlen beigetragen hat Martin Wierig, 30 Jahre alter Diskuswerfer beim SC Magdeburg. Beide verbindet inzwischen mehr als der Sport.

Verletzungen bremsten Anna Rüh aus

Sportlich läuft es in Magdeburg aber noch nicht ganz nach Wunsch. Im vergangenen Jahr holte sie zwar Diskus-Silber bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt (62,17), bei der anschließenden Weltmeisterschaft in London scheiterte Anna Rüh aber mit 60,78 Meter in der Qualifikation. „Das Training und die Technikvorstellungen meines jetzigen Trainers sind andere, mit denen ich mich aber weiterentwickle, auch wenn ich das bis jetzt aus verschiedenen Gründen noch nicht zeigen konnte“, erzählt sie und nennt gesundheitliche Probleme sowie Verletzungen, die sie immer mal wieder ausgebremst hätten.

Das Ziel für 2018 hat Anna Rüh aber klar formuliert – eine erfolgreiche Teilnahme an der EM in Berlin: „Mit erfolgreich meine ich einen Platz unter den besten sechs.“

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