BUNDESLIGA-GEISTERSPIELE

Das Coronavirus erfasst den deutschen Sport

Die Corona-Krise beeinflusst nun auch Sport-Veranstaltungen in Deutschland. Geisterspiele bereits in dieser Woche werden zunehmend wahrscheinlicher.
dpa
Die Deutsche Fußball Liga stellt sich wegen der Ausbreitung des Coronavirus auf Geisterspiele am nächsten Bundeslig
Die Deutsche Fußball Liga stellt sich wegen der Ausbreitung des Coronavirus auf Geisterspiele am nächsten Bundesliga-Wochenende ein. Tom Weller
München.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat den deutschen Sport angesichts der Ausbreitung des Coronavirus erneut zu drastischen Maßnahmen aufgefordert. „Ich ermuntere die Verantwortlichen ausdrücklich, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern bis auf weiteres abzusagen”, sagte der CDU-Politiker am Montagmittag in Berlin. Spahn relativierte seinen „sehr ernst” gemeinten Hinweis mit den Worten: „Das heißt nicht, dass der Sport nicht stattfindet, sondern die Frage ist, unter wie vielen Beteiligten.” Damit wird es wohl zu Geisterspielen in den deutschen Profiligen kommen.

Allen voran der zugkräftige deutsche Profi-Fußball steht im Fokus. Vor leeren Rängen muss am Mittwoch zunächst Borussia Dortmund antreten – allerdings in Paris. Das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League bei Paris St. Germain muss nach Angaben der lokalen Polizeipräfektur ohne Publikum ausgetragen werden. Die französische Regierung hatte am Sonntag alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern untersagt. Ob und unter welchen Umständen der BVB am Samstag zum Revierderby bei Schalke 04 antritt, blieb am Montag zunächst unklar.

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„Das ist jetzt der Zeitpunkt, Großveranstaltungen abzusagen”, betonte am Montag neben Spahn auch Prof. Dr. Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts. Die Entscheidung darüber liege allerdings „immer bei den lokalen Gesundheitsbehörden”. In Abstimmung mit diesen will daher auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) vorgehen. Geschäftsführer Christian Seifert rechnet schon für das Wochenende mit Geisterspielen. Alles andere sei „nicht realistisch”, sagte er bei Bild Live. Eine Absage des kommenden Spieltags oder eine Aussetzung der Meisterschaft schloss Seifert erneut aus.

Spahn: "Das ist jetzt der Zeitpunkt, Großveranstaltungen abzusagen"

Die erste „Ermunterung” von Spahn am Sonntag wurde am Montag zumindest von den Behörden in Leipzig ignoriert. RB Leipzig darf sein Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League am Dienstag gegen Tottenham Hotspur vor Publikum austragen. Die Entscheidung gelte aber „nur für dieses eine Spiel”, sagte Leipzigs Stadtsprecher Matthias Schmidt dem SID. Über das für Mittwoch vorgesehene Nachholspiel in der Bundesliga zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln soll am Dienstag entschieden werden. „Ich finde es konsequent inkonsequent, was wir gerade tun”, sagte Kölns Sportdirektor Horst Heldt.

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Zwei Bundesländer haben angekündigt, Spahns „Ermunterung” aufzugreifen: Nordrhein-Westfalen nach Angaben seines Ministerpräsidenten Armin Laschet und Bayern nach Mitteilung des Krisenstabes der Bayerischen Staatsregierung. Betroffen wären damit zunächst auch die Pre-Play-offs in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) mit Spielen in Nürnberg, Ingolstadt und Augsburg, in der kommenden Woche dann auch der FC Bayern mit seinem Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen den FC Chelsea. Zuvor soll am Sonntag der FC Augsburg in der Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg spielen.

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Die finanziellen Folgen für den Sport sind einstweilen nicht abzusehen, sollte es wenigstens zu Geisterspielen kommen. Der Bundesliga-Fußball wäre noch am ehesten in der Lage, dies aufzufangen. In der vergangenen Saison betrugen die Erlöse der 18 Erstligisten aus dem Zuschaueraufkommen 520 Millionen Euro. dies entspricht 12,9 Prozent des Gesamtumsatzes. Viel stärker betroffen wären allerdings die Klubs anderer und weit weniger finanzstarker Ligen, bei denen die Zuschauereinnahmen einen weit höheren Anteil am Gesamtetat ausmachen.

Folgen für die Bevölkerung sind bewusst

„Ich bin mir bewusst, welche Folgen das für Bürgerinnen und Bürger oder Veranstalter hat”, hatte Spahn schon am Sonntag gesagt und angekündigt, „in den nächsten Tagen” auch darüber sprechen zu wollen, „wie wir mit den wirtschaftlichen Folgen umgehen. Klar ist aber: Unsere Gesundheit geht vor”. Dies ist auch die Meinung von Prof. Dr. Roland Schmidt, Internist im medizinischen Stab des FC Bayern, der Geisterspiele für unausweichlich hält. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das eine sehr sinnvolle Maßnahme sein kann – und vielleicht ist sie ein Muss”, sagte er der Bild-Zeitung.

Die Betroffenen zeigen vorauseilend Verständnis für Geisterspiele, etwa Fußball-Nationalspieler Leon Goretzka von Bayern München. „Wenn die Verantwortlichen (...) der Meinung sind, dass man etwas Gutes damit tun kann für das Land, dann müssen wir das in Kauf nehmen. Das ist doch klar”, sagte er. Dies beträfe dann auch den Deutschen Fußball-Bund (DFB): In Nürnberg soll spätestens Mitte der Woche eine Entscheidung darüber fallen, ob das Länderspiel am 31. März gegen Italien ausgetragen wird.

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