Eishocky-Ostseeliga
Die Blizzards warten geduldig auf das Wunder

Vereinschef Martin Endlich fiebert den Saisonstart seines Teams entgegen. Am Sonntag müssen die Neubrandenburger bei den Malchower Wölfen antreten.
Vereinschef Martin Endlich fiebert den Saisonstart seines Teams entgegen. Am Sonntag müssen die Neubrandenburger bei den Malchower Wölfen antreten.
Peter Krüger

Endlich startet für die Neubrandenburger Eishockey-Cracks am Sonntag die neue Saison der Ostseeliga. Gleich zu Beginn haben es die Viertorestädter dabei mit den beiden Staffelfavoriten zu tun.

Wenn Martin Endlich über seinen Verein spricht, dann tut er es zumeist ohne Punkt und Komma. Dann leuchten seine Augen und man merkt sofort, dass jede Menge Begeisterung mitschwingt. Begeisterung für seine Sportart, Begeisterung für seinen Verein. Die Sportart nennt sich Eishockey, der Verein Neubrandenburg Blizzards.

Seit fast einem Jahrzehnt halten Endlich und Co. nun den Kufensport mit der Puck-Sehnsucht in der Viertorestadt am Leben. „Und darauf sind wir unheimlich stolz“, weiß Endlich zu berichten, ohne jedoch zu vergessen, „dass es nicht immer einfach war“. Doch momentan läuft es für die Blizzards äußerst gut.

2009 mit nur zwölf Mitgliedern gegründet, zählt der Verein inzwischen doch knapp 90 Eishockeyverrückte im Alter von vier bis über 60. Ein imposanter Anstieg, wenn man bedenkt, dass der Standort Neubrandenburg selbst über gar keine Eishalle verfügt.

„Das ist natürlich unser großes Manko“, gibt Endlich, der Vorsitzende der Blizzards, offen zu. „Mit den Fahrten zu den auswärtigen Eishallen binden wir uns nicht nur jede Menge Zeit, sondern auch so einiges an finanziellen Mitteln, ans Bein.“ Die Eishallen sind dann zumeist die in Schwedt oder auch in Malchow – in beiden haben die Neubrandenburger ihre festen Trainingszeiten.

In der Letzteren stürmen die Blizzards am Sonntag (18.30 Uhr) dann auch erstmals in dieser noch recht jungen Saison für ihren Punktspielauftakt aufs Eis. Gegner sind die gastgebenden „Wölfe“, die immerhin schon zwei Spieltage in den Knochen haben. Ein Sieg sowie eine durchaus überraschende Niederlage – jeweils gegen die Rostocker Kodiaks – haben die Malchower in der momentan noch nicht sehr aussagekräftigen Tabelle zu stehen.

In der Tabelle der Eishockey-Ostseeliga, in der neben den Malchowern, Neubrandenburgern und Rostockern zudem auch die Müritz Wikinger sowie der OSC Berlin auftauchen. Fünf Teams also, die dem Aussterben der Sportart Eishockey in Mecklenburg-Vorpommern gewaltig die Stirn bieten.

Zumindest auf einer sportlich sehr reizvollen Ebene, die die Ostseeliga auf jeden Fall zu bieten hat. „Wenn noch ein, zwei Teams wegbrechen“, so Endlich nachdenklich, „dann wird es jedoch schwer, diese Liga am Leben zu halten.“ Doch noch ist sie am Leben und präsentiert alljährlich ihren Meister.

In den meisten Fällen sind es dann die Müritz Wikinger aus Klink, die am nächsten Wochenende dann auch schon der zweite Gegner der Blizzards sind. „Zweifellos ein hartes Auftaktprogramm“, weiß Endlich, „doch im Endeffekt müssen wir ja ohnehin mal gegen Jeden ran“.

Wenn man der Statistik Glauben schenkt, dann sind es jedoch zwei Spiele für die Neubrandenburger, die als Meisterschaftsdritter der Vorsaison auch in diesem Jahr ähnliche Ziele verfolgen, in denen die Trauben vermutlich viel zu hoch hängen.

„Im Normalfall haben wir sowohl gegen die Klinker als auch die Malchower keine großen Chancen“, doch erinnert sich Endlich auch an Spiele, in denen es schon halbwegs eng zur Sache ging. „Vor zwei Jahren haben wir bis kurz vor Schluss ein 2:2 gegen Malchow halten können, doch am Ende noch 2:4 verloren.“

Was aber nicht heißen soll, dass die Blizzards auch jetzt im Vorfeld dem Gegner freiwillig die Punkte aufs Eis schmeißen. „Wir werden in jedem Spiel alles reinhauen und vielleicht klappt es ja dann irgendwann mal mit dem kleinen Wunder“, so Endlichs Hoffnung.

Ob sich diese Hoffnung schon am Sonntag erfüllt, ist jedoch eher unwahrscheinlich. Allein schon der Spielpraxis wegen, über die die Malchower derzeit verfügen – und die Blizzards eben nicht.

Ein geplantes Testspiel wurde kurzfristig abgesagt

Während die „Wölfe“ neben den zwei Punktspielen auch schon ein Testspiel absolvierten, blieb den Viertorestädtern hingegen ein freundschaftlicher Test verwährt. Geplant war zwar einer während des mehrtägigen Trainingslagers im thüringischen Sonneberg gegen eine Mannschaft aus Erfurt, doch diese sagte kurzfristig ab.

Neben den Tagen in Sonneberg gab es zudem auch noch ein Trainingswochenende auf dem Malchower Eis. „Wir sind ohnehin das ganze Jahr über in Bewegung“, so Endlich, „im Winter auf Kufen und im Sommer auf den Rollen“. Die Rollen sind Inliner, auf denen die Blizzards zudem auch im Winter einmal die Woche im Training unterwegs sind. Und nicht nur dort.

Auch absolvieren sie ziemlich erfolgreich einige Inlineskaterhockey-Wettbewerbe und führen darüber nicht selten den Nachwuchs an den harten Eishockeysport heran. So zum Beispiel die beiden Talente Finn Brammann
(16 Jahre) und Paul Reimann (17), die nebenbei auch bei den Rostocker Nasenbären spielen und mit diesen in zwei Wochen sogar an den Deutschen Meisterschaften teilnehmen. „Das macht uns schon ein bisschen stolz“, schwärmt Endlich und spricht schon wieder ohne Punkt und Komma.