BEN ZOLINSKI UND SARGIS ADAMYAN

Die Profi-Macher vom 1. FC Neubrandenburg 04

Mit Ben Zolinski und Sargis Adamyan mischen zwei Profis in der neuen Bundesliga-Saison mit, die einst beim 1. FC Neubrandenburg 04 das Fußball-Abc gelernt haben.
Von Roland Gutsch Von Roland Gutsch
Ben Zolinski stieg mit dem SC Paderborn in die Bundesliga auf.
Ben Zolinski stieg mit dem SC Paderborn in die Bundesliga auf. Robert Michael
Gegen Bayern München schoss Sargis Adamyan bei seinem Startelf-Debüt in Hoffenheim beide Tore zum überraschende
Gegen Bayern München schoss Sargis Adamyan bei seinem Startelf-Debüt in Hoffenheim beide Tore zum überraschenden 2:1-Sieg. Matthias Balk
André Kasper hält Kontakt zu Ben Zolinski.
André Kasper hält Kontakt zu Ben Zolinski. Roland Gutsch
Torsten Köpke trainierte den jungen Sargis Adamyan.
Torsten Köpke trainierte den jungen Sargis Adamyan. Roland Gutsch
Neubrandenburg.

„Ich habe einen kleinen Sohn. Wenn Berichte über die Spiele von Ben im Fernsehen laufen, sag‘ zu ihm: Guck dir den an, der hat’s geschafft“, so André Kasper. Er sei „stolz auf Ben, echt stolz“. Mit Ben ist Ben Zolinski gemeint, Fußball-Profi bei Neu-Bundesligist SC Paderborn. Kasper, den alle beim 1. FC Neubrandenburg 04 „Kiki“ nennen, gehörte zu dessen Nachwuchstrainern.

Der 27-jährige Zolinski hat eine Neubrandenburger Vergangenheit und ist in der höchsten Spielklasse angekommen. Was auch auf Sargis Adamyan (26) zutrifft, der in diesem Sommer von Jahn Regensburg zur TSG Hoffenheim wechselte, vom Zweit- zum Erstligisten. Und der gerade bei seinem Startelf-Debüt mal eben den großen FC Bayern abgeschossen hat. Zwei aus der FCN-Schule, die zugleich in der Beletage des deutschen Fußballs mitmischen – das gab es lange nicht.

Gab’s das überhaupt schon mal? Doch! Parallel im Erstliga-Geschäft waren Tim Borowski (39) als Spieler von Werder Bremen und Roland Benschneider (38), der in zwölf Bundesliga-Partien für den 1. FC Köln zugange war. Kurz überschnitten könnten sich auch die Karrieren „ganz oben“ von Borowski und Hansa-Rostock-Verteidiger Marco Zallmann (51) haben. Und in der 2. Liga tummelten und tummeln sich diverse Männer, die den Tollensesee bestens kennen – von Torjäger Tobias Jänicke (30), früher für Hansa und Dynamo Dresden am Ball, bis zu Torwart Florian Stritzel (25), der derzeit beim SV Darmstadt um einen Stammplatz kämpft. Allesamt sind sie beim 1. FC Neubrandenburg 04 und bei dessen Vorgänger-Vereinen auf Linie gebracht worden.

Adamyan dribbelte den Torwart doppelt aus

Sargis Adamyan musste dafür 2005 sogar dem Tischtennis-Sport abspenstig gemacht werden. Andrijan Drews, seinerzeit FCN-Übungsleiter, holte den Jungen quasi von der „Platte“ weg, an der er sogar einen norddeutschen Titel gefeiert hatte. „Das war ein richtiger Straßenfußballer“, erinnert sich Drews in einem Facebook-Beitrag an Adamyans Anfänge. Total verspielt. Über den Goalgetter, der aus Armenien stammt und nunmehr dort Nationalspieler ist, wird mit Vorliebe dieser Jugend-Schwank zum Besten gegeben: In einem Kreisfinale habe er bereits den Keeper des Gegners ausgetrickst und vor der leeren Kiste gestanden. Statt den Ball ins Tor zu schieben, sei er aber umgekehrt, um den armen Keeper ein weiteres Mal zu narren und erst dann den Treffer klarzumachen.

Torsten Köpke, Urgestein der Nachwuchsförderung bei den Viertorestädtern, wusste diese Dribbelstärke zu schätzen. „Sargis hat den Ball geliebt, der war hungrig auf Tore. Das konnte allerdings bis zum Eigensinn gehen“, so Köpke.

Der hatte als B-Junioren-Trainer der Regionalliga-Mannschaft mit Adamyan zu tun. „Ein lockerer Typ. Gut, dass wir es geschafft haben, ihn zum Fußballer zu machen.“ Zu jenen, die Sargis Adamyan zuvor das Fußball-Abc beibrachten, zählen Peter Jandt, der mittlerweile leider verstorbene Gerald Hesse und Klaus Kirchner. „Sargis hatte Ehrgeiz, der konnte ohne großen Anlauf schießen. Schon als Junior war er eine Säule im Team“, denkt Jandt zurück. „Ehrlich gesagt habe ich ihm aber die Entwicklung zum Profi nicht zugetraut, ihm fehlte damals ein wenig das Tempo. Ich habe mich getäuscht – in diesem Fall gern.“

Die vorige Saison war nach vielen Verletzungen super

Adamyan und Zolinski gingen hier den Weg speziell begabter Talente – zu Rostocks Hanseaten. Es folgte die übliche Ochsentour. Adamyan machte in Neustrelitz, Steinbach und Regensburg Halt. Zolinskis weitere Stationen: Jena, Union Berlin, Neustrelitz, seit drei Jahren nun Paderborn.

„Egal, wo Ben ist, wir telefonieren gelegentlich, halten Kontakt“, ist „Kiki“ Kasper froh, dass Zolinski „nicht vergisst, wo er herkommt“. Als F-Junior aus Möllenhagen war Ben Zolinski beim FCN gelandet und vom Trainer-Gespann Axel Kühl/André Kasper bis in die D-Junioren-Zeit betreut worden. „Ein feiner, zuvorkommender Junge, gut erzogen von den Eltern. Der hat nie gezuckt. Ein Vorbild für die anderen“, so Kasper.

Ein gemeinsamer Höhepunkt: das Nordkurier-Knabenturnier. „Ben machte später im Profi-Bereich auch harte Verletzungszeiten durch, in der vorigen Saison startete er aber super durch. Der träumte schon als lütter Bengel davon, in der Bundesliga zu spielen. Jetzt geht sein Traum in Erfüllung.“

Zolinskis Paderborner starten am Samstag mit dem Kick bei Bayer Leverkusen in das Erstliga-Abenteuer. Sargis Adamyan ist mit der TSG Hoffenheim am Sonntag zum Spieljahres-Auftakt bei Eintracht Frankfurt gefordert. Torsten Köpke: „Klar, wir verfolgen die Sache interessiert und freuen uns für die beiden. Immerhin ging ihre Fußball-Geschichte bei uns los.“

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