FUßBALL – LEGENDENSPIEL

Die Stimme des Hansa-Wunders

Radiokommentator Oliver Schubert wird den 29. Mai 1999 nie vergessen. Damals sorgte der heute 42-Jährige dafür, dass er für wenige Tage sogar erfolgreicher war als die Backstreet Boys.
Peter Krüger Peter Krüger
Der ehemalige Radiokommentator Oliver Schubert mit einem Erinnerungsstück an das denkwürdige Bundesligaspiel vor 20 Jahren in den Händen.
Der ehemalige Radiokommentator Oliver Schubert mit einem Erinnerungsstück an das denkwürdige Bundesligaspiel vor 20 Jahren in den Händen. Peter Krüger
Rostock.

Rostock. „Tor, Toor, Toooooor!” – drei lumpige Worte, reingebrüllt ins Mikrofon. Drei einfache Worte, die nun das Leben von Oliver Schubert nicht komplett auf den Kopf gestellt hatten – aber nachhaltig beeinflusst haben sie es ganz sicher.

Es ist der 29. Mai 1999, ein Samstag, noch sehr früh am Morgen. In Rostock macht sich ein weißer Opel Corsa auf den Weg in Richtung Bochum. Schubert ist Radiokommentator, mittlerweile schon eine knappe Saison lang die Stimme des damaligen Fußball-Bundesligisten Hansa Rostock.

Doch solch ein Spiel wie dieses in Bochum hatte Schubert weder davor noch danach je wieder kommentiert. „Ich habe noch zwei sehr gute Freunde, Björn und Jens, ins Auto eingeladen”, erinnert sich der damals noch 22-Jährige, „und dann gings runter”.

Hansa-Fans sangen schon lange vor dem Spiel

Kurz vor Bochum rief dann ein weiterer Kumpel an, der übers Telefon den Hit von der Hermes House Band „I will survive” („Ich werde überleben”) in den Opel jagte. „Den Song haben wir dann so richtig laut gedreht und uns damit für das Spiel eingestimmt”, so Schubert.

Überleben mussten die Rostocker in Bochum nun nicht gerade, ihr Ziel lautete vielmehr „gewinnen” und die Klasse halten. Doch danach sah es vor dem Spiel nicht wirklich aus.

„An der letzten Tankstelle haben wir uns dann noch drei Zigarren geholt. Quasi für den Fall der Fälle und Hansa packt das tatsächlich. Daran geglaubt haben wir aber wirklich nicht”, so Schubert kopfschüttelnd.

Knapp zwei Stunden vor dem Anpfiff kamen Schubert und Freunde dann auch schon im Stadion an. Was sie dann sahen, beeindruckt den mittlerweile 42-Jährigen noch heute.

„Knapp 10000 Hansa-Fans standen schon in den Blöcken und sangen ein Lied nach dem anderen. Es war einfach nur gigantisch”. Davon hatte Schubert dann fix noch ein paar Aufnahmen gemacht, ehe der Abstiegsgipfel dann endlich losgehen sollte.

Und somit die wildesten 90 Minuten des Hansa-Kommentatoren. Schubert wurde schon früh zum Riesen-Fan der Hanseaten. „1986 wars, als Hansa ein Testspiel gegen den FC Schalke 04 mit 2:1 gewann, mein erstes Spiel im Stadion.”

Für das Zeugnis gab es eine Dauerkarte

Der Bruder seines Opas, Robert Pischke, war sogar für einige Jahre Vorsitzender bei der Kogge. „Da gab es für das Sommerzeugnis dann immer eine Dauerkarte für das Ostseestadion”.

Nun saß Schubert also auf der Pressetribüne des Bochumer Stadions, vor ihm ein Mikrofon, an seiner Haut klebte ein Hansa-Trikot mit dem Aufdruck Marko Rehmer. Auch seine Kumpels hatte er vor dem Spiel noch mit Trikots ausgestattet.

Es lief auch ganz gut für die Rostocker, Oliver Neuville traf und schickte seine Mannschaft mit einer 1:0-Führung in die Halbzeitpause. Doch Bochum drehte das Spiel, führte eine knappe Viertelstunde vor dem Abpfiff nunmehr mit 2:1.

Es sah nicht gut aus für Rostock. Doch dann gelang Victor Agali der 2:2-Ausgleich, Hoffnung keimte wieder auf. Und der Radiosender schaltete nach Bochum, zu Oliver Schubert, der nun live auf Sendung war und das mittlerweile historische Siegtor von Slawomir Majak kommentierte.

Erfolgreicher als eine Boygroup

„Tor, Toor, Toooor”, schrie Schubert ins Mikrofon und ließ seinen Emotionen freien lauf. Etliche Minuten begleitete der Radiokommentator unzählige Menschen vor den Rundfunkgeräten, für die Art und Weise wurde er später mit einem Axel-Springer-Preis geehrt.

„Auch wurden Videos und CDs gepresst, die für wenige Tage sogar gefragter waren als die Scheiben von den Backstreet Boys," lacht Schubert. Am Ende hielt Hansa die Klasse, Schubert wurde einige Jahre später sogar Sportchef bei einem anderen Radiosender.

„Diesen Nachmittag werde ich nie vergessen”. Inzwischen arbeitet er sogar bei seinem Herzensclub und ist Mitorganisator für das Jubiläumsspiel „20 Jahre das Wunder von Bochum” am nächsten Sonntag (15.30 Uhr im Ostseestadion).

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