Im Vorjahr gewann Clemens Prüfer den ersten Leichtathletik-Wettkampf in der Coronakrise im Neubrandenburger Jahnstadion.
Im Vorjahr gewann Clemens Prüfer den ersten Leichtathletik-Wettkampf in der Coronakrise im Neubrandenburger Jahnstadion. Peter Krüger
Ein Bild aus früheren Tagen beim SCN: Clemens (links) und Henning Prüfer im Jahr 2012 bei einem Wettkampf in Rostock
Ein Bild aus früheren Tagen beim SCN: Clemens (links) und Henning Prüfer im Jahr 2012 bei einem Wettkampf in Rostock Heiko Brosin
Leichtathletik

Diskus-Recke schaut lieber nach Paris

Clemens Prüfer war im Vorjahr der beste Diskuswerfer in Deutschland. Der ehemalige SCN-Athlet blickt gern auf seine Zeit in Neubrandenburg zurück.
Neubrandenburg

Vielleicht ist die Gewissheit, die besten Jahre der Sportkarriere noch vor sich zu haben, das große Plus des Clemens Prüfer in dieser Olympiasaison. „Ein Start in Tokio wäre schön, ist aber kein Muss”, sagt der 23 Jahre junge Diskuswerfer vom SC Potsdam. Mit 23 geht man im Diskuswerfen sozusagen noch als Nachwuchs weg.

Bei seinen wohl größten Konkurrenten im Kampf um das Olympiaticket sieht das schon anders aus. Die Magdeburger Martin Wierig (33) und David Wrobel (29) sowie Olympiasieger Christoph Harting aus Berlin (30) sehen am Horizont schon das Ende ihrer Karrieren. Da ist ein Start bei den Spielen in diesem Sommer lohnenswert. Dass Prüfer sich als Youngster aber eines von drei Tokio-Tickets ergattert, ist möglich. Er gibt sich bei dem Thema wohltuend bescheiden: „Dafür muss alles passen.”

Dabei war der Potsdamer im vergangenen Jahr bester deutscher Mann mit der zwei Kilogramm schweren Scheibe. Bei den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig holte er sich mit 62,97 Metern etwas überraschend Gold – sein erster Titel bei den Männern. Zufrieden war er nicht am Ende des Jahres. „Erfolgsmäßig war es eine gute Saison, aber die Weiten sind nicht die gewesen, die ich mir erhofft hatte”, sagt Prüfer und ist damit wieder bei den Olympischen Spielen in diesem Jahr. Die Norm für Tokio liegt bei 66 Metern, Prüfers Bestweite steht bei 63,76. „Tokio ist für mich noch ein gutes Stück weg”, sagt der Student der Wirtschaftsinformatik. Clemens Prüfer und sein Trainer Jörg Schulte denken vielmehr an die Zeit nach Tokio, an die Olympischen Spiele 2024 in Paris und 2028 in Los Angeles. „Paris ist erst einmal das Hauptziel”, sagt der Diskusrecke.

Im Vorjahr wollte das Duo einiges probieren

Die vergangene Corona-Saison mit den vielen Wettkampfabsagen hat das Potsdamer Duo genutzt, „um einiges auszuprobieren im Training”. Während viele andere Leichtathleten mehrwöchige Pausen einlegten, trainierte die Potsdamer Diskuswurfgruppe, zu der auch die Deutsche Meisterin Kristin Pudenz zählt, weiter. „Wir hatten uns entschieden, die Saison voll durchzuziehen, um auf das nächste Leistungsniveau zu kommen”, sagt Clemens Prüfer. Ganz sei das nicht gelungen. Technisch und körperlich habe er zwar zugelegt, in den wenigen Wettkämpfen hätten dann aber die entsprechenden Weiten gefehlt.

Daran wollen Prüfer und sein Coach weiter arbeiten in den nächsten Wochen. Der Deutsche Meister gibt sich dabei aber ziemlich entspannt. Er lasse alles auf sich zukommen. „Interessant wird ja, was in drei vier Jahren passiert”, sagt der 1,98 Meter große Athlet. Er hat dabei Weiten von 67, 68 Metern im Blick – und wäre damit angekommen in der Weltspitze. Die Nummer 1 im Vorjahr war der Schwede Daniel Stahl mit 71,37 Metern. „Clemens‘ Stärke ist seine Geschwindigkeit, er erreicht hohe Abwurfgeschwindigkeiten. Das größte Potenzial liegt in der Effizienz der Kraftübertragung beim Abwurf. Da geht noch zu viel Energie verloren, was am Ende mehrere Meter kosten kann”, so Bundestrainer Torsten Lönnfors gegenüber dem Internetportal „Leichtathletik”. Sein Potenzial sei „sichtbar”, bis 2024 könnte Clemens mit dem Diskus einer der Leistungsträger in Deutschland sein.

Lönnfors muss es wissen. Denn beide arbeiteten schon einmal zusammen – beim SC Neubrandenburg. Vor elf Jahren kamen Clemens Prüfer und sein Bruder Henning vom LAC Mühl-Rosin (bei Güstrow) zum SCN. Clemens gehörte anfangs zum Mehrkampfteam um Trainer Carsten Hodea. Als sich wachstumsbedingt aber Probleme an den Knien und Achillessehnen einstellten, wechselte er ins Wurfteam von Torsten Lönnfors, der zu jener Zeit noch Schmidt hieß und Coach beim Sportclub am Tollensesee war.

Konkurrenz-Denken gibt es bei den Brüdern nicht

Clemens Prüfer erinnert sich gern an die Jahre am Tollensesee: „Die Zeit war super, das Umfeld schön.” 2014 wechselte Prüfer dann nach Potsdam, weil sein Trainer beim SCN nur für Athleten bis zur 10. Klasse zuständig war, er aber weiter in Richtung Diskuswurf trainieren wollte. Sein älterer Bruder Henning war bereits ein Jahr zuvor in die brandenburgische Landeshauptstadt gegangen.

Beim SC Potsdam trainieren die Prüfer-Brüder nun für die großen Ziele. Clemens hat dabei derzeit die Nase ein wenig vorn, sagt aber, dass „man gar nicht so weit auseinanderliege”. In der deutschen Bestenliste für 2020 steht Henning Prüfer mit 62,65 Metern auf Rang drei, sein Bruder warf die Scheibe im Vorjahr einen Meter weiter. Konkurrenz zwischen den Brüdern herrscht aber nicht. Im Gegenteil: „Wir pushen uns”, sagt Clemens Prüfer.

 

zur Homepage