DDR-DOPING

Doping-Sünder Schenk beharrt weiter auf Entschädigung

Soll DDR-Olympiasieger Christian Schenk trotz seiner Doping-Beichte entschädigt werden? Eine Gruppe von Doping-Experten ist dagegen. Jetzt äußerte sich auch der Opferhilfeverein.
Thomas Krause Thomas Krause
DDR-Zehnkämpfer Christian Schenk hatte zugegeben, als aktiver Hochspringer wissentlich gedopt zu haben. Dennoch wolle er eine Entschädigung aus dem Dopingopfer-Fonds beantragen. 
DDR-Zehnkämpfer Christian Schenk hatte zugegeben, als aktiver Hochspringer wissentlich gedopt zu haben. Dennoch wolle er eine Entschädigung aus dem Dopingopfer-Fonds beantragen. dpa
Christian Schenk leidet an einer bipolaren Störung.
Christian Schenk leidet an einer bipolaren Störung. Danny Gohlke
Neubrandenburg.

Trotz harscher Kritik hält Zehnkampf-Olympiasieger Christian Schenk an seinem Vorhaben fest, Erfolgschancen einer möglichen Entschädigung aus dem Dopingopfer-Fonds zu prüfen. „Im Dezember habe ich ein Gespräch zu einem Gutachten“, sagte Schenk im Gespräch mit unserer Zeitung. Dann sehe man weiter.

Der 53-Jährige hatte in einem Interview mit dem Nordkurier angekündigt, einen Antrag auf eine Entschädigung für Dopingopfer von einmalig 10.500 Euro zu stellen, obwohl er die wissentliche Einnahme von Dopingmitteln zugegeben hatte. Schenk leidet seit Jahren an einer bipolaren Störung. „Das Krankheitsbild habe ich ja. Es ist wahrscheinlich, dass Doping diese Krankheit verstärkt hat. Die genetische Bedingtheit ist auch da, sie kommt wohl von meinen Eltern, aber die Mittel können der Auslöser gewesen sein“, sagte er in dem Gespräch.

Nach der Veröffentlichung des Schenk-Interviews im Nordkurier hatten führende Dopingexperten um den Molekularbiologen Professor Werner Franke eine Entschädigung des Zehnkampf-Olympiasiegers in einem offenen Brief kategorisch abgelehnt.

Der Dopingopfer-Hilfeverein (DOH) ist nun ebenfalls gegen eine Doping-Opferentschädigung für den Zehnkampf-Olympiasieger von 1988. Das sagte die DOH-Vorsitzende Ines Geipel. „Herr Schenk sieht sich nicht als Opfer und hat öffentlich gesagt, dass er wissentlich gedopt hat. Insofern ist die Sachlage klar. Zu bedenken geben wir, dass Herr Schenk psychisch schwer krank ist. Inwieweit seine aktuellen Aussagen also Gewicht haben, ist von uns aus jedoch nicht zu beurteilen.“

Dopingopfer-Gesetz als „Einladung zum Betrug“?

Geipel zitierte zur Unterfütterung ihrer Einschätzung, dass Schenk keine Opfer-Entschädigung zustehe, den Gesetzestext, in dem steht: „Anspruch auf finanzielle Hilfe hat, wer erhebliche Gesundheitsschäden erlitten hat und wem als Hochleistungssportler oder als Nachwuchssportler der DDR ohne Wissen, das heißt ohne informed consent, oder gegen den eigenen Willen Dopingsubstanzen verabreicht worden sind.“

Die Frage, ob auch andere Ex-Sportler, die wissentlich gedopt haben, eine finanzielle Entschädigung anstreben könnten, sollte Schenks Antrag genehmigt werden, wollte Ines Geipel nicht konkret beantworten: Das sei spekulativ. „Dazu lässt sich aktuell nichts sagen und würde eh das Bundesverwaltungsamt regeln.“

Den offenen Brief hatten außer Werner Franke, Professor Gerhard Treutlein sowie die Anti-Doping-Kämpfer Claudia Lepping (ehemalige Leichtathletin) und Henner Misersky (Skilanglauftrainer) verfasst. In dem Schreiben greifen sie auch den DOH und das Opferhilfe-Gesetz an. Die Doping-Experten fordern eine grundlegende Veränderung des Dopingopferhilfegesetzes. „Das Gesetz war immer schon eine Einladung zum fortwährenden Betrug durch damals dopende Sportler, die heute behaupten, nichts gewusst zu haben“, heißt es unter anderem.

Das Dopingopferhilfegesetz liefert die Entscheidungsgrundlagen, wer Anspruch auf eine Einmalzahlung in Höhe von 10.500 Euro aus dem mit 10,5 Millionen Euro ausgestatteten Fonds des Bundesverwaltungsamts hat, der aus „humanitären und sozialen Gründen“ eingerichtet wurde. Dazu ist ein fachärztliches Gutachten nötig. Der Fond ist gerade auf 13,5 Millionen Euro aufgestockt worden.

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Kommentare (2)

Bekommen Raucher, Trinker etc auch eine Entschädigung? Obwohl jeder weiß,das rauchen, Alkohol trinken gesundheitsschädlich ist und jeder der raucht und alkohol trinkt dies bewusst tut .Nein Sportlern, auch ehemalige aus der DDR,die bewusst gedopt haben, die das abstreiten lügen nach meiner Meinung, steht auch keine Entschädigung zu. Schon gar nicht aus öffentlicher Hand und 30 Jahre danach. Die sollen sich Entschädigung holen von denen die sie überredet haben irgendwelche Mittel zu nehmen.
Mit einer Zivilklage. Und wenn es die Sportler nicht gewusst haben wollen, dann wussten es zumindest die Eltern, die eine sportliche Karriere ihrer Kinder nicht gefährden wollten.Denn die wäre bei Ablehnung der Dopingmittel beendet gewesen.

Das hat alles Hand und Fuß. Frau Geipel sollte als Frau doch wissen was sie für Pillen geschluckt hat und stellt sich jetzt als Opfer dar, Pfui Teufel.