Beim Vorrundenspiel Mexiko gegen Polen am ersten Spieltag der WM in Katar war Stephanie Frappart vierte Offizielle.
Beim Vorrundenspiel Mexiko gegen Polen am ersten Spieltag der WM in Katar war Stephanie Frappart vierte Offizielle. Christian Charisius
Schiedsrichterinnen

Dürfen Frauen bei der WM in Katar nicht pfeifen?

Drei Frauen sind Teil des Schiedsrichter-Teams bei der WM in Katar. Doch leiten durften sie bisher kein Spiel – trotz vollmundiger Versprechen der Fifa. Wann ist ihr großer Moment?
Doha

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar wartet mit einer historischen Premiere auf: Erstmals sind drei Schiedsrichterinnen bei der WM im Einsatz. Wobei, genauer müsste es heißen: Sollen bei der WM im Einsatz sein. Denn bisher, gut anderthalb Wochen nach WM-Start, wird ihr Geduldsfaden noch gehörig strapaziert. Das Warten auf die große Premiere auf dem Spielfeld geht weiter.

Schiedsrichter-Chef Collina sieht keine Beschränkungen

Und das obwohl Fifa-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina sagte, dass es keinerlei Einsatz-Beschränkungen wegen ihres Geschlechts geben werde. „Sie sind nicht hier, weil sie Frauen sind, sondern als FIFA-Referees”, sagte der Italiener kurz vor Beginn der WM am 18. November in Doha.

Lesen Sie auch: Bundestrainer Flick hofft in Katar auf Initialzündung

Ihren ersten kleinen Moment für die Geschichtsbücher erlebte Pionierin Stephanie Frappart in Katar aber bereits. Bei der Partie Mexiko gegen Polen fungierte die Französin abseits des großen Rampenlichts als vierte Offizielle und gehörte als erste Frau bei einer Männer-WM zum Schiedsrichter-Team. Doch das war es dann auch schon.

Vollmundig Botschaften, aber (bisher) keine Umsetzung

Ebenso wie ihren Kolleginnen Salima Mukansanga (Ruanda) und Yoshimi Yamashita (Japan) bleibt ihr auf der größtmöglichen Bühne bislang nur die Ersatzbank, noch immer durfte keine Frau ein Spiel bei einer Männer-WM leiten – trotz eben vollmundiger Botschaften vonseiten des Weltverbandes im Vorfeld des Turniers.

Mehr lesen: Gündogan über Schiedsrichterin Frappart: „Inspiration”

Die Nominierung des weiblichen Trios sei „der Beweis dafür, dass die Qualität und nicht das Geschlecht” zählt, hatte FIFA-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina da noch betont: „Sie verdienen es, dabei zu sein, weil sie konstant sehr gute Leistungen erbringen.”

Reine Imagemaßnahme der Fifa?

Da auch nach Halbzeit des Turniers und Abschluss des zweiten Spieltags der Gruppenphase noch keine Frau nominiert wurde, drängt sich jedoch die Frage auf, ob es die FIFA mit der Gleichstellung im Schiedsrichterwesen tatsächlich ernst meint, oder ob die Berufung der drei Frauen eine reine Imagemaßnahme war.

28 der 33 männlichen Kollegen kamen bereits zu Turnierehren, bis Mittwoch wird ein Dutzend davon gar zweimal im Einsatz gewesen sein. „Jede Nominierung wird mit großer Sorgfalt durchgeführt, um zu versuchen, jedes Mal die besten Schiedsrichterteams zu finden”, versprach Collina.

Die Frauen fühlen sich bereit

Frappart und Co. fühlen sich jedenfalls bereit. „Wir haben große Fortschritte in den vergangenen Jahren gemacht”, sagte die 38-Jährige im Vorfeld der WM. Als erste Frau hatte sie ein Spiel der französischen Ligue 1, eine Partie der Champions League und eine Begegnung in der WM-Qualifikation leiten dürfen und damit gar die Errungenschaften ihrer früheren deutschen Kollegin Bibiana Steinhaus-Webb übertrumpft.

Sie fühle sich „sehr geehrt, ausgewählt worden zu sein”, so Frappart: „Es ist sehr emotional, denn die WM ist die wichtigste Sportveranstaltung der Welt.” Fehlt zur vollständigen Glückseligkeit eben nur noch der historische erste Einsatz als Hauptschiedsrichterin.

zur Homepage