Eintracht-Präsident Peter Fischer will keine Nazis als Mitglieder. Dabei soll der Verein einen Ehrenpräsidenten mit einschlägiger Vergangenheit haben.
Eintracht-Präsident Peter Fischer will keine Nazis als Mitglieder. Dabei soll der Verein einen Ehrenpräsidenten mit einschlägiger Vergangenheit haben. Fredrik von Erichsen
Fußball-Idol mit Nazi-Vergangenheit?

Ehrenpräsident von Eintracht Frankfurt soll Waffen-SS angehört haben

Eintracht Frankfurt will keine Nazis als Mitglieder. Die Vergangenheit des ehemaligen Fußball-Nationalspielers Rudolf Gramlich (1908-1988) bringt den Klub in Erklärungsnot.
dpa
Frankfurt/Main

Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt will die Nazi-Vergangenheit seines Ehrenpräsidenten Rudolf Gramlich untersuchen lassen. Nach der Mitgliederversammlung Ende Januar werde eine unabhängige Kommission einberufen, die die persönliche Geschichte des 1988 gestorbenen Nationalspielers aufarbeiten solle, teilte der Verein mit. Eintracht-Präsident Peter Fischer sagte der „Bild”-Zeitung, den Ergebnissen der Gutachter werde man sich anschließen.

Gramlich war von 1955 bis 1970 Präsident der Eintracht. In seine Amtszeit fiel 1959 die bislang einzige deutsche Meisterschaft, die der Verein gewann. Während des Zweiten Weltkrieges soll das spätere Fußball-Idol von 1939 bis 1940 einem Totenkopfkommando der Waffen-SS angehört haben. Unklar ist, inwiefern er möglicherweise an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen sein soll.

Mangelnde Aufarbeitung aus Rücksicht auf Angehörige

„Wir haben die Eintracht-Zeit zwischen 1933 und 1945 aufgearbeitet wie kein anderer Fußball-Klub”, sagte Fischer. „Aber ehrlich gesagt hat uns die Aufarbeitung im Fall Gramlich aus Rücksicht auf noch lebende Angehörige gehemmt.” So war Gramlichs Sohn Klaus von 1983 bis 1988 ebenfalls Präsident der Eintracht.

Hass im Netz stellt auch die Fußball-Bundesligisten vor eine heikle Prüfung. Ein drastisches Beispiel liefert jetzt der Streit zwischen Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer und der hessischen AfD, der nach fremdenfeindlicher Hetze in den Internetforen des Vereins eskalierte. Weil der Clubchef gegen „braune Brut” und „Nazis” gewettert hatte und AfD-Wähler nicht als Mitglieder bei der Eintracht sehen will, stellten die beiden Landessprecher der Partei Strafanzeige gegen Fischer – wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung.

Eintracht-Präsident schweigt vorerst

„Wir hätten gern auf diesen Schritt verzichtet. Aber die völlig inakzeptablen Bezeichnungen wie 'braune Brut' und 'Nazis' von Herrn Fischer, die sich gegen alle AfD-Wähler und damit auch gegen uns richten, können und dürfen so nicht beibehalten werden”, sagte AfD-Landessprecher Klaus Herrmann in einer Mitteilung.

Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer will sich bis zur Mitgliederversammlung am 28. Januar nicht mehr zum Streit mit der AfD äußern.

 

zur Homepage