LAUFSPORT

Einfach Bock auf einen Weihnachts-Marathon

Der Silzer Tim Klatt ist schon viele Marathons gelaufen, den schnellsten 2018 in Berlin. Dann warf ihn eine Verletzung zwei Jahre zurück. Jetzt hatte er wieder Lust auf 42,2 Kilometer.
Beim Start vorm Haus in Silz bekam Marathonläufer Tim Klatt Unterstützung von seiner Frau Nadine sowie den Kindern I
Beim Start vorm Haus in Silz bekam Marathonläufer Tim Klatt Unterstützung von seiner Frau Nadine sowie den Kindern Isabell und Elina. Thomas Krause
Im Ziel in Lübz wartete schon die Familie auf den Läufer.
Im Ziel in Lübz wartete schon die Familie auf den Läufer. Privat
Schwager Christian Riemann begleitete Tim Klatt während des 42,2 Kilometer langen Laufes auf dem Fahrrad.
Schwager Christian Riemann begleitete Tim Klatt während des 42,2 Kilometer langen Laufes auf dem Fahrrad. Thomas Krause
Silz ·

So ein Ding kann man mal durchziehen – fix 42,2 Kilometer von Silz nach Lübz zu rennen. Einfach so. Weil Weihnachten vor der Tür steht. Weil man so richtig Bock darauf hat. Tim Klatt ist am Mittwoch einen Marathon gelaufen, seinen persönlichen Weihnachts-Marathon. „Ich hatte einfach Lust darauf”, sagt er. Start war in seinem Heimatdorf Silz in der Müritzregion, das Ziel in Lübz. In der Stadt im Landkreis Ludwigslust-Parchim verbringt er Heiligabend mit seiner Familie.

Dass der 32-Jährige diese 42,2 Kilometer gestern rennen durfte, ist irgendwie auch ein Geschenk zur passenden Zeit. Klatt, der für den TC Fiko Rostock startet, gehört zu den ambitioniertesten Ausdauerläufern in der Region. Vor zwei Jahren lief er den Berlin-Marathon in bemerkenswerten 2:42,45 Stunden – persönliche Bestzeit. Es war das Rennen, bei dem der Kenianer Eliud Kipchoge den Marathon-Weltrekord auf 2:01,39 schraubte.

Tim Klatt absolvierte anschließend noch ein paar kleinere Wettkämpfe, Anfang 2019 ging dann nichts mehr – der Rücken streikte. „Ich war zeitweise so steif im Rücken, dass ich kaum sechs Kilometer laufen konnte. So richtig besser wurde es dann lange nicht”, erzählt er. Aber: Fußball spielen konnte er halbwegs. Als Nachwuchstrainer beim SFV Nossentiner Hütte war er bereits tätig, also fing Klatt auch selbst an zu kicken – in der SFV-Reserve in der Kreisliga.

Zum Training fuhr er nach Malchow und Waren

Dann wurde erneut der Lockdown verhängt, mit der Aussetzung des Trainings- und Spielbetriebes – und der Fußballer wurde wieder mehr und mehr zum Läufer. „Ein bisschen gerannt bin in der Fußballzeit natürlich auch, aber jetzt wurden die Läufe intensiver”, erzählt er. Die Ziele waren anfangs bescheiden. „Ich wollte einen kleinen Silvesterlauf bestreiten, aber der harte Lockdown hat mir dann jede Hoffnung darauf genommen”, erzählt er.

Doch Klatt trainierte fleißig weiter und merkte schnell, da würde noch mehr gehen. Die Schmerzen waren weg, die alten Lauffähigkeiten geweckt. Klatt schraubte die Umfänge hoch, fuhr nach Dienstschluss auch mal abends nach Malchow oder Waren, um dort durch die beleuchteten Städte rennen zu können. „In dieser Jahreszeit kannst du am Abend im Dorf ja nicht ordentlich trainieren”, meint er. Am Ende der Vorbereitung sei er dann doch auf einige hundert Kilometer gekommen. Und hatte plötzlich ein neues Ziel – einen Weihnachts-Marathon.

Vor dem Start am Mittwoch machte Tim Klatt nichts anderes als vor seinem bisher schnellsten Marathon vor zwei Jahren in Berlin: am Vorabend früh ins Bett, morgens ein leichtes Frühstück und einige Toilettengänge mehr als üblich – die Aufregung!

Das Ziel war eine Zeit unter 3:30 Stunden

„Aufgeregt vorm Start war ich wirklich”, sagt er mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Seine Zielvorgabe – entspannt unter 3:30 Stunden in Lübz anzukommen. Am Ende kam dann aber offensichtlich doch der Wettkampfcharakter durch. Tim Klatt flitzte nach unglaublichen 2:59,42 Minuten ins Ziel – empfangen von seinen Kindern Isabell und Elina sowie Ehefrau Nadine. „Zum Schluss wurde es doch sehr zäh, aber ich bin glücklich, dass ich es sogar unter drei Stunden geschafft habe. Das hätte ich nie für möglich gehalten”, sagt er. Schwager Christian Riemann begleitete ihn auf dem Rad, reichte Getränke, munterte ihn auf, wenn er in einem Tief war.

Auch wenn die Zeit in keiner offiziellen Bestenliste auftauchen wird, der Silzer ist stolz, diese 42,2 Kilometer gelaufen zu sein. Seine Motivation sei gewesen, das Beste aus der jetzigen Situation zu machen. Zu zeigen, was man mit Willen und Fleiß erreichen könne. „Sport hilft uns, den Kopf frei zu bekommen, das Immunsystem zu stärken, gesund zu bleiben”, meint der Marathonläufer. Das sei gerade in diesen nicht so einfachen Corona-Zeiten wichtig.

Ob sein persönlicher Weihnachts-Marathon auch die endgültige Rückkehr in den Wettkampf-Laufsport bedeutet, weiß er noch nicht so genau: „Einen Marathon noch einmal unter 2:40 Stunden zu laufen, das reizt mich schon. Aber ich weiß auch, was ich dafür machen müsste. Aber diese Zeit jetzt macht mir schon Mut”, sagt er.

Corona-Update per Mail

Der regelmäßige Überblick über die Fallzahlen, aktuellen Regelungen und neuen Entwicklungen rund um das Corona-Virus in Mecklenburg, Vorpommern und der Uckermark. Jetzt kostenfrei anmelden!

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Silz

zur Homepage