Trainer Dieter Kollark, hier mit seiner Kollegin Astrid Kumbernuss, wehrt sich vehement gegen die Dopingvorwürfe. 
Trainer Dieter Kollark, hier mit seiner Kollegin Astrid Kumbernuss, wehrt sich vehement gegen die Dopingvorwürfe. Heiko Brosin
Die Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfe-Vereins, Ines Geipel, bezichtigt Dieter Kollark der Falschaussage. 
Die Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfe-Vereins, Ines Geipel, bezichtigt Dieter Kollark der Falschaussage. Martin Schutt
DDR-Doping

Ex-Kugelstoßer widerspricht Vorwürfen gegen Trainer Kollark

Hat er oder hat er nicht? Bei der Diskussion um die Kinder-Dopingvorwürfe gegen den Neubrandenburger Trainer Dieter Kollark gibt es neue Anhaltspunkte.
Neubrandenburg

Der Fall des Leichtathletiktrainers Dieter Kollark schlägt weiter Wellen. Dem 73-Jährigen wird vorgeworfen, er habe zu DDR-Zeiten Kindern Dopingmittel verabreicht. Konkret geht es um Vorwürfe eines Mannes, der sich hinter dem Alias-Namen „Hanno Siegel“ verbirgt. Dieser Anonymus behauptet, er sei in der DDR als Kugelstoßer von Kollark trainiert worden. Kollark habe ihm dabei im Alter von 13 bis 17 Jahren Tabletten und Injektionen verabreicht. Kollark ist gegen diese Behauptungen, die in zwei Tageszeitungen in Berlin und Frankfurt/Main verbreitet wurden, juristisch vorgegangen: In den von „Hanno Siegel“ als „Tatzeit“ benannten Jahren von 1978 bis 1982 habe er diesen Altersbereich überhaupt nicht betreut.

Unterstützung erhält Kollark jetzt von Peter Block. Der heute 63-Jährige trainierte von 1972 bis 1984 unter Kollarks Fittichen und belegte bei der Europameisterschaft im Kugelstoßen 1982 den sechsten Platz. Hinter „Hanno Siegel“, so Block, könne sich eigentlich nur eine Person verbergen, die er auch von damals kenne. Dieser „Hanno Siegel“ sei aber niemals in der Trainingsgruppe Kollark gewesen: „Das würde ich auch eidesstattlich erklären.“ Weiter sagte Block, dass er und „Siegel“ sich damals auf dem Trainingsgelände ab und an mal begegnet seien, man habe auch gegeneinander Fußball gespielt. „Aber dieser 'Hanno Siegel' ist nicht von Dieter Kollark trainiert worden“, sagte Block, der heute in Berlin lebt.

Doping-Debatte als „scheinheilig” bezeichnet

Er frage sich, welches Motiv Menschen hätten, solche an den Haaren herbeigezogenen Dinge über andere Leute zu verbreiten. „Ich kann das einfach nicht nachvollziehen. Was hier abläuft, ist eine Riesensauerei. Dieter Kollark war damals einfach ein toller Trainer“, sagte Block, der nach seiner aktiven Laufbahn einige Jahre selbst Präsidiumsmitglied beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) war und in der Wendezeit die Verbände in Ost und West mit zusammengeführt hat. Die Scheinheiligkeit, wenn es um Doping in Ost und West gegangen sei, sei damals schon nicht zu ertragen gewesen. „Wenn man sieht, dass vor jedem großen Sportereignis immer wieder Kollark thematisiert wird, hat sich diese Scheinheiligkeit bis heute nicht geändert“, findet er.

Nach Ansicht des NDR sind Kollarks Behauptungen, er hätte keinen Nachwuchs in dem besagten Zeitraum trainiert, indes unwahr. In Kollarks IM-Stasi-Akte würden sich insgesamt drei Vermerke von Mitarbeitern der DDR-Staatssicherheit finden, die etwas anderes dokumentierten. In einer Akten-Notiz stehe zum Beispiel, dass Kollark sich jetzt auch um den Nachwuchs intensiv kümmern müsse, nachdem sein Top-Athlet ausgeschieden sei. Damit soll die Aussage Kollarks erschüttert werden, er habe in dem fraglichen Zeitraum keine Jugendlichen trainiert.

Völlig verwirrend wirkt in diesem Zusammenhang die Aussage des Schweriner Facharztes für Psychosomatik, Dr. Jochen Buhrmann. Der erklärte im NDR, dass „Hanno Siegel“ ihm selbst gesagt habe, „dass er zwischendurch auch, als er schon etwas älter, aber noch nicht erwachsen war, von Kollark trainiert wurde“. Etwas älter? Aber nicht erwachsen?

Kollark: „Stasiakten auf den Tisch legen”

Ines Geipel, Vorsitzende des Dopingopfer-Hilfevereins (DOH), bezichtigte Kollark im gleichen NDR-Beitrag gar der Falschaussage. Er habe sehr wohl Sportler im Altersbereich zwischen 13 und 17 Jahren trainiert, das belegten Stasi-Akten. Wenn er das abstreite, sei das falsch. Laut NDR hat Geipel gegen Kollark Strafanzeige wegen Falschaussage gestellt.

Kollark wollte sich gegenüber dem Nordkurier nicht weiter zu den Vorwürfen der DOH-Vorsitzenden äußern. „Sie soll diese Stasiakten doch einfach auf den Tisch legen“, sagte der 73-Jährige. Gerade im Leistungssport sei die Definition des Nachwuchses allerdings ein dehnbarer Begriff. In der Leichtathletik gelte beispielsweise auch noch ein 22-Jähriger als Nachwuchsathlet. Dass er im fraglichen Zeitraum keine Jugendlichen, und damit auch nicht „Hanno Siegel“ trainiert habe, wie er es in einer eidesstattlichen Versicherung erklärte, dabei bleibt er.

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