Wechsel in die Regionalliga

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Ex-Neustrelitzer Jovanovic schießt nun Tore für Rot-Weiß Erfurt

Erfruts Torjäger Velimir Jovanovic wirft einen Blick in seine Heimatzeitung.
Erfruts Torjäger Velimir Jovanovic wirft einen Blick in seine Heimatzeitung.
Peter Krüger

Eigentlich hatte Torjäger Velimir Jovanovic alles, was ihn glücklich machte. Er hatte seine Heimat wieder, seine Familie und auch sportlichen Erfolg. Doch dann erhielt der ehemalige Neustrelitzer Kicker ein Angebot, welches er nicht ablehnen konnte.

Entspannt schaut der Glatzkopf auf das Spielfeld, beobachtet seelenruhig, was so alles auf dem Platz passiert. Egal, ob nun packende Zweikämpfe, taktische Ordnungen oder verheißungsvolle Torraumszenen – dieser Mann hat in seiner Karriere schon alles gesehen, x-fach sogar. Und doch ist sein Ehrgeiz ungebremst, die Leidenschaft fürs runde Leder brennt lichterloh. Das weiß auch sein Coach Thomas Brdaric, immerhin einst deutscher Fußball-National- sowie Bundesligaspieler und seit 2009 auf verschiedensten Trainerstühlen tätig.

Und schickt seine Nummer 36 pünktlich mit Beginn der zweiten Halbzeit aufs Feld. Seine Nummer 36 ist Velimir Jovanovic, seines Zeichens Vollblutstürmer – ein Mann, der für Tore steht. Tore, die schon bei so etlichen Vereinen (u.a. Jena, Cottbus, Magdeburg) und zudem auch in so einigen Ligen (u.a. 2. Liga, Regionalliga) bejubelt wurden. Und so soll es jetzt eben auch beim Traditionsclub FC Rot-Weiß Erfurt in der Regionalliga sein. Jovanovic, der schon in den ersten Minuten, den ersten Ballkontakten und den ersten Zweikämpfen der zweiten Spielhälfte im Testspiel gegen den Drittligisten Hansa Rostock seine Klasse andeutet, ist neu im Team der Rot-Weißen. Wie so etliche Spieler neben ihm auch.

Ein Mann, der weiß, wo das Tor steht

Der Grund: In Erfurt findet nach dem sportlichen Abstieg und der Insolvenz aktuell ein riesiger Umbruch und Neuanfang statt. Mit dabei gleich drei Personen, die ihre Spuren auch schon beim Regionalliga-Meister 2013/14, der TSG Neustrelitz, hinterlassen haben – ziemlich erfolgreiche sogar: Trainer Thomas Brdaric, Stürmer Velimir Jovanovic und auch Sportdirektor Oliver Bornemann. Letzterer hält bei den Rot-Weißen übrigens schon seit Ende der vergangenen Saison die Zügel fest in der Hand, holte in der Sommerpause erst Coach Brdaric und wenig später eben Torjäger Jovanovic.

„Jova ist ein echter Mentalitätsspieler, ein reiner Torjäger, ein Spieler, der jeder Regionalligamannschaft gut zu Gesicht stehen würde“, hält Bornemann seine Lobeshymnen über den neuen RWE-Angreifer nicht gerade hinter dem Berg. Ähnlich sieht es Trainer Brdaric: „Velimir weiß, wo das Tor steht.“ Genau das bewies „Jova“ auch in Minute 73 beim Testspiel gegen Hansa Rostock, als der inzwischen eingewechselte Stürmer mit einem satten 25-Meter-Schuss ins lange Eck den Erfurter Treffer bei der 1:2-Testspielniederlage erzielen konnte.

Einstiger DDR-Meister ist ein Traditionsverein

Der Torjäger in seinem Element. Und gleichzeitig aber auch raus aus seiner Komfortzone und seiner Heimatstadt Malchin. Die musste der 30-Jährige mit seinem Wechsel in die thüringische Landeshauptstadt nun wieder verlassen. Mit einem weinenden Auge gesteht Jovanovic. „Ich war jeden Tag zu Hause, jeden Tag zusammen mit meiner Familie – das ist nun natürlich nicht mehr so“, so der Knipser.

Mit seinem Wechsel zum damaligen Verbandsligisten Greifswalder FC vor eineinhalb Jahren ließ er den Süden Deutschlands (zuletzt Steinbach) endlich hinter sich und war wieder fest in seiner Heimat verwurzelt. „Ich habe mich in Greifswald pudelwohl gefühlt, die Mannschaft war top, die Familie nah, eine Ausbildung zum Erzieher stand bevor und auch sportlich hatten wir jetzt den Oberliga-Aufstieg gepackt“, schwärmt Jova, „doch dann kam das Angebot aus Erfurt, wo mit dem Trainer und dem Sportdirektor auch schon zwei alte Bekannte im Verein tätig sind“.

Zu beiden hielt Jovanovic auch nach der gemeinsamen Zeit in Neustrelitz auch weiterhin Kontakt, von beiden hält der treffsichere Angreifer jede Menge. „Jeder ist auf seinem Gebiet ein absoluter Volltreffer.“ Da wundert es ganz sicher auch nicht, dass Jovanovic nicht lange über das Erfurter Angebot nachdenken musste und seinen beiden alten Weggefährten beim Unternehmen „Erfurter Neuanfang“ mit einigen Toren helfen will. „Rot-Weiß ist ein Traditionsverein, es ist eine Ehre für mich hier kicken zu dürfen. Ich freue mich, beim Neuanfang dabei sein zu dürfen“, sagte Jovanovic wenige Minuten nach der 1:2-Testspielniederlage gegen Hansa im thüringischen Weißensee gut gelaunt. Sicher auch deswegen, weil Trainer Brdaric seiner Mannschaft direkt nach dem Spiel gleich mal zwei Tage freigab.

Frisch geduscht fand sich Jovanovic schon wenige Momente später auf der Autobahn wieder – auf dem Weg in die Heimat, auf dem Weg zu seiner
Familie.