FUßBALL-REGIONALLIGA

Ex-TSG-Macher kämpft um Rot-Weiß Erfurt

Einst führte er den jetzigen Fußball-Oberligisten TSG Neustrelitz zur Regionalligameisterschaft und in die Drittliga-Relegation. Nun will Oliver Bornemann einen DDR-Traditionsverein vor der Insolvenz bewahren.
Peter Krüger Peter Krüger
RWE-Sportdirektor Oliver Bornemann im Erfurter Steigerwaldstadion.
RWE-Sportdirektor Oliver Bornemann im Erfurter Steigerwaldstadion. Peter Krüger
Erfurt.

Es liegen turbulente Tage hinter dem Fußball-Regionalligisten FC Rot-Weiß Erfurt. Die seit dem 16. März in einem Insolvenzverfahren befindlichen Thüringer sind unter der Woche nämlich nur haarscharf an einer Abmeldung vom aktuellen Spielbetrieb vorbeigeschrammt.

Glücklicherweise hat sich eine Investorengruppe von fünf Personen nach langen intensiven Gesprächen dazu bereit erklärt, zunächst die im November bestehende Finanzlücke von ca. 120.000 Euro zu schließen und auch den Spielbetrieb bis zum Ende des Jahres vorerst zu sichern.

RWE kann zwar durchartmen, doch gerettet ist der Traditionsclub noch lange nicht. Es bleibt für die „Macher” der Erfurter sowie dem Insolvenzverwalter Volker Reinhardt noch jede Menge zu tun. Und zu den „Machern” gehört unter anderem auch RWE-Sportdirektor Oliver Bornemann.

Jener Bornemann, der vor ein paar Jahren den heutigen Oberligisten TSG Neustrelitz als Sportlicher Leiter und Präsidium Sport die TSG in die Regionalliga, zum Landespokalsieg über Hansa Rostock und zur überraschenden Regionalligameisterschaft inklusive Drittliga-Relegation führte.

Beide Vereine stiegen ab

Diese ging zwar gegen die zweite Mannschaft des MSV Mainz 05 in die Hose, doch trotzdem ist diese Zeit in Neustrelitz für Bornemann eine unvergessene. „Ich trage die TSG auch heute noch im Herzen”, gibt der 43-Jährige offen zu, auch wenn er es ein wenig bedauert, damals nicht würdig verabschiedet worden zu sein.

„Ich verfolge auch seit meinem Weggang den Weg, den die TSG in den vergangenen Jahren gegangen ist und war sehr traurig darüber, als der Abstieg in die Oberliga besiegelt war.” An diesen Tag, Anfang Mai, erinnert sich Bornemann noch ganz genau.

Es war nämlich auch der Tag, an dem sich sein neuer Verein aus der dritten Fußballliga verabschiedete. „Ich saß in Erfurt im Steigerwaldstadion nach dem Spiel gegen Würzburg auf der Bank und musste eine Träne verdrücken. Erstens weil RWE vor seinen tollen Fans nun endgültig den Weg in die Regionalliga antreten musste, aber auch weil zeitgleich auch Neustrelitz abgestiegen war”, so Bornemann rückblickend.

Ein durchaus vermeidbarer Abstieg, wie der gelernte Bankaufmann findet – zumindest der Neustrelitzer. „Man hat dort in den vergangenen Jahren sicherlich ein paar Entscheidungen getroffen, die rückblickend nicht alle richtig waren”, so der heutige RWE-Sportdirektor.

Eine Entscheidung musste Bornemann selbst inzwischen auch treffen – und zwar die, die „Herausforderung Erfurt” anzunehmen. Und sich somit einen großen Traum erfüllen. „Es macht mich unheimlich stolz, einen solch großartigen Traditionsverein unter die Arme greifen zu können.” Ein Traditionsverein jedoch mit so einigen Problemen.

Doch keine, die den Niedersachsen, der privat aber liebendgern noch in Mecklenburg wohnt, davor abschreckten, dem kriselnden Ex-DDR-Oberligisten und Europacup-Teilnehmer seine Hilfe anzubieten. Und zwar seine Hilfe als Sportdirektor.

Ausgliederung der ersten Mannschaft und der A-Jugend

Anfangs mit Argwohn und äußerst kritisch von den RWE-Anhängern empfangen, sorgte Bornemann dafür, dass man den Erfurtern – Stand heute – sportlich (aktuell 3. Platz in der Regionalliga Nordost) nichts vorwerfen kann. Er stellte eine Mannschaft zusammen, die im Altersdurchschnitt zwar sehr jung daherkommt, aber trotzdem schon fußballerische Klasse anbietet.

„Unser Ziel ist es, eine entwicklungsfähige Mannschaft auf das Feld zu schicken”, so Bornemann, „und außerdem soll sie auch charakterstark sein”. Und das ist sie allemal. Wer diese Truppe in den turbulenten letzten Wochen hat spielen und kämpfen sehen, wird das auch bestätigen. Trotz der ganzen Insolvenz-Turbulenzen außerhalb des Fußballplatzes.

„Das waren für uns alle keine leichten Tage”, gibt Bornemann offen zu, „nun sind wir aber heilfroh darüber, dass wir die Möglichkeit bekommen haben, den Weg weitergehen zu können”. Der Weg, der Anfang des kommenden Jahres mit der Ausgliederung der ersten Männermannschaft sowie der A-Jugend, beschritten werden soll.

Mit dabei ist dann auch wieder Oliver Bornemann – der alte Sportliche Leiter der TSG und aktuelle Sportdirektor von Rot-Weiß Erfurt.

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