KAMPFSPORT IN NEUBRANDENBURG

Fight Night: Wenn Anwälte und Fußballer an Grenzen stoßen

Am Samstagabend steigt in der Neubrandenburger Stadthalle die immerhin schon 14. Kampfsportnacht. Der Vorverkauf läuft bombastisch, die Vorfreude steigt.
Zwei Lokalmatadoren werden in der Neubrandenburger Stadthalle für Stimmung sorgen: Lars Karnatz (unten) und Pierre Seeman
Zwei Lokalmatadoren werden in der Neubrandenburger Stadthalle für Stimmung sorgen: Lars Karnatz (unten) und Pierre Seemann. Peter Krüger
Hagen Schäfer steigt erstmals als Boxer in den Ring.
Hagen Schäfer steigt erstmals als Boxer in den Ring. Peter Krüger
Neubrandenburg.

Bereits zum 14. Mal geht am Samstag in Neubrandenburg eine Fight Night über die Bühne. 13-mal gab es also bislang packende Kämpfe, grenzenlosen Jubel aber auch immer mal wieder Kritik von außen. Wenn man jedoch zur 14. Auflage, wie schon so oft zuvor, ein ausverkauftes Haus erwartet, dann scheint man auf alle Fälle den Nerv des Publikums in der Region zu treffen. Neubrandenburg.

Organisator Stephan Kreienbrink vom Neubrandenburger First Fight Team jedenfalls ist zufrieden: „Die Nachfrage nach Karten ist riesig. Die Sitzplätze sind so gut wie ausverkauft. Wer sich noch Stehplatzkarten sichern möchte, sollte es heute am besten noch im Vorverkauf tun. Wir rechnen wieder mit circa 1500 Zuschauern.“

Kampf um die Deutsche Meisterschaft

Und diese werden ab 17.30 Uhr (Einlass) insgesamt 17 Kämpfe zu sehen bekommen – im Boxen, Kickboxen und MMA (Mixed Martial Arts). Spannung ist also garantiert, wenn die Rostockerin Maxi Knitter gegen die Vize-Weltmeisterin Kristin Geissler (Saalfeldt) um die Deutsche Meisterschaft im K1 oder der frisch gebackene Deutsche Meister Abdalla Darkazanly (MMA Team East Greifswald) um den Bodycheck-Cup kämpft.

Doch auch bei mindestens drei anderen Duellen wird das Neubrandenburger Publikum in der Stadthalle so richtig aus dem Sattel kommen. Und dabei handelt es sich um Kämpfe, in denen gleich drei Lokalmatadore in den Ring steigen.

Allesamt sind sie Quereinsteiger in Sachen Kampfsport, allesamt schlugen sie sportlich einst ganz woanders ihre Wurzeln. So zum Beispiel Lars Karnatz, der sich nicht nur in Neubrandenburg und Neustrelitz einen Namen als Fußballer verdiente. Der eisenharte Verteidiger probierte sich schon bei der Fight Night 2019 aus, gewann damals in beeindruckender Manier sein MMA-Debüt.

Von der Autobahn direkt in den Boxring

Pierre Seemann hingegen stieg schon öfter in den Ring, erstmals 2005 bei der Fehrbelliner Fight Night, ein Jahr später dann zum ersten Mal in Neubrandenburg. Seemanns sportliches Steckenpferd war lange Zeit der Football, zwölf Jahre marschierte er als Spieler der Tollense Sharks über das Spielfeld, anschließend fungierte er zwei Jahre lang als Trainer bei den Haien.

Dem Kampfsport musste er vor vielen Jahren jedoch Ade sagen, Job und Familie nahmen einfach zu viel Zeit in Anspruch. Als Lkw-Fahrer tourte er fortan lieber durch ganz Europa anstatt im Ring den Gegnern an die Wäsche zu gehen. Ein Bandscheibenvorfall setzte der Zeit auf der Autobahn jedoch ein Ende und Seemann erinnerte sich an seine Zeit im Seilquadrat.

Und schlug urplötzlich wieder beim Training auf. Seitdem verlor er knapp 20 Kilogramm und ist so richtig heiß auf seinen bevorstehenden Kampf, auf den er sich seit Mai 2019 vorbereitet. „Natürlich will ich schon gewinnen, mir ist aber wichtiger, im Ring das umsetzen zu können, was ich in den letzten Monaten im Training gelernt habe“, so Seemann. Und das ist jede Menge.

Seit Monaten schwitzend auf der Matte

Genau das gilt aber auch für Hagen Schäfer, den Dritten im Bunde der Neubrandenburger Lokalmatadoren. Schäfer, der im „normalen Leben“ als Anwalt für Recht und Ordnung sorgt, steht nun seit Monaten fast täglich schwitzend auf der Matte. Sein Debüt als Boxer steht am Samstagabend auf dem Plan, zuvor stand Schäfer schon einmal bei einem Grappling-Fight im Ring.

Nun will er sich „auch im Stand“ beweisen, ohnehin sei ihm der Kampfsport als solcher irgendwie ans Herz gewachsen. „Hier kann man wirklich an Grenzen stoßen, ganz anders als bei anderen Sportarten.“ Gegner, Sieg oder Niederlage sind Schäfer im Prinzip egal. Wichtig ist, „im Ring alles abgerufen zu haben“.

Und ganz egal wie sein Kampf am Ende auch ausgehen mag, die Schinderei im Training wird sich auf jeden Fall gelohnt haben. „So habe ich wenigstens schon meine Bikini-Figur für den Urlaub“, grinst Schäfer, der direkt nach der Fight Night nach Fuerteventura düst und dort seinem anderen großen Hobby, dem Surfen, frönen wird.

Pierre Seemann lässt es da ein wenig ruhiger angehen. Er freut sich eher auf das „kühle Blonde“ nach dem Kampf – und meint damit nicht unbedingt seine bessere Hälfte.

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