GOTTFRIED WEISE

Für 2500 DDR-Mark zu Diego Maradona

In der DDR gehörte Gottfried Weise zu den Stars des Sportfernsehens. Der Fußball-Fachmann lebt in Berlin und feiert am Dienstag seinen 75. Geburtstag.
Thomas Krause Thomas Krause
Gottfried Weise bei der Fußball-WM in Russland 2018
Gottfried Weise bei der Fußball-WM in Russland 2018 Privat
So kennen ihn viele Fernsehzuschauer: Gottfried Weise moderierte viele Jahre die DDR-Sportsendung Panorama.
So kennen ihn viele Fernsehzuschauer: Gottfried Weise moderierte viele Jahre die DDR-Sportsendung Panorama. MDR-Screenshot
Berlin.

Seine Karriere im DDR-Sportfernsehen wäre beinahe beendet gewesen, noch ehe sie so richtig begonnen hatte. 1972 kommentierte Gottfried Weise das Endspiel im damaligen Cup der Pokalsieger zwischen Dynamo Moskau und den Glasgow Rangers. Die Schotten führten schnell 3:0, und die Partie war für Weise „durch“. Doch die Moskauer kämpften sich noch einmal auf 2:3 heran, erzielten fast den Ausgleich.

„Zurück in Berlin musste ich gleich zum Rapport, weil ich die Schotten zu früh zu Siegern erklärt hatte“, erzählt Weise und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: Er sei aber mit einem blauen Auge davon gekommen: „Man hielt mir zugute, dass ich noch sehr jung war und keine Verbindung zum Heimatstudio hatte.“

Geschadet hat ihm der „Fauxpas“ nicht. Die TV-Laufbahn des Gottfried Weise, der am Dienstag seinen 75. Geburtstag feiert, nahm in den Folgejahren richtig Fahrt auf. Bei zwölf Fußball-Weltmeisterschaften war er als Berichterstatter dabei, darunter sechsmal als TV-Kommentator. „Im Osten halte ich damit sogar den Rekord. Und ich bin auch ein wenig stolz darauf, denn es war damals nicht immer einfach, eine Akkreditierung zu ergattern“, sagt er.

„Panorama”-Moderator

Weise kommentierte etwa 1000 Fußballspiele für das DDR-Fernsehen, moderierte außerdem die beliebte Sonntagssendung „Panorama“, in der auch mal über europäische Fußball-Ligen berichtete wurde. „Panorama fand sogar im Westen Anklang, es gab damals viel Post aus Hamburg, Braunschweig, Kiel oder Westberlin“, erinnert Weise sich. Er und seine Kollegen Uwe Grandel, Ulf-Dieter Hesse, Dirk Thiele und Achim Schröter seien schon stolz gewesen auf diese Sendung: „Denn es war ein Projekt, das es in der BRD so noch nicht gab.“

Gottfried Weise begann als Praktikant beim „Sächsischen Tageblatt“, schrieb anschließend als Fußballredakteur für das „Deutsche Sportecho“, eher er 1969 zum Fernsehen wechselte – seine erfolgreichste Zeit begann. Weise kommentierte und moderierte nicht nur, er interviewte auch Fußballstars wie Johann Cruyff, Pele, Franz Beckenbauer oder Diego Maradona. Das Gespräch mit Maradona 1986 in Neapel sei für ihn ein unvergessliches Erlebnis gewesen. Der Argentinier war zu dem Zeitpunkt der Superstar des Weltfußballs. Doch die SED-Parteispitze sträubte sich anfangs, für die Reise nach Neapel 2500 Ostmark zu bezahlen, am Ende bekam er das Okay und traf Maradona.

„Wir hatten mit dem Interview Neuland betreten, es war eine Zäsur in der Berichterstattung“, erinnert er sich. Der größte Fußballer aller Zeiten sei der kleine Argentinier aber nicht für ihn, sondern Pele: „Er war einfach der kompletteste Fußballer, den die Welt gesehen hat.“

Zu viel Kommerz im Fußball

Weise blieb bis zum Ende 1991 beim DDR-Fernsehen, war in den Jahren danach unter anderem für Eurosport. Heute ist er journalistisch noch für regionale Zeitungen und den Hörfunk unterwegs.

„Ich habe jetzt viel mehr Zeit für meine Familie, was besonders meine Frau Rosemarie genießt. Sie hat mir jahrelang den Rücken frei gehalten, vor allem in der Zeit, als ich in London und Paris für Eurosport tätig war“, erzählt Gottfried Weise. Mit seiner Frau lebt er in Berlin, nutzt die Zeit für seine große Familie: „Unsere Urenkel Milo und Melia machen uns allen richtig Spaß.“

Den Fußball im Jahr 2019 sieht er mit einer gewissen Distanz – zu viel Kommerz. „EM, WM oder Champions League – es ist alles aufgebläht. Trotzdem werden die Stadien gefüllt sein, die Einschaltquoten hoch. Denn trotz aller düsteren Prognosen ging dem Fußball noch nicht die Luft aus“, meint er. Die Kommentatoren der heutigen Generation sieht er nicht so kritisch wie manch seiner Alt-Kollegen. „Ich gehöre nicht zu denjenigen, die da sagen, früher war alles besser.“ Es gebe einige, die einen tollen Job machten. „Ich mochte Marcel Reiff, höre heute gern Jochen Breyer, Bela Rethy oder Wolf Fuss.“ Ein guter Kommentator, meint der Sportjournalist, sei der, der akzeptiert, dass nicht er, sondern das Bild die Nummer eins sei. Gottfried Weise, so erzählen es Kollegen, habe das immer beherzigt.

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