Interview

Für Stefan Beinlich ist Hansa mehr als ein Club

In der Fußball-Bundesliga absolvierte Stefan Beinlich fast 300 Spiele. Unter anderem auch für Hansa Rostock. Am Donnerstag feiert er einen runden Geburtstag.
Stefan Beinlich (rechts, in einem früheren Spiel gegen Eintracht Frankfurt) spielte viele Jahre für Hansa Rostock.
Stefan Beinlich (rechts, in einem früheren Spiel gegen Eintracht Frankfurt) spielte viele Jahre für Hansa Rostock. Alfred Harder
Rostock

Stefan Beinlich hat eine sehenswerte Fußballkarriere hinter sich. Er spielte in der Bundesliga für Hansa Rostock, Bayer Leverkusen, Hamburger SV und Hertha BSC. Der gebürtige Berliner trug zudem fünfmal das Nationaltrikot. Inzwischen arbeitet Stefan Beinlich als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums beim FC Hansa. Vor seinem 50. Geburtstag, den Beinlich am 13. Januar feiert, sprach Nordkurier-Redakteur Thomas Krause mit dem Rostocker.

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Lassen Sie uns zuerst über Heimat reden: Sie sind in Berlin aufgewachsen, verbrachten viele Jahre Ihres Lebens aber in Rostock. Wo sehen Sie Ihre Heimat?

Heimat ist für mich dort, wo man sich wohlfühlt und in Rostock fühle ich mich sehr wohl. Trotzdem bin ich immer wieder gerne in Berlin.

Sie waren Profi bei Hansa Rostock, dann Manager, jetzt Nachwuchsleiter. Was bedeutet der Club für Sie?

Hansa Rostock ist für mich mehr als ein Club. Ich bin stolz darauf, ein Teil der Hansa-Familie zu sein.

2012 traten Sie als Manager zurück, waren dann für den 1. LAV Rostock tätig. Hat Ihnen der Abstand zum Fußball gutgetan?

Ja, definitiv. Für mich war es schön, auch mal in einen anderen Bereich eintauchen zu können, um auch wieder dazuzulernen. Plus mehr Zeit mit der Familie zu verbringen.

Seit 2019 leiten Sie das Nachwuchsleistungszentrum des FC Hansa Rostock: Ist es angenehmer, mehr im Hintergrund tätig zu sein?

Es ist eine sehr spannende Aufgabe mit tollen Mitarbeitern und ja, im Hintergrund tätig zu sein, passt besser zu meiner Natur.

Stefan Beinlich gilt als einer der Hansa-Legenden, Sie werden von den Fans noch immer geliebt und verehrt.Wie fühlt man sich in dieser Rolle?

Ich sehe mich nicht als Legende. Es ist aber sehr schön, wenn man in positiver Erinnerung bei den Fans bleibt.

Ihre Karriere begann bei Bergmann Borsig Berlin, von dort ging es Anfang der 90er Jahre zu Aston Villa. Wie sehr hat Sie diese Zeit geprägt?

Die Aston Villa-Zeit war für mich eine Art Lehrzeit im Fußball. Als 19-Jähriger mit Freundin von Zuhause weg ins Ausland zu gehen, ohne die Sprache zu sprechen, hat uns selbstständiger gemacht.

Bei Aston Villa kamen sie nicht zu vielen Einsätzen: Sie sagten einmal, für Aston Villa und die Premier League seien Sie damals noch nicht gut genug gewesen. Was war die wichtigste Erkenntnis aus dieser Zeit in England?

Dass mehr dazu gehört, als nur ein wenig kicken zu können. Durchsetzungsvermögen, Kraft, Härte, Cleverness und einiges mehr. Am Ende entscheidet der Kopf, ob du es schaffst oder nicht.

Später spielten Sie beim Hamburger SV, Bayer Leverkusen und Hertha BSC. Mit Leverkusen verpassten Sie damals im Jahr 2000 knapp die Deutsche Meisterschaft. Das entscheidende und mittlerweile legendäre Spiel in Unterhaching verlor Bayer mit 0:2. Ein Punkt hätte zum Titel gereicht. Seitdem gibt es den Titel „Vizekusen“. Ärgert man sich als Fußballer über diese vertane Chance immer noch mal?

Ja, wenn man wie von Ihnen wieder daran erinnert wird. Wir wären gerne Deutscher Meister geworden.

Ihre Karriere ist eindrucksvoll, dennoch fehlen die ganz großen Titel. Ist die Fußball-Karriere des Stefan Beinlich deshalb nicht auch eine unvollendete?

Dass ich überhaupt Profi geworden bin, war schon eine große Überraschung. Ich durfte 18 Jahre lang mein Hobby als Beruf ausüben und dafür bin ich sehr dankbar. Auch die kleinen Titel und Aufstiege haben mir viel Freude bereitet.

Welches Spiel war das schönste in Ihrer Laufbahn?

Davon gab es zu viele, dass ich ein spezielles Spiel erwähnen kann.

Wer war in Ihrer Zeit für Sie der beste Fußballer?

Dadurch, dass ich mit dem einen oder anderen zusammengespielt habe, möchte ich keinen herausheben.

Wer war Ihr bester Trainer?

Sobald ich am Spieltag auf dem Platz stand, war das der beste Trainer.

Warum sind Sie eigentlich kein Trainer geworden?

Ich wollte nicht jedes Jahr umziehen und mit Schande vom Hof gejagt werden.

Wo sehen Sie die Zukunft des FC Hansa Rostock?

Unser Ziel ist es, die 2. Bundesliga in den nächsten Jahren zu halten.

Wie beurteilen Sie in Mecklenburg-Vorpommern die Situation im Fußball-Nachwuchs? Gibt es genug Talente?

Es gibt viele Talente in Mecklenburg-Vorpommern. Unser Ziel ist es, die Talente in MV zu halten und gut auszubilden. Am Ende entscheidet jeder für sich, ob er den langen Weg zum Profi gehen möchte und das Quäntchen Glück, was man dazu braucht. Klasse setzt sich in den meisten Fällen durch.

Wie feiert Stefan Beinlich seinen 50. Geburtstag?

Erst einmal ganz entspannt mit meiner Frau und imSommer gibt es eine große Party.

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