DDR-Doping

Geipel klagte gegen Ex-Skilanglauftrainer vor Gericht

Die ehemalige Vorsitzende der Doping-Opfer-Hilfe, Ines Geipel, will Behauptungen über ihr Leben nicht mehr in der Öffentlichkeit lesen müssen. Dazu war sie vor das Berliner Landgericht gezogen.
Ines Geipel fühlte sich als Stalking-Opfer und klagte gegen Henner Misersky.
Ines Geipel fühlte sich als Stalking-Opfer und klagte gegen Henner Misersky. Rainer Jensen / Martin Schutt
Berlin

Die „Niederlage“ war klar – 2:5 gegen Ines Geipel. Und doch gab es am Ende der knapp dreistündigen Verhandlung vor dem Berliner Landgericht keinen Sieger.

Ines Geipel, ehemalige DDR-Sprinterin und Ex-Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfe-Vereins (DOH), und Henner Misersky, einstiger Skilanglauftrainer in der DDR und Mitbegründer des DOH, einigten sich auf einen Vergleich.

Streit zwischen Geipel und Misersky

Ihre Anwälte vereinbarten, dass Misersky in Zukunft öffentlich nicht mehr in Zweifel ziehen darf, dass Ines Geipel ein Opfer des staatlichen Dopings der DDR und ein Opfer politischer Repressalien in der DDR gewesen sei. Allein um diesen Satz hatten beiden Parteien fast eine Stunde gerungen, so dass schon die Richter Nerven zeigten.

Der Streit zwischen Geipel und Misersky, die sich einst viele Jahre gemeinsam beim DOH für Opfer des DDR-Dopingsystems einsetzten, schwelt seit Monaten. Am Ende hatte Geipel die Nase voll, klagte gegen Misersky. Während der Verhandlung erklärte die 59-Jährige, dass sie endlich „aus dem Stalking-Programm des Herrn Misersky entlassen werden will“.

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Der 79-jährige Thüringer hatte in den vergangenen Monaten in E-Mails, die auch an Zeitungsredaktionen in Deutschland gingen, Behauptungen zu ihrer Vergangenheit im DDR-Sport aufgestellt, die sie so nicht stehen lassen wollte. Gegen Androhung einer Ordnungsgeldstrafe in Höhe von 250.000 Euro sollte Misersky untersagt werden, bestimmte Dinge zu sagen.

Zahlreiche Streitpunkte

Henner Misersky, der mit seiner Frau im thüringischen Stützerbach lebt, wollte sich aber nicht den Mund verbieten lassen. Einen ersten Vergleichsversuch hatte er abgelehnt. Und so landete die Sache jetzt schlussendlich vor dem Landgericht in Berlin.

Insgesamt ging es um sieben Behauptungen Miserskys, gegen die Geipel juristisch vorging. Demnach dürfe Misersky unter anderem nicht mehr behaupten, dass Geipel sich aus propagandistischen Gründen 22 Jahre später aus dieser Staffel – die 4x100 Meter-Staffel des SC Motor Jena lief damals Weltrekord für Vereinsstaffeln – habe streichen lassen, dass es für sie aufgrund ihrer Leistungen im Olympiajahr 1984 illusorisch gewesen sei, nominiert zu werden, dass sie aus politischen Gründen aus dem damaligen DDR-Leistungssport verbannt worden sei. Außerdem hatte Misersky es erstaunlich genannt, dass Geipel 1985 einen angeblich hochbegehrten Studienplatz für Germanistik in Jena bekommen habe.

Die Richter stellten sich insbesondere die Frage, was bei Miserskys Behauptungen nur dessen Meinung sei oder als Tatsachenbehauptung gewertet werden müsse, und kamen zu dem Schluss, dass lediglich die Punkte mit dem Studium und der politischen Verfolgung nicht zuträfen.

Entscheidung steht noch aus

„Wenn man es so formulieren will: 5:2 für Herrn Misersky“, sagte der Richter, mahnte die Streithähne aber zugleich, doch eine gütliche Einigung anzustreben. „Wir müssen einfach einen Grundkonsens herstellen, sonst sitzen wir in ein paar Wochen hier wieder vor Gericht“, so der Vorsitzende Richter.

Während die Geipel-Seite dem sogenannten Widerrufsvergleich sofort zustimmte, bat sich Miserskys Rechtsanwalt Lars Figura Bedenkzeit aus. Der ehemalige Leichtathlet, mehrmaliger Deutscher Meister im 400-Meter-Lauf, wirkte alles andere als zufrieden mit dem Kompromiss.

„Wir werden das alles in Ruhe beraten und dann eine Entscheidung treffen“, sagte er nach der Verhandlung. Bis zum 13. Februar hat er Zeit, den Vergleich zu widerrufen. Dann würde die nächste Verhandlungsrunde folgen.

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