FUßBALL-BUNDESLIGA

Hansa meckert über Videobeweis

Die Diskussion um den Video-Schiedsrichter ist nun auch bei Fußball-Zweitligist Rostock angekommen. Cheftrainer Jens Härtel hat zum VAR eine Meinung.
Hansa-Torjäger John Verhoek (kleines Bild) traf zweimal ins KSC-Gehäuse, beide Mal griff der Video-Schiri ein.
Hansa-Torjäger John Verhoek (kleines Bild) traf zweimal ins KSC-Gehäuse, beide Mal griff der Video-Schiri ein. Peter Krüger
Rostock ·

Es ist spekulativ, darüber zu sinnieren, ob Fußball-Zweitligist FC Hansa Rostock seine Saison-Auftaktpartie gegen den Karlsruher SC gewonnen hätte, wenn Schiedsrichter Christof Günsch den Führungstreffer von John Verhoek nach 16 Minuten gegeben hätte. Günsch gab das Tor aber nicht, weil der Video-Assistent (VAR) zuvor wegen einer möglichen Abseitssituation eingegriffen hatte.

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Hansa verlor am Ende mit 1:3; die Partie im Ostseestadion löste aber nun auch in Rostock eine Debatte über Für und Wider des sogenannten Video-Schiedsrichters aus. Zweimal griffen die Leute im Kölner Video-Keller ein, nachdem Verhoek jeweils ins KSC-Tor getroffen hatte. Zuerst wurde dem Stürmer der Treffer aberkannt, sein Anschlusstor nach dem Seitenwechsel zum 1:2 wurde erst einer Prüfung durch den VAR unterzogen und schließlich gegeben. Rostocker Fans sangen daraufhin, der VAR habe mit Fußball nichts zutun.

Hansa-Trainer Jens Härtel konnte den Frust der Club-Fans sogar nachvollziehen. Auch der Fußball-Lehrer fremdelt mit dem Videobeweis, der zur Saison 2017/18 eingeführt wurde und in der 1. und 2. Bundesliga angewendet wird und mit dem es nun auch die Ostseestädter zu tun haben werden: Prinzipiell habe er schon ein Problem mit dem VAR. „Die Emotionen gehen weg, der Video-Assistent passt nicht zum Charakter des Fußballs”, so Härtel: Er brauche den VAR nicht.

Bei der EM fielen die Entscheidungen schneller

Härtel, der in seiner Trainer-Laufbahn das erste Mal mit dem VAR zu tun hatte, stieß zudem sauer auf, dass Spieler und Fans gefühlt eine Ewigkeit warten mussten, bis schließlich eine Entscheidung stand. Das kritisierte auch Karlsruhes Chefcoach Christian Eichner. „Im Vergleich zur Fußball-Europameisterschaft, bei der die VAR doch ziemlich schnell waren, hat das hier schon sehr lange gedauert. Ich glaube, nach der ersten Aktion waren es fünf Minuten, bis eine Entscheidung gefällt wurde”, sagte Eichner. Ihm sei jedoch erklärt worden, dass bei der EM einfach mehr Leute im Video-Keller im Einsatz gewesen sind; eine Entscheidung deshalb schneller getroffen werden konnte. Dass der VAR eingegriffen habe, so der KSC-Trainer, habe seiner Mannschaft aber zumindest bei der Situation in der 16. Minute auch ein wenig geholfen: „Wir waren danach besser im Spiel.”

Für die bis dahin völlig euphorischen Hansa-Fans war die Entscheidung jedoch so etwas wie der Party-Killer. „Zählt das Tor, nehmen wir den Schwung und die Fans mit”, meinte John Verhoek. Und dann kann auch so eine Partie völlig anders laufen. Der 32-jährige Hansa-Torjäger kann die Kritik am Videobeweis verstehen. „Wahrscheinlich hätten 70 Prozent der Schiedsrichter das Tor gegeben. Diesmal war der VAR gegen uns, aber deshalb würde ich ihn nicht abschaffen. Wir dürfen jetzt nicht rumjammern, sondern müssen weiter arbeiten”, sagte John Verhoek. Auch Jens Härtel räumte später ein, dass der Video-Beweis „den Fußball schon ein Stück weit gerechter gemacht hat”.

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