Hansas bester Torschütze: John Verhoek traf zehnmal.
Hansas bester Torschütze: John Verhoek traf zehnmal. Peter Krüger
Hansa-Trainer Jens Härtel sieht noch so einige Baustellen.
Hansa-Trainer Jens Härtel sieht noch so einige Baustellen. Peter Krüger
2. Bundesliga

▶ So war das Hansa-Trainingslager in der Türkei

Eine Woche lang absolvierte Fußball-Zweitligist Hansa Rostock im türkischen Belek ein Trainingslager. Dort wurde auch an den Schwächen der Hinrunde gearbeitet. Neben der Offensive krankte hier und da auch die Defensive. Doch Trainer Jens Härtel ist voller Hoffnung.
Rostock

Wenn man nur einen flüchtigen Blick auf das einwöchige Trainingslager, das der Fußball-Zweitligist Hansa Rostock im türkischen Belek (der Nordkurier berichtete) abhielt, wirft, dann dürften schon ein paar Fragen auftauchen. Hat sich dieser Trip in die Türkei tatsächlich gelohnt, auch wenn zwei der drei angesetzten Testspiele kurzfristig abgesetzt wurden und durch einsetzenden Starkregen das Training sogar teilweise im Konferenzsaal des Hotels stattfinden musste?

Ist die Mannschaft gut gerüstet für die am Freitag mit einem Heimspiel gegen Hannover 96 (18.30 Uhr im Ostseestadion) beginnende zweite Spielhälfte – auch wenn das einzige Vorbereitungsspiel gegen den Drittligisten 1860 München mit 1:3 in die Hosen ging?

Fragen, die Hansa-Trainer Jens Härtel mit seiner gewohnt souveränen Art und Weise lässig wegmoderiert. „Ich ziehe ein positives Fazit“, ließ der 52-Jährige wissen, „und lasse mir nicht das ganze Trainingslager schlechtreden, nur weil mal ein Spiel ausgefallen ist“.

[Video]

Verteidiger macht sich Hoffnungen auf die Startelf

Seine Mannschaft befinde sich nach dem Trainingslager „physisch auf einem guten Level“, sie habe „in allen Einheiten gut mitgearbeitet, konzentriert und mit Spaß“. Dennoch hat Härtel natürlich auch ein paar Dinge gesehen (vor allem im Testspiel gegen 1860 München, als sich die Rostocker in der zweiten Halbzeit gleich drei Gegentore einfingen), die es noch zu besprechen und letztendlich besser zu machen gilt.

Und er denkt da in erster Linie an die Defensive, denn dort drückte nicht nur beim Türkei-Test gegen die „Löwen“ der Schuh. Ingesamt 31 Gegentore in bisher 18 Zweitligapartien bedeuten den drittschlechtesten Wert ligaweit. „Wir müssen sehen, wie wir die Defensive stabiler bekommen“, so Härtel hoffnungsvoll und denkt dabei auch über personelle Veränderungen in der Abwehrkette nach.

Dem Stamm-Duo in der Innenverteidigung, Thomas Meißner und Damian Roßbach, rückte der Amerikaner Ryan Malone schon in den letzten Spielen der Hinrunde gewaltig auf die Pelle und macht sich nun berechtigte Hoffnungen auf weitere Startelfeinsätze.

Stürmer John Verhoek ist offensiv die einzige Konstante

Desweiteren duellieren sich auf den Außenpositionen Calogero Rizzuto und Jonathan Meier sowie Nico Neidhart und Tobias Schwede. Härtel vielsagend: „Da sind ein paar Jungs, die sehr bissig waren. Es wird spannend, wie sie sich machen, wenn sie Spielzeit bekommen und wie die anderen dann reagieren.“

Spannend dürfte auch werden, welcher Hansa-Kicker wieviel Spielzeit demnächst in der Offensive bekommen wird. Denn auch dort haben die Rostocker eine riesige Baustelle, auch wenn sie mit John Verhoek (bislang zehn Saisontore) immerhin den Sechstplatzierten der Zweitliga-Torjägerliste in ihren Reihen wissen.

Das Problem ist jedoch, dass der 32-jährige Niederländer die einzige Konstante im Angriff der Hanseaten ist. Ein zweiter treffsicherer Hanseat wurde bislang vergeblich gesucht, auch wenn Pascal Breier im letzten Spiel vor der kurzen Winterpause beim 2:2-Remis in Karlsruhe doppelt traf und somit seine ersten beiden Saisontore verbuchte. Die beiden Sommer-Neuzugänge Streli Mamba und Ridge Munsy (beide jeweils nur ein Saisontor) liefen den Erwartungen hinterher und hoffen ihrerseits auf den berühmten Knoten, der doch irgendwann platzen mag.

Schwedischer Youngster wird noch Zeit brauchen

Der schwedische Offensiv-Allrounder Nils Fröling, der vor wenigen Wochen vom schwedischen Erstligisten Kalmar FF an die Ostsee wechselte, wird vermutlich erst noch einige Zeit brauchen, um tatsächlich ein Gewinn für den Rostocker Sturm zu sein.

„Er ist gut dabei, aber es ist jetzt nicht so, dass er alles an die Wand spielt. Aber das hatte auch niemand erwartet“, so Hansa-Coach Härtel über den 21-Jährigen, der im Trainingslager jedoch erste gute Ansätze gezeigt hatte. Ob der Zweitligaaufsteiger nach Fröling auch noch ein weiteres Mal auf dem Transfermarkt zuschlagen wird, ließen die Verantwortlichen offen.

„Man kann jetzt einfach nicht pauschal etwas sagen. Wir gucken, was der Markt hergibt. Wenn plötzlich irgendein Juwel auftaucht, werden wir es uns anschauen, ob das für uns einen guten Transfer darstellt – auch vorausschauend für die nächsten Jahre“, so Hansa-Sportvorstand Martin Pieckenhagen, der noch knapp drei Wochen lang ein offenes Transferfenster vorfinden wird.

Etliche Verträge laufen im kommenden Sommer aus

Abgänge aus dem aktuellen Kader, so Pieckenhagen zum Ende des einwöchigen Türkei-Trainingslagers, seien derzeit nicht geplant. Aber auch so dürfte der 50-Jährige in der Rückrunde jede Menge zu tun bekommen, denn bei den Rostockern laufen im Sommer immerhin gleich 16 Verträge aus.

Darunter befinden sich auch die Arbeitspapiere von Mamba, Meier und Lukas Fröde, deren Leihe bis Ende Juni datiert ist. Hier und da, so ließ Pieckenhagen durchblicken, werden sicher schon frühzeitig Gespräche geführt, doch im Prinzip wollen die Verantwortlichen und auch Spieler natürlich erst mal wissen, in welcher Liga Hansa Rostock im kommenden Spieljahr kickt.

„Als Aufsteiger befinden wir uns mit 20 Punkten in ruhigem Fahrwasser und hoffen, dass wir schnell in sicheres Fahrwasser kommen. Doch es wäre auch vermessen, wenn wir jetzt annehmen, dass wir in acht Wochen schon die 40 Punkte erreicht haben“, so Pieckenhagen. Die nächsten drei Punkte für das angestrebte Ziel Klassenerhalt könnten die Rostocker schon am Freitag ins Visier nehmen – der Gegner ist dann Hannover 96. Im Hinspiel gab es immerhin einen Hansa-Sieg (3:0).

zur Homepage