Ex-Bundestrainer Joachim Löw tritt zurück.
Ex-Bundestrainer Joachim Löw tritt zurück. Federico Gambarini
Kommentar

Herr Löw, Ihr Abschied war überfällig

Ex-Bundestrainer Joachim Löw tritt zurück – viel zu spät, meint unser Kommentator. Löw habe sich verloren in einem Mix aus Arroganz und Abgehobenheit.
Berlin

Was haben Jogi Löw und viele ehemalige Box-Weltmeister gemeinsam? Richtig, sie haben einen Kampf zu viel absolviert – und dadurch ihr zuvor gewonnenes Renommee zumindest teilweise verspielt. Der Ex-Bundestrainer hat sich dabei den zweifelhaften Ruf erworben, sogar drei Runden zu viel absolviert zu haben.

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Als Löw nach bei der WM 2014 in Brasilien auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft seine zuvor achtjährige Aufbauarbeit mit dem Weltmeistertitel krönte, hätte der Bundestrainer – so wie beispielsweise sein damaliger Kapitän Philipp Lahm – seine Nationalmannschaftskarriere beenden sollen, ja sogar müssen.

Zu selbstverliebt

Doch Löw war zu selbstverliebt, zu wenig selbstkritisch, verlor sich in einem Mix aus Arroganz und Abgehobenheit in seiner eigenen Welt – sowohl weit weg von aktuellen Entwicklungen im Weltfußball als auch von der Basis des Fußballs in Deutschland. Das Resultat: Es ging stetig bergab: Erst die eher quälende Europameisterschaft 2016 in Frankreich, dann die desaströse WM 2018 in Russland und als Tiefpunkt die lust- und ambitionslos absolvierte EM in diesem Jahr.

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Passend zu Löws Niedergang: Heute gibt es seine offizielle Verabschiedung – mit einem Spiel gegen Liechtenstein, den 190. der Fußball-Weltrangliste. Willkommen, Tristesse!

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