DDR-Sport

Ines Geipel verliert Rechtsstreit

Ines Geipel, Ex-Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfe-Vereins (DOH), und Henner Misersky, einstiger Skilanglauftrainer in der DDR, standen erneut vor Gericht.
Ines Geipel muss andere Meinungen aushalten können.
Ines Geipel muss andere Meinungen aushalten können. Eventpress Stauffenberg
Der frühere Leichtathlet Henner Misersky gewann den Rechtsstreit.
Der frühere Leichtathlet Henner Misersky gewann den Rechtsstreit. Martin Schutt
Berlin

Henner Misersky ist 80 Jahre alt und hat offenbar immer noch die Puste eines ehemaligen Ausdauersportlers. Der ehemalige Skilangläufer und Hürdenläufer in der DDR ist noch regelmäßig auf den schmalen Brettern unterwegs im Thüringer Wald, die Kondition stimmt.

Ausdauer hat Misersky in den vergangenen Monaten auf einer anderen Bühne gebraucht und gezeigt – vor Gericht und am Ende mit Erfolg. Das Berliner Kammergericht wies die Klage von Ines Geipel, ehemalige Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfe-Vereins (DOH) und Sprinterin, gegen Misersky in allen Punkten ab. Die Klägerin muss die Kosten des Verfahrens tragen. Eine Revision ist nicht zugelassen. Grund der Verhandlung: Gegen Androhung einer Ordnungsgeldstrafe in Höhe von 250 000 Euro sollte Misersky untersagt werden, bestimmte Dinge über Ines Geipel zu sagen.

Bereits in erster Instanz, vor dem Berliner Landgericht hatte Misersky in fünf von sieben Klagepunkten recht bekommen. „Wenn man es so formulieren will: 5:2 für Herrn Misersky”, sagte der Richter im Februar 2020. Nun am Ende des monatelangen Rechtsstreits steht es 7:0 für den Thüringer: Das Kammergericht kam zu der Ansicht, dass auch die letzten beiden Punkte, die Geipel beanstandet hatte, zulässig sind.

Misersky sollte nicht mehr behaupten dürfen, dass Geipel nicht aus politischen Gründen aus dem damaligen DDR-Leistungssport verbannt worden sei, sondern wegen schlechter Leistungen gehen musste. Außerdem ging es um einen „hochbegehrten Studienplatz für Germanistik in Jena”, den Geipel 1985 bekommen habe, obwohl sie angeblich aus politischen Gründen aus dem DDR-Sport hatte ausscheiden müssen. Misersky bezeichnete dies als „unglaublich”. Ein Germanistik-Studium sei gerade in den 80er-Jahren vorwiegend parteitreuen Studenten vorbehalten gewesen.

Henner Misersky war Mitbegründer des DOH

Das Kammergericht Berlin mit der Vorsitzenden Richterin Susanne Tucholski urteilte, dass es sich auch bei diesen beiden Punkten um zulässige Meinungsäußerungen handele. Meinungsäußerungen und Werturteile ließen sich nicht als wahr oder unwahr erweisen. Sofern eine Äußerung, in der Tatsachen und Meinungen sich vermengen, durch die Elemente der Stellungnahme, des Dafürhaltens oder Meinens geprägt sind, werde sie als Meinung von dem Grundrecht auf freie Meinungsäußerung geschützt, so das Kammergericht.

Und weiter: Dass eine solche Kritik ehrverletzend wirke, sei auszuhalten, solange eine sachliche Auseinandersetzung noch im Raume stehe und die Grenze zur Schmähkritik, Formalbeleidigung oder zum Angriff auf die Menschenwürde nicht erreicht oder überschritten würden. Geipels Anwalt Jan Hegemann sagte, dass man anderer Auffassung sei, das Kammergericht hätte dies auch prüfen können, „wenn man denn gewollt hätte”.

Henner Misersky und Ines Geipel stritten einst gemeinsam für Opfer des DDR-Dopingsystems. Misersky war sogar Mitbegründer des DOH, wehrte sich aber irgendwann gegen die Behauptung, alle DDR-Sportler seien zwangsgedopt gewesen. Entbrannt ist daraus ein inzwischen Jahre andauernder Streit zwischen den einstigen Weggefährten. Für den Rechtsstreit mit Ines Geipel wechselte Misersky letztlich sogar den Anwalt – hin zu Promi-Anwalt Johannes Eisenberg. Mit Erfolg.

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