DDR-FUßBALL

Jörg Stübner – Absturz und Tragik eines Fußball-Helden

Bei Dynamo Dresden hatte der Mittelfeldspier seine beste Zeit. Später kickte er sogar in Neubrandenburg. Die politische Wende verkraftete er aber nicht. Am Montagabend ist Jörg Stübner gestorben.
Thomas Krause Thomas Krause
Mit der Nationalmannschaft bestritt Jörg Stübner (vorn, links) am 11. September 1990 das letzte Länderspiel für die DDR. Für die DDR lief der Mittelfeldspieler 47 Mal auf.
Mit der Nationalmannschaft bestritt Jörg Stübner (vorn, links) am 11. September 1990 das letzte Länderspiel für die DDR. Für die DDR lief der Mittelfeldspieler 47 Mal auf. DPA
Dresden.

Fußball-Zweitligist Dynamo Dresden und seine Fangemeinde trauern um Vereins-Idol Jörg Stübner. Der ehemalige DDR-Nationalspieler ist am Montagabend im Alter von 53 Jahren gestorben. „Die Nachricht von Jörg Stübners Tod hat uns alle tief erschüttert.

Unser Verein trauert um eine seiner Legenden, einen begnadeten Fußballer. Vor allem aber trauern wir um einen Menschen, der einen langen persönlichen Kampf ausgefochten hat und nun viel zu früh gegangen ist“, sagte Dynamo-Präsident Holger Scholze am Dienstag.

Zugleich sprach er den Familienangehörigen sein Mitgefühl aus: „Stübs“ lebt in unseren Herzen weiter! Er wird im Andenken bei der SG Dynamo Dresden immer einen festen Platz haben.“ Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Minge, der von 1983 bis 1991 mit Stübner zusammenspielte, sagte: „Der Verlust von „Stübs“ macht mich tief traurig. Ich verneige mich vor seiner Lebensleistung und bin in Gedanken bei seiner Mutter und seinen engsten Angehörigen.“

Alkoholprobleme und Depressionen

Auch Ulf Kirsten ist bestürzt. „Das Schicksal von „Stübs“ hat viele Fans über Jahre begleitet und niemanden unberührt gelassen. Ein trauriger Tag für uns alle!“, so der einstige Dresdner. Über die Todesursache ist noch nichts bekannt. Stübner hatte viele Jahre Alkoholprobleme, litt unter Depressionen.

2010 begab er sich in psychologische Behandlung. Der 47-malige DDR-Nationalspieler Stübner bestritt 249 Pflichtspiele für Dynamo. Mit den Elbestädtern gewann er 1989 unter anderen mit Kirsten und Matthias Sammer die DDR-Meisterschaft.

Damit beendeten die Dresdner die zehnjährige Titelserie des BFC Dynamo. In jener Saison stürmte Stübner mit Dynamo ins Halbfinale des Uefa-Cups, schaltete dabei unter anderem den AS Rom mit Rudi Völler aus. „Rasenmäher“ oder „Staubsauger“ nannten ihn viele, weil er zwar mit 1,74 Meter ein kleiner Fußballer war, mit seiner Pferdelunge aber jeden Gegner an die Leine legt.

Stübner war beim letzten DDR-Länderspiel dabei

Selbst Michel Platini, einer der Stars des französischen Fußballs, sah in einem Länderspiel gegen „Stübs“ keine Sonne. Stübner stand auch beim letzten DDR-Länderspiel 1990 in Belgien (2:0) in der Startelf von Trainer Eduard Geyer, der seinen Schützling 1993 nochmal zum FC Sachsen Leipzig lotste.

Doch während Kollegen wie Kirsten oder Sammer zu gesamtdeutschen Fußballstars wurden, schaffte es der hochtalentierte Mittelfeldspieler Stübner nicht. Anfang 1994 landete Jörg Stübner schließlich beim Amateur-Oberligisten FC Neubrandenburg. Heinz Dahms, damals Torwart beim FCN, erinnert sich noch gut.

„Bei uns ist er nie richtig warm geworden, fand keinen Kontakt zur Mannschaft. Man hatte ihm immer angemerkt, dass er mit der Situation nicht klar kam“, erzählt Dahms. Während einstige Mitspieler wie Sammer oder Kirsten es ganz nach oben schafften, habe er nur einen Job beim FC Neubrandenburg bekommen. Für den FCN bestritt „Stübs“ nur ein Punktspiel, 20 Minuten gegen Greifswald.

Im April löste der Club den Vertrag mit dem Ex-Dresdner schließlich auf. Stübner sei mehrmals nicht zum Training erschienen, die Leistungen im Training hätten nicht gestimmt, schrieb der Nordkurier damals. „Stübs ist ein prima Kerl gewesen, sein Tod ist tragisch“, meint Heinz Dahms.

In einem Interview sagte Stübner einmal, dass er die Wende nicht verkraftet habe, sie für ihn eine emotionale Katastrophe gewesen sei. Zuletzt schien es für das einstige Dresden-Idol wieder bergauf zu gehen, wenn auch langsam. Bei Dynamo sollte er eigentlich einen Job im Nachwuchsbereich übernehmen. Dazu kommt es jetzt nicht mehr.

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