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Fußball-WM

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Jogi Löw – der Weltmeister-Macher

Bundestrainer Jogi Löw schlendert nach dem WM-Finale 2016 in Rio gedankenversunken über den Rasen.  
Bundestrainer Jogi Löw schlendert nach dem WM-Finale 2016 in Rio gedankenversunken über den Rasen.
Thomas Eisenhuth

Jeder Fußball-Fan kennt Joachim Löw durch seine Erfolge mit der deutschen Nationalmannschaft. Dabei hatte der Bundestrainer zuvor eine kurze, aber durchaus erfolgreiche Vereinsgeschichte.

Bevor Joachim Löw 2004 den wohl wichtigsten Anruf seines Lebens bekam, befand sich der heutige Bundestrainer auf dem Tiefpunkt seiner Karriere. Nach seiner Laufbahn als Fußballer war er 1995 als Co-Trainer zum VfB Stuttgart gekommen und dort nach dem Rauswurf von Rolf Fringer zum Cheftrainer aufgestiegen. Mit der Mannschaft gewann er den DFB-Pokal und zog in das Endspiel des Europapokals der Pokalsieger ein. Alleinherrscher Gerhard Mayer-Vorfelder war das aber nicht genug. Er feuerte Löw, der danach in Österreich und der Türkei Vereine trainierte – und irgendwann arbeitslos war.

Doch an diesem Tiefpunkt bekommt Löw im Jahr 2004 auf einmal eine Chance, die sein Leben verändern und ihn zu einem der besten Trainer der Welt machen sollte: Er bekam einen Anruf von Jürgen Klinsmann, der die deutsche Nationalmannschaft als Trainer übernommen hatte. Klinsmann kannte Löw von seinem Trainer-Lehrgang in Hennef und wollte ihn unbedingt als Co-Trainer.

Lange Zeit galt Löw als zu ruhig

Nach der Blamage unter Rudi Völler bei der Europameisterschaft 2002 verändern Klinsmann und im Hintergrund der Taktiker Löw die Mannschaft. 2006 holt Deutschland bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land den dritten Platz. Klinsmann sieht seine Aufgabe als erfüllt an – und lässt Löw übernehmen. Und Löw übernahm. Anfangs noch von vielen Zweiflern begleitet ging der frühere Stürmer unbeiirt seinen Weg. Lange Zeit galt er als zu nett, zu weich und bisweilen auch zu ruhig.

Außerdem rief sein Dialekt diverse Comedy-Formate auf dem Plan, die den Bundestrainer nicht nur einmal der Lächerlichkeit preisgaben. Heutzutage wird nicht mehr über Löw gelacht, inzwischen wird sich zusammen mit ihm gefreut – über die Erfolge, die er mit seiner Nationalmannschaft feiert. Inzwischen machte Joachim Löw das deutsche Team in einer von vielen Nationen bewunderten Art und Weise zum Weltmeister. Er verbuchte in Brasilien den vierten Stern und sorgte dafür, dass „Die Mannschaft“ als Titelverteidiger an den Start geht.

Gegenwart entscheidender als Vergangenheit

Löw formte in seinen zwölf Amtsjahren als Bundestrainer eine Mannschaft, die weltweit zusammen mit den Spaniern den attraktivsten Fußball spielt. Atemberaubende Ballsicherheit gepaart mit ewig langer Besitzzeit des Spielgerätes sowie ungebremster Offensiv-Power – der deutsche Fußball ist wieder wer in der Welt. Für die WM in Russland ist es der sechste Kader, den Löw alleinverantwortlich nominiert hat, und er hat in ihn all die Erkenntnisse einfließen lassen, die er beim Kaderbau bisher gesammelt hat.

Nun hat er entschieden, dass es sich lohnt, auf Manuel Neuer und Jérôme Boateng zu warten, Mario Götze hat er seine Solidarität dagegen verweigert – zu Recht, weil er gelernt hat, dass ein Kader nicht zu viele Spieler verträgt, deren Vergangenheit ruhmreicher ist als ihre Gegenwart. Auch der Verzicht auf Leroy Sané von Manchester City ist da ein klares Zeichen.

Der Bundestrainer, der kurz vor dem WM seinen Vertrag bis 2022 verlängerte, hat seit dem Triumph von Rio 2014 oft betont, dass die nächste Generation Druck auf die Weltmeister ausüben müsse. Jetzt wird sich zeigen, ob Löw die richtige Mischung aus Weltmeistern sowie der nächsten Generation gefunden hat.