Ein Torjäger ohne Trikot: Velimir Jovanovic beendet nach der laufenden Saison seine Karriere.
Ein Torjäger ohne Trikot: Velimir Jovanovic beendet nach der laufenden Saison seine Karriere. Peter Krüger
MV-Torjäger macht Schluss

Karriereende im zweiten Wohnzimmer

Velimir Jovanovic hat sich als treffsicherer Fußballer nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern einen Namen gemacht. In wenigen Wochen beendet er seine Laufbahn.
Greifswald

Sieben Spiele noch, dann ist Schluss. Velimir Jovanovic, der sich in Mecklenburg-Vorpommern vor allem dank seiner Tore bei der TSG Neustrelitz und dem Greifswalder FC einen Namen gemacht hat, beendet in wenigen Wochen seine Fußball-Karriere.

Knapp 17 Jahre Fußball im Herrenbereich sind genug. „Ich habe für mich entschieden, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist, mit dem Fußballspielen aufzuhören“, so Jovanovic, der auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken kann. Auf Zeiten, in denen er Trikots namhafter Vereine wie Rot-Weiß Erfurt, 1. FC Magdeburg, FC Carl Zeiss Jena oder Energie Cottbus getragen hat.

Für Letzteren lief er sogar achtmal in der 2. Bundesliga auf. Ein Zweitligator (im Dezember 2010 beim 4:0-Sieg gegen Rot-Weiß Oberhausen) steht dort in seiner Vita.

Geilster Job der Welt

„Natürlich hätte ich gerne das eine oder andere Spiel in der 2. Liga mehr gemacht, aber ich bin mit dem Verlauf meine Laufbahn auch so super zufrieden. Ich habe mit dem geilsten Job der Welt eine zeitlang meine Brötchen verdient, habe mein Hobby quasi zum Beruf gemacht, was will man da mehr?“, so Jovanovic, der mit all seinen Vereinen schöne Erinnerungen verbindet, auch wenn nicht überall alles glatt gelaufen ist: „Misserfolge gehören genauso zum Fußball dazu wie Erfolge. Ich bin so dankbar dafür, dass ich diese Jahre als Kicker bei jedem meiner Vereine erleben durfte.“

Die meisten seiner Einsätze lieferte „Jova“, wie der gebürtige Serbe zumeist gerufen wird, in der Regionalliga (140) ab, 61 Tore legen dabei ein ziemlich gutes Zeugnis seiner Torgefährlichkeit ab. Reichlich Oberligaspiele und natürlich Tore kommen noch hinzu. Oftmals als Schlitzohr, nicht selten als Kämpfer.

Der Mann mit den ausgeprägten O-Beinen, der in Malchin aufgewachsen ist und beim dortigen FSV seine ersten Fußballschritte machte, ehe er im Nachwuchsbereich über den 1. FC Neubrandenburg beim FC Sachsen Leipzig landete, hat reichlich Spuren hinterlassen.

Trainer Kroos hat Verständnis für den Schritt

Das weiß auch sein jetziger Trainer Roland Kroos beim Greifswalder FC (Oberliga): „Dass ein Spieler wie Velimir Jovanovic unserer Mannschaft fehlen wird, das ist doch völlig klar.“ Doch der Coach zeigt auch Verständnis für die Entscheidung seines Stürmers.

„Jova wird jetzt 35, da ist es normal, dass man sich Gedanken darüber macht, aufzuhören und seine Prioritäten anders setzt.“ Mehr Zeit für seine Familie und auch für die derzeitige Ausbildung zum Erzieher zu haben, das sind die Hauptgründe für den Abschied der Nummer 36.

„Und natürlich wird man nicht jünger“, sagt Jovanovic schmunzelnd. Bevor der „alte Mann“ Mitte Juni nach dem Punktspiel beim SC Staaken aber letztmals sein Trikot ausziehen wird, will der Torjäger noch zwei Ziele abhaken.

Zum einem steckt der scheidende Angreifer mit seinem Verein mitten im Aufstiegskampf der Oberliga, liegt derzeit punktgleich mit dem Tabellenzweiten Blau-Weiß Berlin auf Platz drei. Spitzenreiter FC Hertha 03 Zehlendorf hat einen Punkt Vorsprung, aber auch ein Spiel mehr auf dem Konto. Zum anderen steht da noch dieses eine Spiel am 21. Mai auf dem Programm – das Landespokalfinale gegen die TSG Neustrelitz.

Pokalfinale gegen den „Herzensverein”

Ausgerechnet Neustrelitz. Dort verbrachte Jovanovic erfolgreiche und wundervolle Jahre, wurde 2014 Regionalligameister mit der TSG und verpasste nur knapp den Aufstieg in die 3. Liga. 2010 wurde er in Neustrelitz zudem Oberliga-Torschützenkönig mit 26 Treffern.

„Schon cool, zum Ende meiner Laufbahn in einem solchen Endspiel gegen die TSG antreten zu dürfen und noch dazu in Neustrelitz“, freut sich der 34-Jährige, für den die TSG „Herzensverein“ und das Parkstadion quasi wie ein zweites Wohnzimmer ist.

Doch bei aller Zuneigung will „Jova“ den Pokal mit seinen Greifswaldern in die Höhe recken. Ob nun mit oder ohne eigenen Treffer, das sei erst einmal egal, „aber natürlich am liebsten mit, ich bin schließlich ein Stürmer“. Nach dem erhofften Pokalerfolg soll dann möglichst der Aufstieg in die Regionalliga folgen. „Wir packen beides“, ist sich Jovanovic sicher, „ich will natürlich immer den größtmöglichen Erfolg, dafür spiele ich halt Fußball“. Wenn auch nur noch sieben Spiele lang.

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