Katrin Krabbe ist heute mit sich im Reinen.
Katrin Krabbe ist heute mit sich im Reinen. Jens Büttner
Ein Foto von 1992: Katrin Krabbe nach einem leichten Kompensationstraining.
Ein Foto von 1992: Katrin Krabbe nach einem leichten Kompensationstraining. Jens Büttner
Die einst schnellste Frau der Welt mag es heute ruhig und gemächlich.
Die einst schnellste Frau der Welt mag es heute ruhig und gemächlich. Jens Büttner
Katrin Krabbe bei der Ferseh-Sendung Nachtcafé.
Katrin Krabbe bei der Ferseh-Sendung Nachtcafé. SWR/Alexander Kluge
Sprint-Ass aus Neubrandenburg

▶ Katrin Krabbe feiert 50. Geburtstag und ist neu verliebt

Medaillen für die DDR und nach der Wende Doppel-Gold für Deutschland, dann gesperrt wegen nie bewiesener Doping-Vorwürfe. Jetzt feiert Katrin Krabbe ohne Groll ihren 50. Geburtstag.
Neubrandenburg

Die einst schnellste Frau der Welt mag es heute ruhig und gemächlich: Katrin Krabbe aus Neubrandenburg walkt ab und an mit Freundinnen, sie liebt das Wandern in den Bergen und hat den Golfsport für sich entdeckt.

Ein Handicap habe sie noch nicht, erzählt sie mit einem Schmunzeln, nur die Platzreife. Ihr neuer Lebensgefährte, der Immobilienunternehmer Karsten Fluhr aus Chemnitz, spielt ebenfalls Golf. Das Paar ist oft unterwegs in Sachen Golf, organisiert mittlerweile gemeinsam mit der Franz-Beckenbauer-Stiftung auch selbst Benefiz-Turniere. „Es ist ruhig in meinem Leben und ich bin damit momentan sehr zufrieden“, sagt Katrin Krabbe, die an diesem Freitag ihren 50. Geburtstag feiert.

Sprinterin vom SC Neubrandenburg

Ruhig ist es selten gewesen im Leben der Katrin Krabbe. Sie war ganz oben, wenig später ganz unten. Im Sommer 1990 gewann die Sprinterin vom SC Neubrandenburg – noch für die DDR drei Goldmedaillen bei der Europameisterschaft in Split – über 100, 200 Meter und mit der 4x100-Meter-Staffel.

Ein Jahr später, nun für Gesamt-Deutschland, der Höhepunkt für die damals 21-Jährige: In Tokio krönt sich Katrin Krabbe zur Doppel-Weltmeisterin über 100 und 200 Meter – die Grace Kelly der Tartanbahn war geboren. Dieser Spitzname wurde ihr vom Boulevard verliehen.

Hier sehen Sie Katrin Krabbe bei der Weltmeisterschaft in Tokio:

Was folgte, waren irre Monate. Deutschlands Sportlerin des Jahres, Europas Sportlerin des Jahres, Weltsportlerin 1991 gemeinsam mit US-Legende Carl Lewis, sogar der Bambi – Deutschlands wichtigster Medienpreis – wurde ihr verliehen: Die Welt lag der Neubrandenburgerin zu Füßen.

Dopingverdacht und Medikamentenmissbrauch

Ein Jahr später ist alles vorbei. Die SCN-Leichtathletin gerät im Januar 1992 gemeinsam mit Grit Breuer und Silke Möller unter Dopingverdacht. Die Urinproben, die im Trainingslager in Südafrika genommen wurden, sind bei dem Trio identisch. Doch der Deutsche Leichtathletik Verband (DLV) hebt die Sperre aus Mangel an Beweisen auf.

Im August folgt der nächste Vorfall: Im Urin von Katrin Krabbe, Grit Breuer und Manuela Derr wird Clenbuterol gefunden. Ihr Trainer Thomas Springstein hatte das Asthma-Medikament Spiropen, in dem die Substanz steckt, in der Apotheke besorgt. Der Wirkstoff steht damals noch nicht auf der Dopingliste. Die drei Sprinterinnen werden wegen Medikamentenmissbrauchs gesperrt.

„Es war plötzlich ein anderes Leben, ein Bruch“, sagt sie. Die bis dahin bunte und aufregende Welt war eingestürzt. Der DLV suspendiert Krabbe für ein Jahr, der Weltverband IAAF legt noch zwei Jahre drauf, die Mecklenburgerin zieht vor Gericht – es wird ein Marathon, aber Krabbe gewinnt. Vor dem Oberlandesgericht München einigen sich die Sprinterin und die IAAF 2002 auf einen Vergleich. Krabbe bekommt eine Schadenersatzzahlung.

Keinen Groll gegen Trainer Thomas Springstein

Auf die Jahre damals blickt sie heute nüchtern zurück: „Das einzige, was ich mir vorwerfen lassen muss, ist, dass ich ein Medikament ohne Rezept genommen habe. Es macht aber keinen Sinn, zu fragen, was wäre wenn.“ Wichtig ist in ihren Augen, wie man die Dinge letztlich bewertet: „Ich bin stolz auf meine sportlichen Erfolge, weil ich weiß, wie hart ich dafür arbeiten musste“, sagt die Neubrandenburgerin.

Gegen ihren Trainer Thomas Springstein hege sie keinen Groll, da sei keine Wut. Im Gegenteil: „Er war ein Trainer, der, was Trainingskonzepte betrifft, seiner Zeit schon weit voraus war. Er hatte Visionen. Wir haben uns menschlich gut verstanden.“

Kontakt zu ihrem Ex-Trainer bestehe aber nicht mehr, auch nicht zu ihren einstigen SCN-Kolleginnen Grit Breuer und Manuela Derr. „Es wäre schön, sie mal wiederzutreffen“, sagt Katrin Krabbe und lächelt.

Sie lacht viel an diesem Morgen in ihrer Küche. Dabei hätte sie allen Grund, eine gebrochene Frau zu sein. Denn auch nach der abrupt beendeten sportlichen Karriere blieben ihr weitere Nackenschläge nicht erspart. Verurteilung wegen Steuerhinterziehung 2008, wenig später Privatinsolvenz. Anfang Mai 2015 nimmt sich ihr Mann Michael Zimmermann das Leben, er wird in einem Wald nahe Adamshof bei Neustrelitz gefunden.

Ehrenamtlich als Sterbebegleiterin tätig

Zu dieser Zeit war sie bereits ein Jahr ehrenamtlich als Sterbebegleiterin in einem Neubrandenburger Hospiz tätig. Vielleicht hilft ihr diese Arbeit, mit dem Tod ihres Mannes anders umzugehen: „Man denkt, es geht nicht weiter, aber das ist nicht wahr. Im Leben gibt es immer Leute, die bei dir sind und die dir andere Türen öffnen.“

Im Februar 2016 verliebt sich die Neubrandenburgerin neu: Mit Bob Hanning, Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin, bleibt sie gut drei Jahre liiert, Anfang dieses Jahres gibt das Paar die Trennung bekannt. „Wir sind aber weiter gute Freunde“, sagt sie. Ihr Liebesglück hat sie nun in Chemnitz gefunden. So oft es ihr Job in einem Neubrandenburger Autohaus erlaubt, düst sie hin. Dort wird sie mit Familie und Freunden auch ihren 50. Geburtstag feiern.

Nach 10,99 Sekunden war sie in Tokio im Ziel

Katrin Krabbe ist mit sich im Reinen: „Es ist alles gut.“ Das 100-Meter-Finale 1991 in Tokio, das ihr Leben veränderte, wird sie immer begleiten. „Ich war an dem Tag mental so stark, ich wusste, dass ich gewinne“, erzählt sie. Nach 10,99 Sekunden raste Katrin Krabbe über die Ziellinie und ist Weltmeisterin – die schnellste Frau der Welt.

Sportliche Erfolge von Katrin Krabbe:

Mit zwölf Jahren begann Katrin Krabbe beim SC Neubrandenburg, dem Verein, bei dem ihr Vater Fußball-Oberligaspieler und später Trainer war, mit dem Lauftraining. Ihre Trainer waren Herbert Kraus, Hans-Jürgen Ansorge und Thomas Springstein. Der Durchbruch kam bei den Europameisterschaften 1990 in Split. Dort gewann sie dreimal Gold: über 100, 200 Meter und mit der 4-mal-100-Meter-Staffel.

1991 folgte der Doppelsieg bei den deutschen Meisterschaften in Hannover. Bei den Weltmeisterschaften in Tokio war sie die überragende Läuferin. Mit 10,99 beziehungsweise 22,09 Sekunden holte sie über 100 und 200 Meter Gold und bezwang dabei ihre großen Rivalinnen Gwen Torrence und Merlene Ottey. 1988 startet Krabbe bei den Olympischen Spielen in Seoul, schied dort über 200 Meter im Halbfinale (22,59) aus.

zur Homepage