Ralf Bartels

Kugelstoß-Held verlässt den SCN

In seiner aktiven Zeit sammelte der Kugelstoßer viele Titel für den SC Neubrandenburg, arbeitet danach als Trainer. Nun kam der Befehl von der Bundeswehr.
Kugelstoßer Ralf Bartels vom SC Neubrandenburg beendete 2013 seine sportliche Laufbahn.
Kugelstoßer Ralf Bartels vom SC Neubrandenburg beendete 2013 seine sportliche Laufbahn. Heiko Brosin
Neubrandenburg

In seiner Karriere als Kugelstoßer beim SC Neubrandenburg hat er fast alles erreicht und erlebt: Ralf Bartels war Hallen-Europameister, Stammgast bei Weltmeisterschaften, startete zweimal bei Olympischen Spielen.

Nach seiner Laufbahn, die Bartels 2013 beendete und in der er haufenweise Titel sammelte, stieg er als Nachwuchstrainer bei seinem Heimatclub ein.

Nun verlässt Bartels den SCN und wird Berufssoldat. In der nächsten Woche wird der Neubrandenburger in Warendorf einen ersten Lehrgang belegen und dann am Bundeswehrstandort Wunstorf oder in Munster tätig sein.

Es gab keine andere Möglichkeit

Für viele dürfte dieser Schritt überraschend kommen, Ralf Bartels vollzog ihn auch nicht ganz freiwillig. „Ich wäre gern geblieben, weil mir die Arbeit mit dem Nachwuchs einfach Spaß gemacht hat“, sagt der 40-Jährige. Am Ende habe es aber keine andere Möglichkeit mehr gegeben, weil er an seine eigene Zukunft und der seiner Familie denken müsse.

Der einstige Weltklasse-Kugelstoßer ist, so kann man es wohl ausdrücken, ein Opfer der komplizierten Finanzierung von Trainerstellen in der Leichtathletik in Deutschland. Bartels gehörte bis zuletzt zur Sportfördergruppe der Bundeswehr, die in den vergangenen Jahren auch seine Trainerstelle beim SCN finanziell absicherte.

Wohlwollend, wie es Bartels beschreibt. Vor einigen Wochen kam allerdings der Befehl, dass er künftig „andersweitig eingesetzt“ werde und nicht mehr im Leistungssport.

Einige Stellenangebote gab es schon für Bartels

Das Dilemma: Der SCN kann Bartels nicht beschäftigen, weil dem Club schlicht die Mittel fehlen. Es habe zwar durchaus die Möglichkeit gegeben, bei anderen Clubs als Trainer zu arbeiten, diese Stellen seien aber alle nur bis zum 31. Dezember 2018 befristet gewesen.

Mit seiner Enttäuschung hält Bartels nicht hinterm Berg: „Ich fühle mich da schon etwas hängengelassen.“ Beim SCN habe man ihm gesagt, dass man nichts machen könne, weil niemand wisse, wie es generell mit dem Leistungssport in der Leichtathletik weitergehe. Denn über allen schwebt die Strukturreform beim Deutschen Leichtathletik Verband (DLV), die irgendwann greifen soll.

Beim Club bedauert man Bartels Abschied. „Wir hätten uns gefreut, dass er bleibt, weil er hier gute Arbeit gemacht hat“, sagt Geschäftsführer Björn Bromberger. Der SCN habe aber keinen Einfluss darauf gehabt, weil die Finanzierung der Trainerstellen über den Leichtathletikbundesverband laufe. Das Ganze sei in der Tat kompliziert.

Froh über das Angebot

Ralf Bartels wird das nicht trösten. Nach dem mehrwöchigen Lehrgang wird er erst einmal in Munster oder Wunstorf stationiert sein. Dort wird er als „Trainer für körperliche Leistungsfähigkeit“ für die Fitness der Soldaten verantwortlich sein und somit auch mit Sport zu tun haben.

„Ich bin natürlich froh, dass mir die Bundeswehr dieses Angebot gemacht hat, sonst hätte ich ohne Anstellung da gestanden“, sagt er. Zum Berufspendler zu werden, sei aber nicht das, was er gewollt habe. „Am Ende hatte ich einfach keine andere Wahl.“

Eine Rückkehr in den Leistungssport schließt Bartels, der nach seiner Karriere als Kugelstoßer an der Trainerakademie in Köln studiert hat, aber nicht aus. Wenn der DLV wieder Bedarf sehe, ihn als Trainer zurückholen zu wollen, würde sich die Bundeswehr wohl auch nicht dagegen sperren, glaubt er.

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