Boxen
Für Lewandowski wird ein Traum wahr

Greifswalds Profiboxer Christian Lewandowski steigt heute für den "Kampf seines Lebens" in den Ring.
Greifswalds Profiboxer Christian Lewandowski steigt heute für den „Kampf seines Lebens” in den Ring.
Peter Krüger

Die große Karriere als Profiboxer war eigentlich schon beendet, bevor sie so richtig angefangen hatte. Boxer Christian Lewandowski feierte nach einer längeren Pause aber ein traumhaftes Comeback und steht nun vor dem Kampf seines Lebens.

Unaufhörlich tropft der Schweiß auf den Boden, ein quälendes Keuchen zieht alle paar Sekunden durch den Raum, bevor ein lauter Gong aus dem Handy des Trainers die Übungen seines Schützlings für wenige Augenblicke beendet.

Der Trainer ist Martin Dachschütt, sein Schützling Profiboxer Christian Lewandowski. Und dieser will sich heute Abend einen Traum erfüllen. Einen Traum, den der Greifswalder Faustkämpfer schon über zwei Jahre mit sich rumträgt.

„Irgendwann will ich Tom Schwarz vor die Fäuste bekommen“, ließ Lewandowski bei jeder sich bietenden Gelegenheit wissen. Doch warum eigentlich? Woher kommt dieser – bislang noch unerfüllte – Wunsch, Tom Schwarz zu boxen?

Ende einer hoffnungsvollen Karriere

„Tom hat damals meinem Bruder Dennis die erste Profi-Niederlage zugefügt. Das habe ich nicht vergessen“, so die Antwort des Schwergewichtsboxers aus der Boddenstadt. An diesem Tag musste der 25-Jährige selbst auch seine erste Niederlage einstecken, gegen den heutigen Europameister Agit Kabayel.

Einen Kampf später verlor Lewandowski ein zweites Mal und beendete kurzerhand seine zu diesem Zeitpunkt sehr hoffnungsvolle Karriere als Profiboxer. Doch das Ende seiner Faustkampfkarriere hielt nur bis zum April diesen Jahres. Dann war der 2,01-Meter-Hüne wieder zurück im Seilquadrat.

„Es hat einfach wieder in den Fäusten gejuckt“, so Lewandowski, der den Ring stets mit dem Kampfnamen „Boddenhammer“ betritt. Auch waren die stetigen Reisen zu den Kämpfen seines Bruders und die dortige Stimmung in den Hallen „Schuld“ an der Rückkehr des Schwergewichts.

„Viele haben mir gut zugeredet und zu einem Comeback geraten“, so Lewandowski rückblickend. Und dieses Comeback lief ziemlich vielversprechend. Drei Kämpfe, drei Siege (insgesamt jetzt 14 Kämpfe, 12 Siege, zwei Niederlagen) – der Boddenhammer ist also zurück.

Bundeswehr gibt Lewandowski frei

So erfolgreich sogar, dass nun die Erfüllung des Traumes bevorsteht. Vor knapp zwei Wochen schrillte Lewandowskis Telefon. Am anderen Ende der SES-Boxstall, Veranstalter des heutigen Kampfabends in Dessau. Denen ist der ursprünglich geplante Gegner für Tom Schwarz ausgefallen und so waren sie auf der Suche nach einem neuen.

Selbstverständlich wurden sie bei „Träumer“ Christian Lewandowski fündig. Als das eine Gespräch mit dem Boxstall am Handy beendet war, folgte gleich das nächste – mit seinem Arbeitgeber, der Bundeswehr. „Ich habe sofort zwei Wochen freibekommen“, ist der Obergefreite des Torgelower Panzerbatallions seinen Vorgesetzten dankbar.

Denn nun hieß es: „Trainieren, trainieren, trainieren!“ Zweimal täglich bat sein Coach Martin Dachschütt fortan zu schweißtreibenden Einheiten. „Wir haben nach Christians letztem Kampf immer durchtrainiert und glücklicherweise keine großen Pausen eingelegt“, weiß Dachschütt zu berichten, der seinen Schützling aktuell sogar ein wenig bremsen muss.

Denn Lewandowski ist voll fokussiert, er spricht seit Tagen von nichts anderem mehr. „Das wird der Kampf meines Lebens“, faucht Lewandowski erschöpft aus dem Ring, als er nach der nächsten Runde Schattenboxen völlig fertig in die Seile fällt.

Sicheren Job als Zeitsoldat

Und für diesen Kampf geht der Greifswalder auch über seine Schmerzgrenzen hinaus. „Christian hat trainiert wie ein Besessener“, staunt Trainer Dachschütt. „Ich bin ansonsten wahrlich kein Trainings-Weltmeister, doch für diesen Kampf habe ich in den Einheiten alles gegeben“, gibt Lewandowski zu.

Doch was, wenn es heute Abend nichts mit der erfolgreichen Revanche für die Niederlage seines Bruders wird. Was ist, wenn der Boddenhammer als zweiter Lewandowski den Ring als Verlierer gegen Schwarz verlässt? „Ich habe in Dessau nichts zu verlieren, ich habe als Zeitsoldat meinen sicheren Job – da steht Tom schon um einiges mehr unter Druck“, so der Greifswalder.

„Aber natürlich will ich meine Chance gegen Schwarz nutzen, ich weiß, dass ich gewinnen kann – wenn nicht jetzt, wann dann?“ Zudem hat Lewandwoski aus den Fehlern bei der Kabayel-Niederlage gelernt. „Dort habe ich einfach zuviel gewollt, das wird nun ganz anders.“

Gegner Schwarz (bisher alle 22 Profikämpfe gewonnen) ist nicht weniger selbstbewusst. „Christian wird k.-o. gehen, schwer k.-o. sogar.“ Lewandowski beendet sein letztes Training, wischt sich mit dem Handtuch den Schweiß vom Gesicht und meint nur lapidar: „Wir werden es am Samstag sehen.“

Und damit meint er seine Vorgesetzten, Kameraden, Freunde und Familienangehörigen, die in der Dessauer Arena direkt am Ring sitzen werden – aber natürlich auch die unzähligen Zuschauer vor dem TV-Bildschirm (live im MDR ab 22:20 Uhr).