Bei der U20-Weltmeisterschaft 2018 in Finnland schrammte der Neubrandenburger Tim Ader knapp an einer Medaille vorbei.
Bei der U20-Weltmeisterschaft 2018 in Finnland schrammte der Neubrandenburger Tim Ader knapp an einer Medaille vorbei. Kalle Parkkinen
Einen Großteil seiner Karriere wurde Tim Ader von Ex-Weltmeisterin Franka Dietzsch trainiert.
Einen Großteil seiner Karriere wurde Tim Ader von Ex-Weltmeisterin Franka Dietzsch trainiert. Thomas Krause
Karriereende

Neubrandenburger Diskus-Talent wird Polizist

Mehr als elf Jahre gehörte Diskuswerfer Tim Ader zum SC Neubrandenburg und feierte einige Erfolge im Nachwuchs. Jetzt hat er einen Schlussstrich unter das Thema Leistungssport gezogen – mit 22 Jahren.
Neubrandenburg

Sein Vertrag beim Sportclub Neubrandenburg läuft zum Jahresende aus. Klar ist, er wird nicht verlängert. Aber darüber ist Tim Ader nicht enttäuscht, er braucht keinen neuen Vertrag: Der Diskuswerfer beendet vielmehr seine sportliche Laufbahn und wird sich künftig seinem Studium an der Polizeischule in Güstrow widmen.

Die Entscheidung kommt nicht überraschend, sie hat sich in den vergangenen Monaten angekündigt. „Am Ende hat es nicht gereicht”, sagt Tim Ader. Der Diskuswerfer hat den Sprung in den deutschen Elitekreis nicht gepackt, es fehlte am Schluss schlicht und einfach die Perspektive als Leistungssportler. Er erzählt das ganz nüchtern und klar. Dabei könnte er mit Frust reagieren, mit Enttäuschung. Doch Fehlanzeige. „Jetzt auf Krampf vehement weiterzumachen, macht keinen Sinn. Dieser Weg hat sich abgezeichnet”, sagt der 22-Jährige.

Im vergangenen Jahr hatte der SCN-Athlet noch einmal den Trainer gewechselt, weg von Franka Dietzsch, seiner langjährigen Nachwuchstrainerin, hin zu Dieter Kollark, einem der erfolgreichsten Wurftrainer in Deutschland und Coach von SCN-Ass Claudine Vita. Ader wollte einen Schub in seiner Entwicklung, mit der zwei Kilogramm schweren Scheibe endlich die 60-Meter-Marke knacken. Das Ziel verfehlte er klar. Ader sagt, er habe sich weiter entwickelt unter Dieter Kollark. „Diese Leistungen konnte ich aber leider im Wettkampf nicht abrufen”, sagt er. In der deutschen Jahresbestenliste der Diskuswerfer 2021 belegt Tim Ader Platz zwölf mit 57,98 Metern, die Elite ist zehn Meter weg.

Die U20-WM zählt er zu den größten Erfolgen

In der neuen Saison wäre der Diskusmann auch nicht mehr in der U23 – eine Zwischenstation, um den riesengroßen Sprung vom Nachwuchs in die Elite abzufedern – in den Ring gegangen, sondern bei den Männern. Und das ohne Bundeskaderstatus. „Das ist unrealistisch. Der Aufwand wäre viel zu groß gewesen, um dann nur bei den Deutschen Meisterschaften oder Landesmeisterschaften zu starten”, sagt Tim Ader, dessen größte Schwäche seine Größe ist. Mit seinen 1,86 Metern gehört der SCN-Sportler in der Diskuswurf-Welt eher zu den Zwergen: „Unter zwei Meter geht da in der Regel nichts. Körperlich hatte ich schon einen Nachteil.” Er habe schließlich ein paar schlaflose Nächte gehabt und dann für sich die Entscheidung getroffen – das war es mit dem Leistungssport. Auf seine Jahre beim SC Neubrandenburg blickt Tim Ader dennoch mit großem Stolz zurück.

„Ich hatte eine gute Zeit”, sagt er. Und einige Erfolge, auch auf internationalem Parkett. Unter den Fittichen der einstigen Weltklasse-Diskuswerferin und dreimaligen Weltmeisterin Franke Dietzsch schnappte sich der SCN-Athlet 2016 bei der Europameisterschaft der U18 in Georgien die Silbermedaille. Bei der U20-Weltmeisterschaft zwei Jahre später in Finnland schrammte Ader mit 60,09 Metern (mit der 1,75 Kilogramm-Scheibe) als Vierter nur knapp an einer Medaille vorbei.

„Viele haben damals gemeint, dass ich doch tief enttäuscht sein müsste, eine Medaille verpasst zu haben. Nein, war ich nicht. Bei mir war nur Freude. Hey, ich war bei einer WM dabei, das schaffen von 1000 Kindern, die mit diesem Sport anfangen, am Ende vielleicht zwei, drei”, sagt er im Rückblick. Seinen letzten Wettkampf für den SC Neubrandenburg, der ihn die Hälfte seines Lebens begleitete, bestritt Ader im Juni dieses Jahres. Bei den Deutschen U23-Meisterschaften in Koblenz holte er sich zum Abschluss die Bronzemedaille – es war für ihn ein schöner Abschluss.

Er möchte künftig Mannschaftssport betreiben

Dem SC Neubrandenburg will er treu bleiben, wie auch immer das aussehen könnte. Vielleicht als Kampfrichter, Tim Ader kann sich das eine oder andere vorstellen. Er möchte etwas zurückgeben, sich einbringen: „Ich weiß zu schätzen, was der SCN für mich gemacht hat. Dafür bin ich sehr dankbar”“ Dankbar sei er vor allem Franka Dietzsch, die ihn viele Jahre trainierte, und Claudine Vita, mit der Ader zuletzt eine Trainingsgruppe bildete. „Dieses Vereinsgefühl wird mir sicherlich am meisten fehlen. Ansonsten bin ich fein mit meiner Entscheidung”, sagt der Neubrandenburger.

Sein Fokus richtet sich nun erst einmal auf sein Polizeistudium für den gehobenen Dienst, an dessen Ende er sich Kommissar nennen darf. Drei Jahre dauert die Ausbildung, die am 1. Oktober begonnen hat. Nebenbei trainiert Tim Ader „ab”, um seinen leistungssportgewöhnten Körper auf das „normale” Leben einzustellen.

Ganz ohne Sport soll es im neuen Leben von Tim Ader aber nicht weitergehen. Nach Jahren als Einzelkämpfer im Diskuswurfring zieht es ihn jetzt zum Mannschaftssport. Volleyball – das könne er sich sehr gut vorstellen. Tim Ader hat Lust darauf.

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