Siebenkämpferin Janika Baarck (rechts, bei einem Meeting in Neubrandenburg) steigt künftig in den Bob.
Siebenkämpferin Janika Baarck (rechts, bei einem Meeting in Neubrandenburg) steigt künftig in den Bob. Peter Krüger
Die ersten Test als Bobfahrerin verliefen für Janika Baarck erfolgsversprechend.
Die ersten Test als Bobfahrerin verliefen für Janika Baarck erfolgsversprechend. ZVG
Wintersport

Neubrandenburger Leichtathletin steigt in den Bob

Janika Baarck gehörte viele Jahre zu den großen Leichtathletik-Talenten in Deutschland. Jetzt schlägt die Neubrandenburgerin einen anderen Weg ein.
Neubrandenburg

Die ersten Testfahrten im Zweierbob hat Janika Baarck hinter sich – sie ist erschrocken und begeistert zugleich gewesen. „Das ist schon ein verrückter Sport”, erzählt sie mit einem lauten Lachen. Gleichwohl verliefen diese Testfahrten dermaßen erfolgreich, dass die ehemalige Siebenkämpferin vom SC Neubrandenburg, die seit 2020 für Bayer Leverkusen startet, eine Entscheidung getroffen hat: Die 22-Jährige beendet ihre Laufbahn als Leichtathletin und steigt in den Bob.

Am 23. Dezember ist in Oberhof ein sogenannter zentraler Leistungstest angesetzt – ein wichtiges Datum für die Neu-Wintersportlerin: „Da wird man sehen, wo ich generell stehe.” Wettkämpfe wird Janika Baarck in diesem Winter allerdings nicht mehr bestreiten, die Planungen beim Deutschen Bobverband sind in dem punkt längst durch. Ihr Blick ist vielmehr auf das kommende Jahr gerichtet.

Der Bobsport verfolgt sie indes bereits einige Jahre. „Schon mit 15 wurde ich angesprochen, ob ich Interesse hätte. Da habe ich aber immer gesagt: Nee. Ich bleibe lieber bei der Leichtathletik”, erzählt sie. Logisch: Janika Baarck gehörte viele Jahre zu den Top-Mehrkampftalenten; 2018 gewann sie die Deutsche U20-Meisterschaft – die Karriere auf der Tartanbahn geriet aber ins Stocken. Vor allem, weil sie immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen wurde. „Vor der Sommersaison hatte ich dann ein Gespräch mit Mehrkampfbundestrainer Wolfgang Kühne. Wir haben über meine Perspektive geredet, ich sollte mir Gedanken machen”, blickt die Neubrandenburgerin zurück. Die Antwort wusste sie schon: „Es wird schwer für mich als Siebenkämpferin.”

Ihre ersten Tests machte sie bei Trainer Leopold

Der Weg in den Wintersport war dann kurz. Da die Verantwortlichen des Bobverbandes ständig und immer in der Leichtathletik nach potenziellen Kandidaten suchen, gab es schnell einen Kontakt. Bei Gerd Leopold, Trainer von Bob-Star Francesco Friedrich, absolvierte Janika Baarck erste Anschub-Einheiten – ihre Laufbahn als Wintersportlerin hat mittlerweile Fahrt aufgenommen. Gerade erst verbrachte sie zwei Trainingswochen in der Wintersport-Hochburg Winterberg. „Man sieht im Fernsehen nur das Fahren, aber zum Bobfahren gehört so viel mehr dazu, das ist alles so spannend”, erzählt sie.

Vor ihrer ersten Fahrt hatte sie ein wenig Bammel. Mit 100 Kilometern in der Stunde durch einen Eiskanal zu donnern – dazu gehört schon eine Portion mehr an Mut. „Ich habe nichts Vergleichbares erlebt, was dabei für Kräfte wirken”, sagt sie und erzählt, dass es bei Bob-Neulingen nach der Premiere zwei Sorten von Sportlern gibt: Die einen sagen: Das war scheiße, aber gern noch mal. Die anderen sagen: War Scheiße, nie wieder.

Für Janika Baarck war nach dem Debüt im Bob klar – das will ich künftig machen. Sie erzählt, dass sie nach den ersten Fahrten durch den Eiskanal nachts nicht schlafen konnte, weil sie das Erlebte überhaupt nicht verarbeiten konnte. „Der Input war riesig”, sagt sie. Die 22-Jährige wird weiterhin in Leverkusen trainieren können und in Köln studieren. Als Bobfahrerin wird sie künftig aber für den BC Sachsen Oberbärenburg starten.

Als Kind träumte Janika Baarck von einer Teilnahme an den Olympischen Spielen. Dieser Traum ließ sich als Leichtathletin nicht verwirklichen. Der Wechsel in den Wintersport gibt ihr die Möglichkeit, diesen Traum weiterträumen zu können. In vier Jahren finden die Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo – vielleicht mit der Neubrandenburger Bobsportlerin Janika Baarck. Sie hätte nichts dagegen.

 

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