Oliver Daedlow kämpfte sich nach seiner Verletzung wieder zurück.
Oliver Daedlow kämpfte sich nach seiner Verletzung wieder zurück. Peter Krüger
Oliver Daedlow (Blau, im Spiel gegen Dynamo Dresden) möchte im Sommer zurück zum FC Hansa Rostock.
Oliver Daedlow (Blau, im Spiel gegen Dynamo Dresden) möchte im Sommer zurück zum FC Hansa Rostock. Peter Krüger
Oliver Daedlow lebt derzeit in Garbsen, einem Stadtteil Hannovers.
Oliver Daedlow lebt derzeit in Garbsen, einem Stadtteil Hannovers. Peter Krüger
Der 21-jährige Neubrandenburger vor dem Wappen des TSV Havelse.
Der 21-jährige Neubrandenburger vor dem Wappen des TSV Havelse. Peter Krüger
Oliver Daedlow fühlt sich in der Mannschaft von Havelse sichtlich wohl.
Oliver Daedlow fühlt sich in der Mannschaft von Havelse sichtlich wohl. Peter Krüger
Heimat für ein Jahr: Oliver Daedlow sitzt lässig auf der Tribüne beim TSV Havelse. Der 21-Jährige wurde an die Niedersachsen ausgeliehen, um Spielpraxis zu sammeln.
Heimat für ein Jahr: Oliver Daedlow sitzt lässig auf der Tribüne beim TSV Havelse. Der 21-Jährige wurde an die Niedersachsen ausgeliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Peter Krüger
Fußball 2. Bundesliga

Neubrandenburger Profikicker macht sich fit für Hansa Rostock

Im vergangenen Sommer ist Oliver Daedlow mit Hansa Rostock aufgestiegen. Endlich 2. Fußball-Bundesliga. Doch der 21-Jährige ist dann in der Dritten Liga geblieben. Und macht sich dort fit für eine erfolgreiche Rückkehr.
Neubrandenburg

Langsam biegt er von der Hauptstraße auf den Parkplatz eines Supermarktes, orientiert sich nach rechts und parkt seinen Pkw direkt neben den Autos der einkaufwilligen Bevölkerung. Lässig steigt er aus und verschwindet durch ein Eisentor hindurch auf das Sportgelände des TSV Havelse.

Ein Eisentor und ein Sportgelände, das auf den ersten Blick dem eines Landes-, maximal dem eines Verbandsligisten gleicht. Profifußball vermutet man hier jedenfalls nicht. Doch der TSV Havelse ist seit dem vergangenen Sommer ein vollwertiges Mitglied der dritthöchsten deutschen Fußballliga. Hier in Garbsen, einem Stadtteil von Hannover, ist alles eine Nummer kleiner, mindestens. Nicht umsonst wird TSV Havelse auch liebevoll als „Dorfclub“ im Haifischbecken der Profivereine abgefeiert.

Genau hierhin hat es Oliver Daedlow verschlagen, der im Sommer gerade erst mit dem Traditionsclub Hansa Rostock aus der dritten Liga verschwand und mit dem Verein seines Herzens den Aufstieg in die 2. Bundesliga gepackt hatte. Für ein Jahr lang wurde Daedlow an die Niedersachsen ausgeliehen, der 21-jährige Neubrandenburger soll sich dort weiterentwickeln, um irgendwann als noch besserer Kicker an die Ostsee zurückzukehren. So zumindest der Plan.

Kicker gehen noch arbeiten oder studieren

Dieser Plan würde Daedlow jedenfalls gefallen, auch wenn sich der gebürtige Vier-Tore-Städter, der im Sommer 2016 als Nachwuchskicker vom 1. FC Neubrandenburg zu Hansa Rostock wechselte, in seiner neuen Heimat pudelwohl fühlt. „Es tut mir ganz gut, mal eine neue Stadt und auch neue Leute kennengelernt zu haben. Ich habe mich hier super eingelebt“, schwärmt Daedlow, der mittlerweile seine Trainingsklamotten übergestreift hat und sich auf dem Weg zum Nebenplatz macht.

Das tägliche Training steht auf dem Programm. Im Gegensatz zu Hansa Rostock und den ganzen anderen Proficlubs, wo die Kicker zwei Mal am Tag aus Trainingsgründen die Fußballschuhe schnüren, bittet man beim TSV Havelse täglich nur zu einer Übungseinheit. Der Grund: Die meisten Kicker des TSV gehen neben der Tore- und Punktejagd in Liga drei auch noch einem ganz normalen Job nach – oder konzentrieren sich auf ihr Studium.

Daedlow ist da als Vollprofi schon fast eine Ausnahme, haut sich zusammen mit den anderen „Feierabendfußballern“ aber in jedem einzelnen Training voll rein. „Wir trainieren zwar nur einmal am Tag, dafür aber eben ein bisschen länger“, so Daedlow.

Glaube an den Klassenerhalt

Den Rest versucht der Youngster, in Eigeninitiative im Fitnesscenter aufzufangen. Denn es steht neben der eigenen Weiterentwicklung und der Rückkehr zu Hansa auch noch ein weiteres Ziel ganz fett auf dem Wunschzettel. Der Klassenerhalt. Und der wird schwierig genug. Als Aufsteiger ist Havelse derzeit abgeschlagenes Schlusslicht – acht Punkte Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz sind schon eine Menge Holz.

Doch Daedlow glaubt noch fest an das erhoffte Saisonziel und dem Verbleib in Liga drei. „Wir sind bislang in fast jedem Spiel gleichwertig gewesen, auch wenn es komisch klingt, ich sehe aber mindestens vier Mannschaften, die am Ende hinter uns stehen könnten.“ Außerdem habe Havelse eine Truppe, die zusammenhält und jede Menge Leidenschaft mitbringt.

„Nur dürfen wir uns nach einem gewonnenen Punkt gegen Tabellenführer Magdeburg nicht so lange feiern lassen, genauso wenig wie wir uns nach Niederlagen zu sehr runterziehen lassen sollten.“ Der Neubrandenburger selbst hat bislang14 Drittligaeinsätze für den TSV in den Knochen, war im Team ein absoluter Leistungsträger, ehe er sich Mitte November beim Spiel in Zwickau einen Mittelfußbruch zuzog.

Oliver Daedlow wurde schließlich in Dresden operiert

Abends in Hannover ging es dann gleich ins Klinikum. Und von dort aus weiter nach Sachsen auf den OP-Tisch. Nach der erfolgreichen Operation in Dresden musste Daedlow wochenlang in die Zuschauerrolle schlüpfen, eine harte Zeit, wie er meint. „Für einen Fußballer gibt es nichts Schlimmeres, als nur zuschauen und seiner Mannschaft nicht helfen zu können.“

Wochenlang wurde dem Fuß des Neubrandenburgers absolute Ruhe verordnet, dann ging es in die Reha. Und die konnte Daedlow idealerweise sogar in seiner alten Heimat verbringen. Nur kurz nach der Verletzung hatte sich der Defensivkicker in Hannover mit Hansas Sportvorstand Martin Pieckenhagen getroffen, der seinem ehemaligen Schützling jegliche Hilfe bei der Genesung zusicherte. Die nahm jener natürlich dankend an und brachte sich bei Hansas Physiotherapeuten in Rostock, aber auch in seiner Heimatstadt Neubrandenburg, in Form.

Nun fühlt sich der 21-Jährige wieder bereit, wenn es nach ihm ginge, würde er sich beim Auswärtsspiel am Samstag gegen Türkgücü München liebendgern wieder auf dem Rasen sehen. Die nächsten Schritte in der Entwicklung vom Mann mit der Rückennummer 25 sollen genommen werden, der im Sommer dann noch stärker zurück zu den Hanseaten kommen möchte.

Sportvorstand sieht noch Steigerungspotenzial

Dass der Verein ihn nach Havelse verliehen und es nach dem Aufstieg vorerst mit anderem Personal versucht hat, sieht Daedlow, der sich einst als Nachwuchsspieler über die Amateurmannschaft in Hansas Profiteam gekämpft hatte, gelassen.

„Für einen Aufsteiger ist es natürlich immer wichtig, gestandene und erfahrene Kicker auf dem Platz zu haben“, so Daedlow. Solch einer möchte der Vier-Tore-Städter erst noch werden. Daher sei es sein Ziel, „hier soviel Spielpraxis wie nur möglich zu sammeln“.

Das liegt auch Hansas Sportvorstand Pieckenhagen sehr am Herzen, der seinen Spieler bei Havelse-Einsätzen schon ein paar Mal beobachten ließ. „Wir hoffen, das Oli nach der Verletzungspause weitere Schritte in seiner Entwicklung nimmt. Beim ersten Ballkontakt und beim Aufdrehen sehen wir auf alle Fälle noch Steigerungspotenzial. Aber das lernt ein junger Spieler größtenteils über Wettkampfpraxis – und die bekommt Oli ja bei Havelse.“

Blick geht auch nach Rostock

Ohnehin war es für Daedlow eine ganz neue Erfahrung, „oftmals über 90 Minuten spielen zu dürfen“. In der Rostocker Aufstiegssaison pendelte er noch zwischen Reservebank und Startelf, hier bei Havelse – vorausgesetzt er ist nicht verletzt – zählt er jedoch zu den Stützen der Mannschaft. Noch ein Unterschied zum Hansa-Spieljahr sind die Ergebnisse, die Wochenende für Wochenende eingefahren werden.

„Hier bei Havelse merke ich auch mal, wie es ist, zu verlieren“. Das war in der letzten Rostocker Drittligasaison nicht so oft der Fall. Aber wie es heißt es so schön – aus Niederlagen lerne man ja am meisten. Und mit jeder Menge gesammelter Erfahrung will Daedlow im Sommer dann zurück zu seinem Herzensclub Hansa Rostock kehren. Selbstverständlich verfolgt er Woche für Woche den Weg der Hanseaten und ist sich sicher, „dass die aktuell gezeigten Leistungen auf dem Platz auch bald mit Toren und Siegen belohnt werden.

Sie haben eine erfahrene Truppe, die in der Hinrunde wirklich starke Spiele abgeliefert haben“. Sie haben durchaus das Zeug, die Liga zu halten, ist sich Daedlow sicher. Genauso wie auch sein Leihverein in Garbsen.

zur Homepage