DDR-DOPING

Neue Vorwürfe gegen Geipel und die DOH

Mit einem 50-seitigen Konvolut haben die Kritiker der Doping-Opfer-Hilfe nachgelegt: Das Papier nährt die Zweifel an der Integrität der Ex-Vereinschefin weiter.
Gabriel Kords Gabriel Kords
Seit dem vorigen Jahr arbeitet Ines Geipel an der Universität Rostock an einer Doktor-Arbeit mit dem Titel „Hybris und Gewalt. Der DDR-Doping-Staatsplan 14.25 und seine Umsetzung in den drei ehemaligen Nordbezirken“.
Seit dem vorigen Jahr arbeitet Ines Geipel an der Universität Rostock an einer Doktor-Arbeit mit dem Titel „Hybris und Gewalt. Der DDR-Doping-Staatsplan 14.25 und seine Umsetzung in den drei ehemaligen Nordbezirken“. Gregor Fischer
Berlin.

Ines Geipel, die in dieser Woche zurückgetretene Ex-Vorsitzende des DDR-Dopingopfer-Hilfevereins (DOH), sieht sich neuen Vorwürfen ausgesetzt. Nach der Mitgliederversammlung am Donnerstag (Nordkurier berichtete) verteilte die vierköpfige Kritiker-Gruppe, der unter anderem der renommierte Doping-Experte Werner Franke angehört, ein rund 50-seitiges Papier, in dem weitere Vorwürfe aufgezählt werden.

Unter anderem wird bemängelt, dass die staatlichen Fördermittel an den DOH als sogenannte „Selbstbewirtschaftungsmittel“ ausgereicht werden. Das bedeutet, dass der DOH so gut wie keine Nachweise über ihre Verwendung erbringen muss – ein Verfahren, das eigentlich nur sehr selten für staatliche Gelder genutzt wird, weil sich im Nachhinein kaum prüfen lässt, ob die Gelder korrekt verwendet wurden, etwa im Geheimdienstbereich. Der DOH als Geheim-Institution?

Genau dieser Eindruck war in den vergangenen Monaten immer wieder entstanden und hat die Verfasser der 50-seitigen Anklageschrift wohl auch motiviert, ihr Papier mit „Black Box DOH“ zu überschreiben. In dem Papier wird der Bundesrechnungshof zitiert, der bereits 2013 kritisiert hatte, dass staatliche Zuwendungen an Vereine nicht mehr kontrolliert werden können, wenn sie als Selbstbewirtschaftungsmittel ausgegeben werden.

Kritik an Geipels Doping-Doktorarbeit

Weiterhin kritisiert das Papier auch Ines Geipel persönlich: Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit arbeitet die Ex-DOH-Chefin seit dem vorigen Jahr an der Universität Rostock an einer Doktor-Arbeit mit dem Titel „Hybris und Gewalt. Der DDR-Doping-Staatsplan 14.25 und seine Umsetzung in den drei ehemaligen Nordbezirken“.

Für diese Doktorarbeit erhält Geipel, die eigentlich schon Professorin ist, ein Stipendium des Landes Mecklenburg-Vorpommern – über die Jahre gerechnet könnten bis zu 39.600 Euro an sie ausbezahlt werden. Die Autoren des Papiers unterstellen Geipel eine fragwürdige Nähe zum Untersuchungsgegenstand und kritisieren, dass die „pseudowissenschaftlichen Seilschaften“ dem Land Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 169.200 Euro wert seien.

Weiter kritisieren sie, dass Geipel auch an Forschungsprojekten mit dem Greifswalder Psychiartrie-Professor Harald Freyberger beteiligt sei. Die Zusammenarbeit der beiden nähre den Verdacht, dass sie zu ihrem „beiderseitigem Nutzen ins Geschäft gekommen seien“, heißt es im Papier der Kritiker. Und weiter: „Sie verschafft ihm über den eigenen Doping-Opfer-Hilfe e.V. weitere zu untersuchende Sportler-Patienten und potenzielle Patienten-Kunden, die er gutachterlich im Sinne seiner umstrittenen Traumata-Zunft dann ‚belastbar wissenschaftlich‘ zu belegen imstande ist. Studienleiter dürfen sich beide nennen.“

Geipel kann Vorwürfe nicht nachvollziehen

Ines Geipel wies die Vorwürfe am Freitag zurück. Bei ihrem Promotions-Projekt handle es sich um eine „rein historische Dissertation“, für die sie aktuell viel Zeit im Archiv verbringe, schrieb sie dem Nordkurier. Mit der Arbeit von Professor Freyberger habe das nichts zu tun: „Ich wüsste nicht, warum eine rein historische Arbeit im Interessenskonflikt zu meiner ehemaligen Arbeit im DOH gestanden hätte. Hier haben die vier Autoren wie an vielen anderen Stellen ganz klar einiges durcheinandergebracht.“

Und was sagt Professor Freyberger? Der Psychiater kann sich zu den Vorwürfen nicht mehr äußern. Harald Freyberger ist in der Nacht zu Donnerstag, wenige Stunden vor der DOH-Versammlung, überraschend verstorben – eines natürlichen, wenngleich äußerst unerwarteten Todes, wie es am Freitag hieß.

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