DDR-Doping
Neue Vorwürfe gegen Ines Geipel und die DOH

Die Autoren des Briefes ziehen die Integrität der DOH-Vorsitzenden Ines Geipel in Zweifel.
Die Autoren des Briefes ziehen die Integrität der DOH-Vorsitzenden Ines Geipel in Zweifel.
Martin Schutt (Archiv)

In einem offenen Brief an den Bundestag fordern Deutschlands führende Dopingexperten eine radikale Überarbeitung der derzeit geltenden Regeln für die DDR-Dopingopferhilfe. Anlass dafür war die Berichterstattung des Nordkurier.

„DDR-Doping: Wie sauber ist die Opferhilfe?“ Als der Nordkurier im September unter dieser Überschrift darüber berichtete, dass es Trittbrettfahrern womöglich viel zu leicht gemacht werde, an die für Doping-Opfer gedachten Entschädigungen zu kommen (gut 10 000 Euro pro Fall), brach aus Teilen der Medien ein Empörungssturm über unsere Redaktion herein, während die Politik sogleich ankündigte, sich des Themas annehmen zu wollen.

Der NDR schmäht gleich eine ganze Region

Die Vorsitzende des Dopingopfer-Hilfevereins (DOH), Ines Geipel, brachte Anwälte gegen unsere Zeitung in Stellung, ihr eng verbundene Journalisten beim NDR empörten sich in einer Reihe von Online- und TV-Berichten über den Nordkurier. Unser Blatt, so der Tenor eines Berichtes im NDR-Magazin Zapp, verharmlose das Staatsdoping der DDR bewusst, um, auch das wieder die NDR-Interpretation, in einer trostlosen Region, der als einziger Glanz die alten DDR-Goldmedaillen geblieben seien, keine Leser zu vergraulen.

Orchestriert wurden diese Verunglimpfungen einer ganzen Region und ihrer Zeitung von einem leitenden NDR-Redakteur, der selbst von der Dopingopferhilfe mit einem Preis ausgezeichnet worden war.

Renommierte Experten fordern Reformen

Ehemalige Mitglieder der DOH hatten sich schon früh hinter die Nordkurier-Berichterstattung gestellt, nun taten das in einem offenen Brief an die Mitglieder des Sportausschusses des Bundestages auch einige von Deutschlands führenden Dopingexperten.

Allen voran Professor Werner Franke, Zell- und Molekularbiologie am Deutschen Krebsforschungszentrum. Sein internationales Renommee in Dopingfragen ist enorm. Weitere Unterzeichner sind Professor Gerhard Treutlein, Co-Autor des Buches „Doping im Spitzensport“ sowie die Anti-Doping-Kämpfer Claudia Lepping (ehemalige Leichtathletin) und Henner Misersky (ehemaliger Skilanglauftrainer und Mitglied der Hall of Fame des deutschen Sports).

Sie alle sind sicher: Da ist einiges nicht sauber bei der DOH. Die entsprechenden Gesetze müssen deshalb ihrer Meinung nach dringend überarbeitet werden. Und: Die Rolle des Dopingopfer-Hilfevereins sei höchst fragwürdig.

„Das ist eine Farce”

Die Experten haben sich offensichtlich schon länger mit dem Thema beschäftigt, ihr Schritt an die Öffentlichkeit allerdings erfolgte dann erst nach einem weiteren Nordkurier-Beitrag - einem Interview mit dem einstigen Olympiasieger von 1988 im Zehnkampf, Christian Schenk. Freimütig räumte er in diesem Interview ein, bewusst und freiwillig gedopt zu haben. Gleichzeitig kündigte er an, sich trotzdem um Opferhilfe zu bewerben.

„Das ist eine Farce“, heißt es dazu in dem offenen Brief. Und dass diese Aussage aus dem Nordkurier-Interview der Anlass für die Forderung sei, das entsprechende Hilfegesetz grundlegend zu verändern. Die Prüfverfahren müssten strenger und transparenter werden, um Missbrauch durch Betrüger verhindern zu können.

DOH-Vorsitzende beschimpfte unsere Redaktion

Als der Nordkurier alleine eine solche Möglichkeit des Missbrauchs erwogen und bei der DOH entsprechende Nachfragen gestellt hatte, erhielten die damit befassten Kollegen als Antworten nur Beschimpfungen. „Verwahrlosungsjournalismus“, warf Ines Geipel unserer Redaktion auch öffentlich vor sowie „vorsätzliche Diskreditierung“.

Das wird sie den Dopingexperten um Professor Franke kaum vorwerfen können, die jetzt schreiben: „Erst wenn die berechtigten Zweifel an Prozedere und Personalien ausgeräumt und alle Regelungslücken geschlossen sind, sollte der Gesetzgeber entscheiden, ob der Dopingopferhilfe-Fonds tatsächlich wie geplant in diesen Tagen um weitere 3,1 Millionen Euro erhöht und die Antragsfristen verlängert werden.“

„Einladung zu fortlaufendem Betrug”

Diese geplante Erhöhung der Opfergelder hatte Ines Geipel stets als einen der ganz großen Verdienste ihres Vereins gewertet, wie auch die Erweiterung des Kreises der Menschen, die Opferhilfe beantragen können. Die Experten haben dazu allerdings eine klare Meinung: „Das Gesetz war schon immer eine Einladung zu fortlaufenden Betrug durch damals dopende Sportler, die heute behaupten, nichts gewusst zu haben.“

Massiv kritisiert werden zudem die Prüfverfahren für Entschädigungsansprüche. Es könne nicht sein, dass auch „subjektive Psycho-Gefühle“ zu einer Entschädigung führten. Kritisiert wird auch, dass man Entschädigungen erhalten könne, selbst wenn man nachweisbar keine aktuellen Beschwerden habe, allerdings angebe, diese früher gehabt zu haben.

Bedenkliche Verflechtungen in Mecklenburg-Vorpommern

Für völliges Unverständnis sorgt bei den Experten die Forderung der DOH, die Entschädigungen auch an eine „zweite Opfer-Generation“ zu zahlen. Ines Geipel und ihre Mitstreiter gehen davon aus, dass ein Dopingtrauma auch an die Kinder weitergegeben werden könne. Unterstützung fand sie dafür auch bei zwei in Mecklenburg-Vorpommern praktizierenden Chefärzten der Psychiatrie und Psychotherapie.

So gerechnet würde man auf 15 000 Opfer und mehr kommen und müsste den Entschädigungsfonds mithin verfünfzehnfachen: „Mehr Opfer, mehr Geld – mehr Anerkennung für Ines Geipel“ – genau diesen Vorwurf hatte in der Ursprungsberichterstattung des Nordkurier eine einstige Geipel-Vertraute erhoben.

Wer profitiert am meisten?

Die Verflechtungen zwischen dem Dopingopfer-Hilfeverein und den zwei Medizinern aus Mecklenburg-Vorpommern sehen die Verfasser des offenen Briefes unverhohlen kritisch. Sie schreiben: „Während diese Mediziner die Forderung des Dopingopfer-Hilfevereins unterfüttern, das Entschädigungsgesetz auf die zweite Opfer-Generation auszuweiten, forschen sie zugleich nach eigenen Worten aktuell in einer Arbeitsgruppe zusammen mit eben der Vereinsvorsitzenden Ines Geipel und der Vorsitzenden der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Anne Drescher, zu den Folgen des DDR-Staatsdopings. Gleichzeitig dient der Verein auf seiner Website Ex-DDR-Sportlern an, sich an die beiden Psychiater zu wenden.“

Der Weg zum „Opfer“ wird hier also auf eine Weise geebnet, die den Verfassern unheimlich ist. Noch seltsamer finden sie es, dass Anne Drescher jetzt auch noch vom Dopingopfer-Hilfeverein für „Herausragende Unterstützung“ ausgezeichnet werden soll.

Kommentare (3)

Na immerhin Herr Schenk hat es öffentlich zugegeben, bewusst und freiwillig, gedopt zu haben. Keiner kann dem einfachen Bürger nun noch glaubhaft machen, dass es bei den anderen nicht auch so war, zumindest haben dann deren Eltern gewusst was mit ihrem Kind beim Sport passiert. Warum gibt es auf einmal fast 30 Jahre nach der Wende Entschädigung für DDR Sportunrecht( wenn man es überhaupt so nennen kann) und bei Berufskrankheiten ( z.B. Strahlungsopfer Wismut) ist Deutschland für die ehemalige DDR nicht zuständig. Entweder Entschädigung für alles was aus DDR Zeiten mit der Wende übernommen wurde , oder gar keine.

Eine zentrale Person angreifen um das Gesamtthema zu torpedieren... Bei sputniknews abgeschaut? Nun, Scherz beiseite und zu den Fakten. Die Person Ines Greipel wird in dem offenen Brief mit keinem Wort erwähnt. Und mit den persönlichen Angriffen hat nun mal der Nordkurier angefangen zu Gunsten eines EX-DDR-Trainers (die per Definition ihres Amtes ALLE auch Stasi-Zuträger waren, aber das nur am Rande). Und der erste Kommentator setzt noch einen drauf. Zu seiner Information, für die Wismutkumpel sind bisher über eine Milliarde Euro bereitgestellt worden. Ein klein wenig mehr als die 13 Millionen des DOHG.

Wismut, war nur ein Beispiel,von vielen Möglichkeiten. Nachdem x Kumpel an Krebs durch Verstrahlung gestorben waren ,sah sich dieser Staat genötigt doch noch Hilfe zukommen zu lassen ,egal welcher Art. Ich bleibe bei meiner Meinung , kein Geld für freiwilliges Doping.