WEGEN CORONAKRISE

Neuer Trainingsalltag zwischen Videoclips und Wäscheleine

Der Neubrandenburger Finn Brammann spielte Skaterhockey in der 2. Bundesliga – bis ihn Corona ausbremste. Der 17-Jährige lässt sich aber nicht stoppen.
Not macht erfinderisch: Finn Brammann schießt auf ein Hockeytor zwischen Mehrfamilienhäusern.
Not macht erfinderisch: Finn Brammann schießt auf ein Hockeytor zwischen Mehrfamilienhäusern. Peter Krüger
Finn Brammann mit dem Trikot der Red Devils.
Finn Brammann mit dem Trikot der Red Devils. Peter Krüger
Finn Brammann hofft darauf, bald wieder mit seiner Berliner Mannschaft zusammen trainieren zu können.
Finn Brammann hofft darauf, bald wieder mit seiner Berliner Mannschaft zusammen trainieren zu können. Peter Krüger
Neubrandenburg.

Auf den ersten Blick scheint für Finn Brammann alles wie immer. Freundlich grüßend steigt eine junge Frau mit einem Korb voller Wäsche die Kellertreppen eines Neubrandenburger Mehrfamilienhauses hinauf – Brammann grüßt zurück.

Und doch ist so einiges anders als sonst. Denn während die junge Frau mit dem Korb in den Händen ihren ausgemachten Zielort – die Wäscheleine – erreicht hat, zielt der 17-Jährige (eher unabsichtlich) kleine orange Bälle in ihre Richtung.

Debütsaison in der Eishockey-Ostseeliga

Die meisten von denen landen in einem kleinen Hockeytor, nur wenige fliegen vorbei und finden sich im Rasen des Wäscheplatzes wieder. Finn Brammann hat neue Wege gefunden, sein geliebtes Hobby trotz dieser schwierigen Coronazeit wenigstens im Ansatz weiter ausüben zu können. Dabei war doch Anfang März noch alles so schön für den jungen Neubrandenburger.

Gerade erst hatte Brammann seine erste Saison in der Eishockey-Ostseeliga beendet, mit seinem Team, den Blizzards Neubrandenburg, wurde er am Ende Dritter. Nur eine Woche nach dem letzten Spieltag auf dem Eis feierte Brammann dann auch schon sein Debüt in der 2. Bundesliga beim Inline-Skaterhockey. Dabei trug er das Trikot der Red Devils Berlin.

Der Klassenerhalt stand auf dem Wunschzettel

Vor knapp einem Jahr wechselte Brammann von den Rostocker Nasenbären in die Hauptstadt, wurde mit den Berlinern auf Anhieb Regionalligameister und stieg in die Zweite Liga auf. Nebenbei wurde er mit der U19 der „Roten Teufel“ immerhin Deutscher Vizemeister.

Da ist es dann auch nicht sonderlich überraschend, dass Brammann auf die neue Hockey-Saison „so richtig Bock“ hatte. Der Klassenerhalt stand immerhin auf dem Wunschzettel der Verantwortlichen.

„Wir haben eine richtig geile Truppe“, schwärmt Brammann, „und das nicht nur auf dem Parkett, denn die Jungs sind auch privat schwer in Ordnung“. Umso schmerzlicher, dass er diese Jungs für einige Wochen oder sogar Monate nicht mehr sehen wird.

Heimatverein half mit einem Hockeytor aus

Denn nach dem ersten Spiel war nicht nur Schluss mit lustig, sondern vorerst auch mit der Zweitligasaison – sowie auch mit dem Training. Nichts ging mehr. Neue Ideen und bestenfalls auch Lösungen mussten her, da ja auch sein Heimatverein in Neubrandenburg von den Corona-Verboten betroffen war.

Also nahm Brammann das Angebot von Blizzards-Chef Martin Endlich an, sich ein Hockeytor und ein paar Bälle zu leihen. Seitdem heißt es nun dreimal wöchentlich Schusstraining in der Nähe des Wäscheplatzes vor dem Haus.

Trainingstipps aus dem Internet

„Einige Bälle sind aber schon draufgegangen“, so Brammann grinsend. Nebenbei geht er noch joggen und in den kommenden Tagen auch inlinern. Tipps für das Training daheim holt er sich aber auch aus dem Internet.

Sein Berliner Verein und dessen Trainer präsentieren bei Youtube mit der E-Academy ein Angebot für Hockeyinteressierte, wie man sich auch Zuhause fit halten kann. Clips über Trainingstechniken zum Nachmachen flimmern dabei direkt auf den heimischen Bildschirm.

„Eine coole Sache“, so Brammann, der spätestens im Juni oder Juli aber wieder mit seinen Jungs zusammen trainieren will. Und mit diesen dann im Idealfall auch den Klassenerhalt in der Zweiten Liga feiern möchte.

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