OLYMPIANORM

Rostocker vor Marathon-Showdown in Valencia

Tom Gröschel ist Mecklenburg-Vorpommerns schnellster Ausdauerläufer. Er möchte im kommenden Sommer bei den Olympischen Spielen in Tokio dabei sein.
Tom Gröschel (hier bei der Leichtathletik-EM 2018 in Berlin) möchte das Ticket für Tokio 2021.
Tom Gröschel (hier bei der Leichtathletik-EM 2018 in Berlin) möchte das Ticket für Tokio 2021. BEAUTIFUL SPORTS/R. Schmitt
Neubrandenburg ·

Anfang der Woche war Tom Gröschel noch einmal bei Dirk Bockelmann. Der Marathonläufer vom TC Fiko Rostock nutzte einen kurzen Heimatbesuch, um sich bei dem Physiotherapeuten aus Güstrow behandeln zu lassen. Bockelmann betreut Gröschel seit vielen Jahren, beide sind dicke Kumpel, und deshalb dürfte der Muskelfachmann auch einer derjenigen sein, die dem Ausdauerläufer besonders die Daumen drücken werden.

Tom Gröschel steht an diesem Sonntag vor seinem wahrscheinlich schwersten Marathon seiner Karriere. Der zweifache Deutsche Marathon-Meister will im spanischen Valencia (Start8.30 Uhr, Livestream NDR) die Norm für die Olympischen Spiele in Tokio 2021 knacken. Mindestens in 2:11,30 Stunden muss der 29-Jährige dafür die 42,2 Kilometer durch die Straßen der spanischen Großstadt rennen; seine persönliche Bestzeit steht momentan bei 2:13,49. „Das sind zweieinhalb Minuten. Es ist ein riesiger Schritt und es klingt utopisch. Ich muss die erste Hälfte so schnell laufen wie noch nie, aber dann kommt noch eine Hälfte”, erzählt Tom Gröschel dem Nordkurier.

Zwei Deutsche haben die Norm schon erfüllt

Zwei Deutsche, Hendrik Pfeiffer (2:10,18 Stunden) und Amanal Petros (2:10,29), haben die Tokio-Vorgabe bereits in der Tasche. Gröschel, Philipp Pflieger und Marathon-Debütant Richard Ringer wollen die Norm am Sonntag in Valencia erfüllen. „Es wird brutal schwer und wohl das größte Rennen, das ich bisher gelaufen bin”, sagt der Rostocker, der zur Sportfördergruppe der Polizei gehört. Dass Pfeiffer und Petros diese Norm bereits abhaken konnten, freut Tom Gröschel sehr. Die drei Läufer gehören seit einigen Jahren zur Trainingsgruppe von Tono Kirschbaum in Bochum, sie sind zwar Konkurrenten, aber längst auch Freunde. „Es wäre doch cool, wenn drei Läufer aus unserer Trainingsgruppe in Tokio starten würden”, sagt der Marathonläufer.

Tom Gröschel, dessen sportliche Laufbahn einst beim LAC Mühl-Rosin seinen Anfang nahm und ihn später an die Sportschule in Rostock führte, lebt mittlerweile in Nordrhein-Westfalen. 2016 schloss er sich den Bochumer Läufern an, weil in Rostock schlicht die Trainingspartner fehlten. Dem TC Fiko Rostock blieb Gröschel dennoch treu. Vor zwei Jahren lief der einstige Crossspezialist seine ersten 42,2 Kilometer und krönte sich in Düsseldorf auf Anhieb zum Deutschen Meister. Bei der anschließenden Europameisterschaft in Berlin wurde der Rostocker als Elfter bester Deutscher im Marathonfeld. Ein Jahr später verteidigte er in Düsseldorf seinen nationalen Titel – in der noch aktuellen Bestzeit von 2:13,49.

Nach einem schwierigen Jahr ist Gröschel dankbar

Dass er am Sonntag in Valencia erheblich schneller rennen muss, um eine Chance auf Tokio zu haben, macht ihm keine Angst: „Ich weiß, dass es schwer wird, aber ich freue mich.” Nach einem schwierigen Jahr, das in Barcelona mit einer persönlichen Bestzeit auf der Halbmarathondistanz begann, sich dann aber mit der Coronapandemie und einer Verletzung fortsetzte, ist er glücklich, überhaupt die Möglichkeit bekommen zu haben, noch einen Marathon laufen zu können. „Dafür bin ich sehr dankbar”, sagt der Polizist.

Der Valencia-Marathon ist in diesem Jahr nicht nur wegen der 40. Auflage eine besondere Veranstaltung. Wegen der Coronapandemie wird der Lauf als reines Eliterennen ausgetragen – mit Top-Besetzung. Bei den Männern starten neun Läufer mit Bestzeiten von unter 2:05 Stunden, insgesamt 35 sind schon unter 2:10 Stunden gerannt. Da sind neue Bestzeiten fast garantiert.

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