DDR-DOPING

So wehrt sich Geipel gegen die Vorwürfe der Experten

Ausgerechnet Gründungsmitglieder der Dopingopfer-Hilfe DOH werfen dem Verein vor, in zweifelhafte Interessenkonflikte verstrickt zu sein. Die Vorsitzende Ines Geipel findet das „bizarr“.
Jochen Klein Jochen Klein
Ines Geipel wirft ihren Kritikern vor, die DDR-Dopingopfer aus dem Blick verloren zu haben.
Ines Geipel wirft ihren Kritikern vor, die DDR-Dopingopfer aus dem Blick verloren zu haben. Rainer Jensen
Der renommierte Doping-Experte Professor Werner Franke ist Co-Autor des Briefs.
Der renommierte Doping-Experte Professor Werner Franke ist Co-Autor des Briefs. Paul Zinken
Berlin.

Die Ende September im Nordkurier aufgeworfene Frage, ob ihr Verein die Zahlen zu Opfern im
DDR-Leistungssport künstlich aufbausche
, hatte Ines Geipel noch zurückgewiesen, indem sie die Personen, die die Vorwürfe formulierten, als geisteskrank oder sonstwie unglaubwürdig brandmarkte – mit den Autoren des am Donnerstag bekannt gewordenen offenen Briefes wird ihr das kaum gelingen.

Daher hat Geipel am Freitag ihre Strategie geändert und die Vorwürfe, ihr Verband bausche die Fallzahlen des DDR-Dopings künstlich auf und lasse es an Distanz zu anderen Interessenträgern mangeln, nun inhaltlich gekontert: „Wir haben als DOH enormen Zulauf, die Schicksale sind sehr schwer“, sagte sie in einer Stellungnahme, die offenbar nur der Nachrichtenagentur SID zuging: „Wir leisten diese Arbeit seit Jahren im Ehrenamt. Dass nun so vehement versucht wird, unseren langen Kampf in Misskredit zu bringen, hat in meinen Augen etwas sehr Vordergründiges.“

Absender des Briefes sind der Heidelberger Molekularbiologe Pfossor Werner Franke sowie Professor Gerhard Treutlein, Co-Autor des Buchs „Doping im Spitzensport“, Ex-Leichtathletin Claudia Lepping und der frühere Skilanglauftrainer Henner Misersky. Sie hatten die bisherigen Regelungen für DDR-Dopingopferhilfe als „Einladung zum fortwährenden Betrug“ bezeichnet. Außerdem kritisierten sie scharf, dass Geipels Verein DOH die These vertrete, es gebe eine zweite Opfer-Generation und als Beleg hierfür Psychologen nennt, die zugleich von Empfehlungen der DOH profitieren.

Geipel: Kritikern ist das Schicksal der Opfer egal

Dem SID-Bericht zufolge heißt es in Geipels Stellungnahme weiter: „Dass Gründungsmitglieder jetzt so weit gehen, sogar die Fristverlängerung und die Aufstockung des Fonds stoppen zu wollen, das heißt, dass ihnen die Opfer letztlich egal sind, das finde ich persönlich schon schwer bedenklich. Die Argumente, die der Brief liefert, erinnern mich fatal an die Sätze derer, die das Schadensthema im Sport über Jahrzehnte abgewehrt haben. Das ist schon bizarr. Dass wir als Vorstand den Brief nicht erhalten haben, ist auch merkwürdig. Hätte man das nicht anders mit-
einander lösen können?“

Zugleich veranlasste Geipels Verein offenbar, dass Brief-Autor Werner Franke von der Internetseite der DOH getilgt wurde. Hieß es dort bis vor Kurzem noch, Franke sei „einer der verdientesten Anti-Doping-Kämpfer in Deutschland“, war die entsprechende Unterseite am Freitagnachmittag nur noch über das Archiv der Suchmaschine Google aufrufbar. Franke sitzt im Beirat Medizin der DOH, auch in bereits archivierten Beiträgen auf der DOH-Homepage ist sein Name zu finden.

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