DFB-CHEF IST SKEPTISCH

Sollte E-Sport olympisch werden?

Sind Wettkämpfe an Computern und Konsolen Konkurrenz für klassische Sportvereine? Ja, sagt DFB-Präsident Reinhard Grindel. Doch Millionen Menschen sehen das ganz anders.
dpa
Ist das Sport oder "nur" Computer-Spielen? Darüber gehen die Meinungen auseinander.
Ist das Sport oder „nur” Computer-Spielen? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Marek Majewsky
Bremen.

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat sich sehr skeptisch zum steigenden Interesse an E-Sport geäußert. „Die größte Konkurrenz, ob Kinder in unsere Vereine kommen, kommt nicht von anderen Sportarten wie Handball oder Basketball. Sondern vom Befassen mit digitalen Endgeräten”, sagte Grindel in der Talkrunde Weserstrand des „Weser-Kurier”.

E-Sport bezeichnet den sportlichen Wettkampf zwischen Menschen über Computerspiele. In der Regel wird dieser mit Hilfe des Mehrspielermodus ausgetragen.

E-Sport als „Verarmung” bezeichnet

Mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland haben bereits als Spieler an E-Sport-Turnieren oder Ligakämpfen teilgenommen. Das hat eine Yougov-Umfrage im Auftrag des Branchenverbands BIU Ende Januar ergeben. Rund neun Millionen weitere Videospieler können sich künftig eine Teilnahme an wettbewerbsmäßig ausgetragenen Spiele-Turnieren vorstellen.

Grindel bezeichnete die Tendenz, dass sich immer mehr Jugendliche mit E-Sport befassen würden, als eine absolute Verarmung. Er halte es deshalb für falsch, E-Sport für gemeinnützig zu erklären. Der Fußball sei nicht dazu da, der Unterhaltungsindustrie Steuervorteile zu verschaffen, sagte der DFB-Boss.

E-Sport könnte olympisch werden

Allerdings sehen Millionen Menschen das Thema nicht so kritisch wie DFB-Chef Grindel, sondern sie erkennen darin Potenzial. „Bei den übernächsten Olympischen Spielen sehen wir E-Sport”, glaubt der E-Sport-Experte und ehemalige Mitarbeiter der nach eigenen Angaben größten E-Sport-Firma „ESL”, Arne Peters. Der Markt wachse stetig und erreiche ein Millionen-Publikum.

Das hat auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) erkannt. Er will sich mit der Anerkennung von E-Sport auseinandersetzen. „Dem Phänomen E-Sport stehen wir aufgeschlossen gegenüber”, sagte DOSB-Vizepräsident Walter Schneeloch Anfang Februar. „Allerdings muss es für eine anerkannte Sportart auch praktikable Lösungen für die – bisher fehlende – Vereinsstruktur geben”, sagte Schneeloch weiter. CDU, CSU und SPD hatten bei den Koalitionsverhandlungen das Ziel aufgenommen, E-Sport als Sportart anzuerkennen. Dabei soll dem wettbewerbsmäßigen Computerspielen auch eine „olympische Perspektive” aufgezeigt werden.

Digitaler Umbruch trifft auch den Sport

Für den E-Sport-Bund Deutschland (ESBD) ist ohnehin klar, dass sich die Zeiten hin zu digitalen Wettkämpfen ändern. „Der Sport insgesamt steht vor einem Umbruchsprozess im digitalen Zeitalter, der mitnichten eine Verarmung, sondern eine tiefgreifende Veränderung darstellt. Mit dieser Veränderung müssen wir als organisierter Sport umgehen – der DOSB zeigt mit der Einrichtung einer Arbeitsgruppe eSport, dass es einen offenen Umgang damit geben kann”, sagt Hans Jagnow, Präsident des ESBD.

„Die aktuelle Entwicklung im eSport bietet dem gesamten deutschen Sport große Chancen, den Ansatz von Vereinsarbeit mit digitalen Sportangeboten des eSport zu ergänzen und damit eine junge Zielgruppe mit den Werten des organisierten Breitensports zu erreichen: Toleranz, Respekt, Fairplay und Teamfähigkeit. Der Einstieg von großen Bundesligavereinen, aber auch von Breitensportvereinen in den E-Sport in den letzten Monaten zeigt, dass auch im Fußball dieses Bewusstsein wächst”, so Jagnow weiter.

 

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