Turnen

Spenden für gefeuerte Trainerin reißen nicht ab

Die Chemnitzerin Gabriele Frehse hat Pauline Schäfer zur Turnweltmeisterin geformt. Jetzt wurde sie entlassen, weil sie Mädchen schikaniert haben soll.
Die Chemnitzerin Gabriele Frehse gehört zu den erfolgreichsten Turntrainerinnen in Deutschland, sie formte Pauline Sch&au
Die Chemnitzerin Gabriele Frehse gehört zu den erfolgreichsten Turntrainerinnen in Deutschland, sie formte Pauline Schäfer zur Weltmeisterin. Hendrik Schmidt
Dieter Kollark ist entsetzt. Foto: Archiv
Dieter Kollark ist entsetzt. Foto: Archiv
Chemnitz

Der Spendenaktion für die entlassene Turntrainerin Gabriele Frehse aus Chemnitz (Sachsen) schließen sich weiter viele Menschen an. Mehr als 32 000 Euro sind bisher auf das Spendenkonto eingegangen und die Geldeingänge reißen nicht ab. Initiiert haben die Aktion zwei ehemalige Turnerinnen von Gabriele Frehse. Emma Malewski, Lisa Zimmermann und Sophie Scheder, die heute bei ihr trainieren, setzten das Ganze um.

Zu den Spendern gehört auch der Neubrandenburger Leichtathletik-Trainer Dieter Kollark, der eine hohe dreistellige Summe überwiesen hat. „Was da in Chemnitz abläuft, geht überhaupt nicht”, sagt er. Im Trainingslager in Kienbaum habe er gerade die Möglichkeit gehabt, mit mehreren Trainern zu reden. Auch mit Gabriele Frehse tauschte sich Kollark bereits aus. „Für uns beide ist das eine Kampagne. Die Frage ist, was steckt dahinter”, meint der Trainer von Diskuswerferin Claudine Vita.

Einstige Schützlinge von Gabriele Frehse um die ehemalige Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer werfen der Trainerin vor, sie schikaniert, ihnen Medikamente ohne ärztliche Verordnung verabreicht und keinen Widerspruch zugelassen zu haben. Die Situation ist vertrackt, die Fronten sind verhärtet. Frehse geht juristisch gegen die Anschuldigungen vor, sie hatte die Vorwürfe mehrmals zurückgewiesen.

Pauline Schäfer wurde 2017 Weltmeisterin

Der Deutsche Turner-Bund (DTB) hatte von einer Frankfurter Anwaltskanzlei ein Gutachten erstellen lassen, das die Vorwürfe untermauern soll. „Die Untersuchung hat aus Sicht des DTB schwerwiegende Pflichtverletzungen im Bundesstützpunkt bestätigt”, schrieb der Verband in einer Stellungnahme und forderte darin den Rauswurf der Trainerin. Frehse forderte Akteneinsicht, die sie auch bekam. Allerdings: Von den 230 Seiten des Gutachtens waren 172 aus datenschutzrechtlichen Gründen geschwärzt. Mittlerweile ist Frehse entlassen – umgesetzt vom Leiter des Olympiastützpunktes Sachsen (OSP), Thomas Weise. Aber das möglicherweise gegen seinen Willen. Denn, und das ist pikant: Weise wiederum gehört zu den Leuten, die Geld gespendet haben, dass Frehse ihre Schützlinge auf die Olympischen Spiele vorbereiten kann. „Da fragt man sich, wer da Druck auf den OSP-Leiter ausgeübt hat, Gabi Frehse zu entlassen”, sagt Dieter Kollark.

Pauline Schäfer trainierte viele Jahre bei Gabi Frehse, wurde 2017 unter ihren Fittichen Weltmeisterin am Schwebebalken. Mitte 2018 folgte die Trennung. „Es ist das gute Recht eines jeden Trainers zu sagen, dass man nicht mehr mit dem oder den Sportler zusammenarbeiten möchte. Andersherum gilt das genauso”, sagt Dieter Kollark.

Ende 2017 schickte Pauline Schäfer ihrer Trainerin noch eine Glückwunschkarte zum Geburtstag mit sehr persönlichen Lobesworten, die dem Nordkurier vorliegt. „Und ein Jahr später ist die Trainerin ein Monster. Das geht gar nicht”, so Kollark. Aus dem Umfeld in Chemnitz ist zu vernehmen, dass Pauline Schäfer nach ihren Erfolgen ein wenig die Bodenhaftung verloren hat und das auch der Trainerin habe spüren lassen. „Was Pauline Schäfer jetzt macht, ist für mich einfach ein Nachtreten”, sagt Dieter Kollark.

Die Stadt Chemnitz verhängte ein Hallenverbot

Das Problem sei, dass immer mehr Leute reinreden würden, die wenig Ahnung vom Leistungssport hätten: „Das ist schlimm geworden.” Es sei doch klar, dass man dagegen vorgehen müsse, wenn Missbrauchsvorwürfe im Raum stehen würden. „Aber es wird schnell alles verallgemeinert. Heute werden dann immer mehr Pseudowissenschaftler und Psychologen beauftragt, Gutachten zu erstellen. Trainer werden damit runtergedrückt”, meint der Leichtathletiktrainer und fügt hinzu: „Viele Leute möchten einen Ponyhof haben im Leistungssport, den gibt es aber nicht.”

Die Stadt Chemnitz hat inzwischen ein Hausverbot für Gabriele Frehse verhängt. Weil die Trainerin aber auch Sport-Unterricht gibt, ist sie derzeit noch zweimal in der Turnhalle und trainiert dabei auch ihre Schützlinge, die zu Olympia wollen. Unterstützung bekommt Gabriele Frehse auch von prominenter Seite: Wolfgang Hambüchen, Vater und Trainer von Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen, forderte den Rücktritt der gesamten DTB-Spitze – wegen „kollektiver Unfähigkeit”. Nur so könne ein weiterer Schaden von der Sportart Kunstturnen abgewendet werden.

 

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