EIS GEGEN DEN FRUST

Team-Zoff zehrt kräftig an Vettels Nerven

Die nächste Niederlage gegen seinen Teamkollegen nervt den Formel-1-Weltmeister.
dpa
Sebastian Vettel ist gegenwärtig gefrustet. Es läuft nicht beim Weltmeister.
Sebastian Vettel ist gegenwärtig gefrustet. Es läuft nicht beim Weltmeister. Srdjan Suki
Shanghai.

Nach der bitteren Shanghai-Schlappe kühlte Sebastian Vettel seinen Ärger mit einem Becher Eis. Lange diskutierte der viermalige Formel-1-Weltmeister im Halbdunkel vor dem Team-Pavillon mit Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko über die nächste Niederlage gegen die Silberpfeile – und seinen aufmüpfigen Stallrivalen Daniel Ricciardo. „Im Moment komme ich noch nicht so recht mit dem Bock klar“, schimpfte Vettel nach Platz fünf in China über sein Auto. „Wir machen einen Schritt vorwärts und wieder einen Schritt zurück.“

Der Frust über das schlechte Fahrgefühl im RB10 entlud sich in Runde 25, als der Titelverteidiger die Teamorder missachtete und den erneut schnelleren Ricciardo nicht passieren ließ. „Pech gehabt“, raunzte Vettel in den Funk, als ihm vom Kommandostand die Gründe für den Befehl erklärt wurden. Schon zuvor beim Bahrain-Rennen hatte der Hesse für Ricciardo Platz machen müssen.

"Er wäre nicht viermal Weltmeister geworden, wenn er kein Racer wäre"

Teamchef Christian Horner bemühte sich später, den Eklat zu entschärfen. „Wir bezahlen diese Jungs ja, weil sie diesen Kampfgeist haben. Er wäre nicht viermal Weltmeister geworden, wenn er kein Racer wäre“, erklärte der Brite. Nach zwei Runden fügte sich Vettel widerwillig, am Ende hatte er mehr als 20 Sekunden Rückstand auf Ricciardo. „Er holt derzeit einfach mehr aus dem Auto raus“, bekannte der Heppenheimer selbstkritisch.

Noch droht im Red-Bull-Lager wohl kein neuer Kollegen-Zwist, wie ihn Vettel zuvor mit Mark Webber pflegte. „Ich bin sicher, dass Sebastian nicht glücklich ist, aber er wird sicher weiter mit mir reden“, meinte Ricciardo mit gewohnt breitem Grinsen. In drei von vier Qualifikationsduellen hat der Neuzugang den Weltmeister geschlagen. Wäre ihm Platz zwei beim Auftakt in Australien nicht wegen seines unerlaubt hohen Benzinverbrauchs aberkannt worden, läge Ricciardo auch in der Gesamtwertung klar vor Vettel.

„Suzie“ gibt sich immer noch störrisch

Als WM-Fünfter mit 33 Punkte hat der Deutsche neun Zähler Vorsprung auf den Australier, aber schon 46 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Nico Rosberg im Mercedes. Seit seinem Wechsel zu Red Bull im Jahr 2009 hat Vettel noch nie so lange auf seinen ersten Saisonsieg warten müssen. „Es ist noch nicht vorbei, das Jahr ist noch lang“, sagte er. Ziel sei es nun, die dreiwöchige Pause bis zum fünften Saisonrennen in Barcelona für die nächste Ausbaustufe seines Dienstwagens zu nutzen. „Das Auto hat ein unfassbar hohes Potenzial, und wir müssen einfach noch härter daran arbeiten“, forderte Vettel.

Neben seinem störrischen Boliden namens „Suzie“ muss der Champion aber vor allem seinen Teamrivalen in den Griff bekommen, wenn seine Reputation nicht weiter leider soll. „Er wird hart daran arbeiten, die Probleme abzustellen. Aber ich werde mit Sicherheit auch nicht nachlassen“, kündigte Ricciardo weitere Gegenwehr an. Noch gibt sich Vettel zuversichtlich: „Generell kann man das Fahren nicht verlernen.“

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