Norman Richter vom Penzliner SV ist einer der besten Torjäger in der Verbandsliga.
Norman Richter vom Penzliner SV ist einer der besten Torjäger in der Verbandsliga. Kim Müller
Fußball MV

Verbandsliga pausiert ungeplant – das sagen die Trainer dazu

Diese Winterpause kam ungeplant früh. Wir haben die Trainer der sechs Verbandsliga-Teams gefragt, wie sie die Situation einschätzen und ihre Bilanz ausfällt.
Seenplatte

Drei Spieltage vor dem Hinrunden-Ende eröffnete der Landesfußballverband angesichts der heiklen Corona-Situation und -Auflagen den Verbandsligisten die Möglichkeit, freiwillig zu entscheiden, ob gespielt wird oder nicht. Fix war klar: Im Jahr 2021 wird es keine einzige Partie mehr in der höchsten Kicker-Klasse MVs geben. Mittlerweile herrschen ohnehin verschärfte Bedingungen: Zwangspause für den Vereinssport im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Das sagen die hiesigen Vereine zu der Situation:

 

1. FC Neubrandenburg 04

(3. Platz)

Trainer Mathias Wackerow:

„In dieser Pandemie-Phase muss Vernunft walten. Ich fand es sehr solidarisch, dass sich viele Mannschaften schnell einig waren, die drei restlichen Runden auf das kommende Jahr zu verschieben. Andernfalls hätte es unfaire Vergleiche geben können, zum Beispiel, wenn einer wegen Quarantäne Ausfälle gehabt hätte und der Gegner nicht. Abgesehen davon kommt uns die vorzeitige Pause nicht ungelegen, weil wir zuletzt doch einige Personalsorgen hatten.

Mit dem, was unsere Truppe bisher sportlich gebracht hat, können wir unterm Strich zufrieden sein. Wir sind oben dabei, Spitzenreiter SV Pastow ist uns vier Punkte voraus. Unser Kader besteht aus sehr jungen Leuten und einigen Routiniers, die in kurzer Zeit zu einem Gefüge geworden sind. Auffällig ist, dass wir auswärts erfolgreicher gewesen sind als in den Heimspielen, die neben zwei Siegen vier Unentschieden brachten. Wir müssen also auch zu Hause noch effektiver agieren. Daran werden wir arbeiten.“

 

Penzliner SV

(5. Platz)

Trainer Henry Stamm:

„Ich fand die Art des Landesfußball-Verbandes, den Vereinen freizustellen, ob sie bis zur Winterpause weiterspielen wollen oder nicht, einigermaßen speziell. Andererseits hätte er auch vorgeben können, dass weitergespielt werden muss und andernfalls ein Punktabzug droht. Ich hätte es besser gefunden, gemeinsam mit den Vereinen eine Lösung zu finden, ob und wie es weitergeht. Aber in dieser Zeit ist es schwierig, schnell die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Mit dem 5. Tabellenplatz bin ich sehr zufrieden. Sicher, wir lagen kurzzeitig einmal – zu diesem Zeitpunkt völlig verdient – auf dem 1. Platz. Wir wussten aber auch, dass das nur eine Momentaufnahme war, denn wir haben nicht den größten Kader, und Verletzungen können immer auftreten. Wichtiger war für mich, dass die Mannschaft nach vier Niederlagen wieder zurückgekommen ist und sogar mit einer Rumpftruppe ein Unentschieden beim FC Anker Wismar erkämpft hat. Unser Ziel ist nicht ein bestimmter Tabellenplatz, sondern wir wollen jedes Spiel gewinnen und vor allen Dingen der Abstiegszone fernbleiben. Insofern ist das für uns ein überragender 5. Platz, auf den das Team stolz sein kann.“

 

FSV Einheit Ueckermünde

(6. Platz)

Trainer Thorsten Bergin:

„Ob die Unterbrechung nun die richtige Entscheidung war oder nicht, das kann und möchte ich nicht beurteilen. Meiner Meinung nach lässt eine 2G-Plus-Regelung am Fußballplatz aber keinen fairen Spielbetrieb zu. Die Trainer hätten ihre Teams nach Impfausweisen aufstellen müssten, dabei sollten sich die Akteure doch vielmehr durch sportliche Leistung für ihren Einsatz empfehlen. Alles andere macht wenig Sinn.

Nach einem guten Saisonstart haben wir zuletzt ein wenig den Faden verloren. Zwar sind über 80 Prozent unserer Jungs längst durchgeimpft, allerdings hätten ein paar Akteure die restlichen wichtigen Spiele auch verpasst. Daher unterschreibe ich den verfrühten Gang in die Winterpause und erhoffe mir faire Bedingungen im kommenden Jahr. Zeitlich sollte eigentlich genug Puffer vorhanden sein, um die verschobenen Partien nachzuholen.“

 

Malchower SV 90

(9. Platz)

Team-Manager Bernd Klein:

„Dass der Landesfußball-Verband die Möglichkeit eröffnet hat, Spiele ohne Bestrafung abzusagen, fanden wir richtig. Aber dass die Vereine eigentlich vom Verband mit der Frage im Regen stehen gelassen wurden, ob oder wie sie diese kaum umsetzbaren Corona-Auflagen der Landesregierung umsetzen können oder nicht, das war schon seltsam. Zum Glück haben ja alle Vereine die Spiele bis zur Winterpause abgesagt. Aber wenn einige es drauf angelegt hätten, Punkte um jeden Preis zu sammeln, um zur Winterpause besser dazustehen, hätte es anders ausgesehen. Man denke nur an die Vorsaison mit dem Saisonabbruch und der damals getroffenen Quotientenregelung, die auch nicht das Gelbe vom Ei ist.

Mit der Leistung der Mannschaft bisher können wir zufrieden sein, weil sie sich gerade zuletzt kontinuierlich gesteigert hat. Das Erreichen des Landespokal-Viertelfinals im Spiel gegen Ueckermünde oder der Auswärtspunkt beim 1. FC Neubrandenburg 04 waren die Belohnung für die harte Trainingsarbeit. Wobei wir auch bei den Niederlagen meist nicht schlecht ausgesehen haben, mit Ausnahme der Partie in Warnemünde, wo sich unser Stammkeeper beim Aufwärmen verletzt hatte und unser junger Ersatztorwart ins Spiel musste. Binnen weniger Minuten gab‘s mehrere Gegentreffer. Aber auch da sah man, dass die Mannschaft zusammenhält und etwas wegstecken kann.“

 

SV Siedenbollentin

(14. Platz)

Trainer Christoph Haker:

„Wir hätten, ehrlich gesagt, gern noch diese drei Spiele vor Weihnachten gemacht. Denn nach sehr schwierigen Monaten befanden wir uns in den vergangenen Wochen gerade auf dem richtigen Weg. Dass dann abrupt Schluss war, ist also eher ungünstig für uns. Aber wir akzeptieren das, ganz klar, und müssen zusehen, im neuen Jahr an den guten Lauf anzuknüpfen.

Dass wir es als die Neulinge in der Verbandsliga nicht leicht haben würden, war uns vor dem Saisonbeginn bewusst. Dass es dann aber zunächst einmal gar nicht laufen sollte, hatten wir uns natürlich nicht vorgestellt. Viele Gegentore und viele Niederlagen haben wir kassiert, viel Lehrgeld gezahlt. Vor einigen Wochen kriegten wir endlich die Kurve und konnten uns mit zehn Punkten aus vier Spielen von den letzten beiden Rängen absetzen. Das untere Tabellen-Mittelfeld ist nun zumindest in Sichtweite. Die Mannschaft funktioniert, auch wegen kleiner Umstellungen, jetzt besser.“

 

SV Waren 09

(16. Platz)

Trainer Onni Berner:

„Die Unterbrechung ist aufgrund der pandemischen Notlage absolut sinnvoll und kommt meiner Meinung nach eigentlich viel zu spät. Überall steigen die Zahlen, die Rede ist von Kontaktvermeidung. Und wir tingeln durch ganz Mecklenburg-Vorpommern? Das passt doch nicht zusammen! Ich hätte mir eine klare Linie vom Verband gewünscht, stattdessen hat man sich an der Spitze jeglicher Verantwortung entledigt und die Entscheidung auf die Vereine abgewälzt. Es wurde bequem von oben nach unten delegiert – meiner Meinung nach ein falscher Ansatz, der dieser Tage aber nicht nur im Sport zu beobachten ist.

Aus sportlicher Sicht richten wir den Blick nach vorn und hoffen im nächsten Jahr auf die ersten Punkte. Wenn wieder möglich, wollen wir den Trainingsbetrieb aufnehmen. Die Informationslage, was erlaubt ist und was nicht, ist derzeit leider oftmals etwas undurchsichtig. Wir beobachten die Entwicklung weiter und hoffen, bald wieder gegen den Ball treten zu können.“

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